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Markige Worte und eine Mähdrescher-Fahrt

Markige Worte und eine Mähdrescher-Fahrt

Beim ersten Auftritt nach seiner Wahl zum Chef des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau hat Michael Horper in Schweich Tacheles geredet. Man müsse sich gegen unfaire Anfeindung zur Wehr setzen, forderte er.

Schweich. 70 Hektar Siedlungsfläche gehen Tag für Tag in Deutschland verloren - und die Bauern schlagen Alarm. Auch auf der Jahreshauptversammlung des Bauern- und Winzerverbandes Trier-Saarburg wurde der Flächenverbrauch beklagt. "Wir brauchen das Land dringend", sagte Walter Clüsserath, Kreis-Chef und neuer Vize des Verbandes Rheinland-Nassau. Glückwünsche gab es für ihn, aber auch für den neuen Präsidenten Michael Horper (Üttfeld/Eifel). Dieser nahm beim Treffen im Hotel Leinenhof in Schweich kein Blatt vor den Mund. "Wir müssen wieder mehr Arsch in der Hose zeigen", forderte Horper von den eigenen Leuten. Beispiel Prämien: Diese machten 30 bis 70 Prozent der Betriebseinkommen aus. "Sagt den Leuten draußen, wie wichtig die Prämien für uns sind, und dass sie nur dadurch ihre Waren so günstig kaufen können." Auch beim Thema Antibiotika muss die Landwirtschaft nach Ansicht Horpers einiges gerade rücken. Das Robert-Koch-Institut habe ermittelt, dass nur zwei Prozent der sich ausbreitenden Keime aus der Tiermast stammten. "Die Großen will man nicht, die Kleinen zwingt man in die Knie", so Horper. Ein Dorn im Auge sind ihm auch die Angriffe von Tierschutzorganisationen wie Animals\' Angels oder Animal Peace: "Da gibt es bei Demos Massenmörder-Rufe gegen uns, nur weil wir Tiere anbinden, und unsere Ministerin marschiert auch noch vorneweg." Die Diffamierungen schadeten dem Berufsstand, der ohnehin mit Betriebsaufgaben und Nachwuchsproblemen zu kämpfen habe. Dabei habe sich in der Tierhaltung sehr viel zum Positiven verändert, so Horper. Die Ställe seien heute groß, offen und hell, fast schon Wellnessbereiche. Die Zukunft gebe Anlass zum Optimismus. Die Schweinepreise erholten sich, auch bei der Milch sei ein Aufwärtstrend erkennbar. Die auslaufende Milchquote ist für Horper kein Beinbruch: "Ohne Quote kann\'s nicht schlimmer werden. Lasst uns gemeinsam mit den Molkereien die Märkte angehen."
Landrat Günther Schartz rief die Landwirte dazu auf, Wildschäden zu melden und nicht nur darüber zu klagen. Auch er findet, dass die Politik gegensteuern muss, was die Ausweisung von Ausgleichsflächen angeht.
Triers Wirtschaftsdezernent Thomas Egger sagte, man habe im neuen Flächennutzungsplan keine andere Wahl als neue Bau- und Gewerbeflächen auszuweisen. Trier wachse. Leider fielen dabei auch landwirtschaftliche Flächen weg, wobei die Stadt auch die Belange der Landwirte berücksichtige. So verzichte man unter anderem auf das Gewerbegebiet Kockelsberg und erhalte damit 29 Hektar.
Die von Walter Clüsserath ausgesprochene Einladung, auf einem Mähdrescher die beschwerliche Fahrt von der Eifel nach Trier übers Biewerbachtal oder Herresthal zu absolvieren, nahm Egger an. Hintergrund: Fahrzeuge über 7,5 Tonnen, also auch große landwirtschaftliche Maschinen, dürfen nicht über die B 51 talwärts fahren. alf
Extra

Kreisvorsitzender: Walter Clüsserath (Pölich), Stellvertreter: Anja Boesen (Kirf-Beuren), Bernhard Weich (Riol). Beisitzer: Alexander Bohr (Welschbillig), Heinz-Peter Rauen (Fisch), Oswald Stephany (Ralingen-Wintersdorf), Peter Weber (Trier-Irsch), Frank Adams (Ralingen-Kersch), Klaus Wahlen (Reinsfeld), Johannes Schmitt (Zerf), Armin Appel (Saarburg), Peter Geiben (Mertesdorf), Ralf Hoffmann (Wincheringen), Erich Jung (Longuich), Bernd Eilenz (Ayl), Ralf Haas (Temmels), Günther Herres (Klüsserath), Herbert Schätter (Ensch), Jörg Thul (Detzem). Landfrauen: Maria Willems (Konz-Oberemmel), Annette Schneider (Farschweiler). Landjugend: Carolin Hoffranzen (Mehring). alf