Mathematik verstehen und begreifen

Trier · Bunte Bauklötze, Seifenblasen, Puzzles: Das, was da in den zwei Räumen an der Trierer Uni auf den Tischen liegt, sieht ein wenig nach Kinderspielzeug aus. Es darf auch gespielt und getüftelt werden, denn es geht um "Mathematik zum Anfassen". Noch bis zum 2. März ist die Ausstellung geöffnet.

Alexandra Maier und Tobias van der Neut probieren das Prinzip des Brückenbaus nach Leonardo da Vinci aus. TV-Foto: Nora John

Trier. Wie bloß passen die elf unterschiedlich großen Quadrate genau in die ebenfalls quadratische Form? Eine Aufgabe, an der sich viele Ausstellungsbesucher versuchen. Die einen schaffen es nach einigen vergeblichen Versuchen, andere scheitern. Hildegard Mertes weiß, wie es geht. Die Mathematiklehrerin aus Föhren ist nicht zum ersten Mal in einer Ausstellung, bei der das Schulfach im wahrsten Sinne des Wortes begriffen werden kann. Sie hat mit ihren Schülern des Wittlicher Peter-Wust-Gymnasiums schon das Mathematikum in Gießen besucht, das ähnlich konzipiert ist. "Viele kriegen dadurch schon einen anderen Blick auf die Materie", sagt sie.
Es gibt viel zu entdecken in den beiden Ausstellungsräumen und alle Besucher sind konzentriert bei der Sache. Da ist der Herr, der versucht aus verschiedenen Formen ein Rechteck zu legen, das Mädchen, das ganz langsam und vorsichtig über einen Seilzug einen Ring aus einer Seifenlösung in die Höhe zieht, um schließlich ganz umhüllt zu sein von der schillernden Materie.
Alexandra Maier und Tobias van der Neut aus Trier versuchen sich als Brückenkonstrukteure nach dem Leonardo-Prinzip. Der große Künstler und Wissenschaftler da Vinci hatte seinerzeit ein System entwickelt, wie eine Brücke ohne Seile oder feste Verbindungen halten kann. Nach etwa zehn Minuten Tüftelei und einem Fehlversuch steht ein Brückenbogen auf dem Tisch.
Die beiden haben Spaß an der Ausstellung. "Wir haben alles gelöst", sagt die Studentin der Rechtswissenschaften.
Auch optische Phänomene werden bei der Ausstellung verdeutlicht. Professor Sven de Vries von der Uni Trier zeigt Eisenbahngleise mit einer Glasplatte davor. Darauf zwei Linien, die nach oben zueinander führen. Schaut man durch ein Sichtloch, decken sich die Linien auf der Scheibe genau mit den vertikal dahinterliegenden Gleisen und die Perspektive wird klar.
An anderen Stellen wird mit bunten Scheiben hantiert. Diese sollen umgeschichtet werden in möglichst wenigen Zügen, aber immer soll die kleinere oben liegen. Auch hier sind Geduld und Tüftelei gefragt. Das Thema Statistik wird bei den drei Figuren mit den menschlichen Silhouetten aufgegriffen. Bei der weiblichen Figur erfährt der Ausstellungsbesucher, dass Blutgefäße durchschnittlich 96 000 Meter lang sind und ein Herz rund 4200 Mal pro Stunde schlägt.
Dass Mathematik auch etwas mit Kunst zu tun hat, wird bei der Fibonaccifolge und der Errechnung des Goldenen Schnitts deutlich. Und das mit zwei Würfeln eine Melodie komponiert werden kann, ist verblüffend.
Ergänzt wird die Ausstellung durch Vorträge, die jeweils mittwochs um 18 Uhr beginnen. Am 19. Februar geht Professor Friedrich Pukelsheim von der Uni Augsburg der "Mathematik von Verhältniswahlen" auf den Grund. Am 25. Februar spricht Professor Gerard Sierksma von der Uni Groningen über "Trends in der Fußballstatistik". nojExtra

Ausstellung Mathematik zum Anfassen, Uni Trier, Campus I, Gebäude P,

Öffnungszeiten für Gruppen:
Montag bis Freitag 8.20 bis 14.39 Uhr;

Öffentlichkeit:
Montag bis Freitag 17 bis 19.30 Uhr,
Mittwoch 17 bis 21 Uhr,
Samstag/Sonntag 10 bis 17 Uhr (am 2. März nur bis 15 Uhr)

Der Eintritt ist frei. Infos unter www.mathe-zum-anfassen.uni.trier.de noj