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Mariahof oder Euren: Wo darf in Trier gebaut werden? Stadtverwaltung will Vor- und Nachteile öffentlich diskutieren

Mariahof oder Euren: Wo darf in Trier gebaut werden? Stadtverwaltung will Vor- und Nachteile öffentlich diskutieren

"Verwirren Sie mich nicht mit Fakten - meine Meinung steht fest": In etwa beschreibt dieser ironische Sinnspruch den Sachstand der Diskussion um den Flächennutzungsplan der Stadt Trier. "Die Leut’ kennen doch noch gar nicht alle Gegebenheiten", sagt Baudezernent Andreas Ludwig. Abhilfe schaffen sollen Info-Abende.

Seit mehr als einem Jahr spaltet eine Frage Trier: Sollen die Grünflächen zwischen Mariahof und Mattheiser Wald in den nächsten Jahren als neues Wohngebiet ausgewiesen werden oder die Eurener Langflur ? Weil viele Fakten noch nicht bekannt seien, könne die Diskussion nicht sachlich geführt werden, erklärte Baudezernent Andreas Ludwig bei einem Pressegespräch am Montag. Mehrere Info- und Diskussionsveranstaltungen sollen Transparenz schaffen.

Der Flächennutzungsplan (FNP) legt fest, welche Flächen im Stadtgebiet in den nächsten Jahren zu Gewerbe-, Wohn- oder etwa ökologischen Flächen werden könnten. Anfang des Jahres konnten Bürger, Naturschutzverbände und andere Organisationen ihre Meinung zum ersten Planentwurf einreichen. "Uns haben viele, viele Meinungen erreicht - die meisten gegen ein neues Wohngebiet bei Mariahof", sagt Ludwig. Problem bei der Sache: Das Gutachten für die Ausweisung der Langflur bei Euren entlang des sogenannten Promillewegs habe damals noch gar nicht vorgelegen. "Mittlerweile wissen wir, was die Erschließung der Langflur kosten würde und welche anderen Vor- und Nachteile es dort gibt", erklärt Ludwig.

Bislang wurde das Gutachten nur dem Bauausschuss und den Ortsvorstehern von Mariahof, Euren und Zewen vorgestellt . "Nach den Herbstferien wollen wir mit den Infos an die Öffentlichkeit", sagt Ludwig.Acht Millionen Euro

Für ihn senke sich nach Abwägung aller Fakten die Waagschale weiterhin zugunsten eines Baugebiets bei Mariahof, räumt der Baudezernent auf TV-Nachfrage ein. Seine Partei, die CDU, hatte sich bislang gegen Wohnbauflächen bei Mariahof ausgesprochen. Auch die Grünen sind gegen Mariahof. Die SPD hat sich noch nicht festgelegt.

Nach TV-Informationen würde die Erschließung von Bauland zwischen Euren und Zewen rund acht Millionen Euro kosten. Ein Baugebiet auf den Wiesen zwischen Mariahof und Brubacherhof wäre dagegen verkehrstechnisch sehr viel günstiger umzusetzen. In Euren müssten zudem mehr als 100 Garten- und Wochenendhäuschen, die ohne Baugenehmigung in den vergangenen Jahren errichtet wurden, weichen. "Diesen Streit mit Dutzenden Kleingrundbesitzern will die Stadt wohl nicht führen", vermutet ein Befürworter der Langflur als Baugebiet.

Termine für die öffentlichen Veranstaltungen, bei denen alle Fakten vorgestellt und die Vor- und Nachteile der beiden potenziellen Baugelände diskutiert werden sollen, stehen noch nicht fest. "Ich stelle mir aber definitiv mehrere Runden vor: Mit den Ortsbeiräten und den Bürgern, der Industrie- und Handelskammer und der Handwerkskammer, den Naturschutzverbänden und dem Architektur- und Städtebaubeirat zum Beispiel", sagt Ludwig. "Ich will definitiv eine breite Diskussion in der Öffentlichkeit, auf der dann unsere gemeinsame, vernünftige, auf Fakten basierende Entscheidung fußen soll."Extra

Nach den Herbstferien sollen die öffentlichen Diskussionsrunden beginnen. Im ersten Quartal 2017 soll der Stadtrat den FNP-Grundsatzbeschluss fassen. Gesetzlich vorgesehen ist danach eine zweite Offenlegung, bei der Bürger Stellungnahmen abgeben können. Mitte 2017 soll der FNP dann letztlich beschlussreif sein und als Planungsleitlinie für die Stadtentwicklung bis mindestens 2030 verabschiedet werden. wocMehr zum Thema

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