Martin muss es ausbaden

Wer mich kennt, der weiß, dass ich hin und wieder eine Lanze für die Frauen breche. So extrem wie Alice Schwarzer bin ich nicht, das find' ich auch übertrieben. Manchmal geht mir aber schon die Hutschnur hoch, wenn ich sehe, dass fast überall nur Männer das Sagen haben.

Das gilt besonders für die Politik. Kürzlich hat ja auch Rudolf Müller das Rennen als neuer Leiter der Kreisvolkshochschule gemacht. Diese Besetzung interessiert mich als eifrige Kursbesucherin natürlich besonders. Fünf Bewerber waren in der engeren Wahl, Herr Müller und vier Frauen. Die Entscheidung hat der Kreistag getroffen, und wenn man guckt, wie der sich zusammensetzt, war doch klar, wer gewinnen würde. 46 Leute sitzen im Kreistag, davon sind nur neun Frauen. Mehr brauche ich wohl nicht zu sagen. Wenn ich mich mal wieder über die Herren der Schöpfung geärgert habe, dann muss es mein Mann, der Martin, ausbaden. Das ist sicher ihm gegenüber ungerecht, aber er ist nun mal der erste Greifbare, an dem ich meinen Frust abladen kann. Martin zuliebe wollte ich eigentlich bei der Volkshochschule Konz den Kurs "Deftiges und Spezialitäten unserer Region Saar/Mosel" belegen. Sozusagen als kleine Kollektivstrafe für die Herrschaften des Kreistages und alle Männer, die sich gerne zu deftigem Essen an den Tisch setzen und dabei ihre Figuren und die ihrer Frauen ruinieren, habe ich umgeschwenkt auf "Die indisch-vegetarische Küche im Sinne des Ayurveda". Nun wird mein Martin jammern und sagen, was er denn dafür kann, dass der Kreistag den Herrn Müller statt einem Mädel genommen hat. Und ich werde antworten, dass er nichts dafür kann, aber in diesem Fall seinen Mann stehen muss. Das meint am internationalen Frauentag mit herzlichen Grüßen eure