Marsch gegen soziale Ungleichheit
Trier · Brandanschläge auf Flüchtlingsheime, eine verschärfte Asylpolitik, Rechtspopulisten vor dem Einzug in die Parlamente: "Trier für Alle" sieht Deutschland auf einem gefährlichen Weg. Am Samstag hat das Bündnis für ein sozialeres Miteinander geworben.
Trier. "Rassismus führt zu Wahrnehmungsstörungen", warnt am Samstag ein Schildträger. Um ihn herum fordern 250 Menschen in Sprechchören "Bleiberecht für alle", zwei Bannerträger wollen die "Asylrechtsverschärfung stoppen!".
Unter dem Motto "Grenzenlose Solidarität" hat die Gruppe "Trier für Alle" zur Demonstration eingeladen: In den sozialen Netzwerken fordert das Bündnis aus Parteien und anderen Organisationen "eine menschenwürdige Asylpolitik" ein. Gleichzeitig warnt es vor einer wachsenden sozialen Ungleichheit, die das eigentlich drängende Problem der Zeit sei: "Für gerechte Löhne, bezahlbaren Wohnraum und eine gute Gesundheitsversorgung für alle!", lautet der Aufruf.
Neben Einzelpersonen können sich unter anderem die Linke Trier-Saarburg, die AG Frieden, die Katholische Studierende Jugend oder das Multikulturelle Zentrum damit identifizieren und tragen ihre Anliegen lautstark in die Innenstadt. Als einer von mehreren Rednern umreißt Markus Lauterborn die Situation aus Sicht von "Trier für Alle": Es bestehe die Gefahr, dass "eine rechtsradikale Partei, deren Programm sich von der NPD in vielen Punkten nur durch die Sprachwahl unterscheidet, zur drittstärksten Partei im Land wird". Ohnehin erlebe Deutschland derzeit eine "Terrorwelle", die sich auch in der Region manifestiere.
Vielfach würden Flüchtlinge zu "Sündenböcken" für soziale Missstände gemacht, die durchaus real seien: "Das reichste Prozent der Bevölkerung Deutschlands besitzt ein Drittel des Privatvermögens", konstatiert Lauterborn - und fügt hinzu: "Aber 15 Prozent leben unter der Armutsgrenze." Auch Nicola Rosendahl vom Verein Buntes Trier warnt vor einem "sehr gefährlichen gesellschaftlichen Klima".
Nach dem Auftakt am Bürgerhaus Trier-Nord zieht die Demo friedlich, aber lautstark Richtung Hauptmarkt. Bei Zwischenstopps an der Porta Nigra und auf dem Kornmarkt werden weitere Reden gehalten, unter anderem von der Cosmopolitischen Assoziation, der Sozialistischen Jugend und den Evolutionären Humanisten.