Marx macht mobil - aber nicht jeden

Marx macht mobil - aber nicht jeden

Der berühmte Sohn der Stadt ist Triers touristischer Hoffnungsträger auf der Reisemesse ITB : Das Fachpublikum zeigt großes Interesse an der Ausstellung zu seinem 200. Geburtstag 2018. Manch einer hat aber noch Berührungsängste.

Ein Gespenst geht um? Double Michael Thielen in einem von vier Marx-Containern, in denen für ein Kunstprojekt Statements gesammlt werden. Foto: roland morgen (rm.) ("TV-Upload morgen"
Der ITB-Stand der Karl-Marx-Ausstellung. Für Triers Großereignis werben (von rechts) Kathrin Schug, Tina Altmayer und Rudolf Hahn. Foto: roland morgen (rm.) ("TV-Upload morgen"

Berlin Erstaunlich, wie viele Besucher am Karl-Marx-Stand der Internationalen Tourismus-Börse (ITB) in Berlin sich nicht öffentlich äußern wollen. Mit Namen in der Zeitung stehen, womöglich sogar mit Foto? Nein! Besuch der Ausstellung 2018 in Trier? Eher nicht. Und was treibt das Publikum dennoch in Scharen an den Stand, der auf der Tourismus-Messe für Triers großes Jubiläumsjahr 2018 wirbt, in dem sich der Geburtstag des größten Sohnes der Stadt zum 200. Mal jährt?
"Der Typ hat ja immer noch Ausstrahlung", weiß eine Frau aus Neustrelitz. "Aber in Ostdeutschland ist er bei vielen unten durch, weil die Russen und die DDR ihn vor den ideologischen Karren gespannt haben." Was niemanden davon abhält, sich dennoch mit Gratis-Souvenirs wie Kugelschreibern einzudecken ("Geben Sie mir bitte auch noch einen für meine Frau") oder am Gewinnspiel teilzunehmen. Drei einfache Fragen beantworten - und schon hat man die Chance, eine Reise nach Trier zur Ausstellung zu gewinnen. Im Gewinnfall würde man sich "sicher" gen Westen begeben.
Karl-Heinz Bannasch aus Berlin-Spandau will auf jeden Fall hinfahren. Er hat eine besondere Sicht auf die Reizfigur. Er ist Historiker und Biograf von Eduard Zimmermann (1811-1880), ebenfalls nach London emigrierter Rechtsanwalt von Karl Marx. Die Korrespondenz zwischen beiden sei "ziemlich starker Tobak. Da fliegen die Fetzen". Besonders Marx habe mächtig gekeilt: "Den hätte ich gerne leibhaftig kennengelernt", sagt Bannasch und verspricht sich von der Trierer Schau "eine Annäherung". Eine solche hatte ITB-Besucher Hans-Dieter Bielicki aus Potsdam schon abends zuvor. "Ich habe mir im Kino den Film ,Der junge Marx' angesehen. Sehr gelungen. Jetzt will ich mehr wissen", sagt er und steckt Infomaterial ein. Ob er 2018 nach Trier fährt, ist trotz des großen Interesses fraglich: "Dann bin ich 83."
Während die Normalbesucher, für die die ITB am Wochenende geöffnet war, eher verhalten mit Triers Hoffnungsträger umgehen, rüstet sich die Fachwelt schon fürs Jubiläum. Und die ist weitaus repräsentativer. Patricia Ellendt von der Trier Tourismus-Marketing GmbH (TTM) spricht von einem "vielversprechenden internationalen Interesse". Konkret über das Marx-Jahr gesprochen habe sie in Berlin mit Reiseveranstaltern unter anderem aus Tschechien, Südamerika und natürlich China. Auch Veranstalter von Flusskreuzfahrten zeigen sich interessiert, ihren Passagieren die Marx-Ausstellung als Landprogramm in Trier anzubieten. Ihre Mission - "frühzeitige Buchungen generieren" - mache gute Fortschritte, bilanziert Patricia Ellendt.
Auch Hans-Helmut Schild, Geschäftsführer der Agentur Projekt 2508 (Bonn), ist überzeugt, dass die Landesausstellung in Trier "alles andere als ein Flop wird. Vor 20 Jahren hätte ich meine Hand nicht für Marx ins Feuer gelegt. Aber jetzt ist die Zeit reif. Soziale Gerechtigkeit ist wieder ein großes Thema und Marx eine große Chance für die Stadt, aus der er stammt und die ihn geprägt hat".
Marx beschert Projekt 2508 ein Trier-Comeback. Wie schon 2007 in Sachen Konstantin der Große ist die Agentur für die Öffentlichkeitsarbeit und das Marketing der von Land, Stadt und Bund finanzierten Ausstellung zuständig.
Die Landesausstellung "Karl Marx 1818-1883. Leben.Werk.Zeit" wird vom 5. Mai bis 21. Oktober 2018 im Rheinischen Landesmuseum und im Stadtmuseum Simeonstift gezeigt. Das Kombiticket für beide Häuser kostet 16 Euro. In der Karl-Marx-Card (20 Uhr) ist zudem der Eintritt ins Museum Karl-Marx-Haus (ab 2018 mit neuer Dauerausstellung) und ins Museum am Dom (Sonderausstellung "lebensWERT.Arbeit") enthalten. Infos:
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