Maximal zehn Flüchtlinge pro Woche

Maximal zehn Flüchtlinge pro Woche

Rund 1400 Flüchtlinge wurden der Stadt Trier in den vergangenen zwölf Monaten zugewiesen. Maximal zehn kommen pro Woche in Trier an - vor einem Jahr waren es fünfmal so viele.

Trier. "Es ist still geworden", sagt Oberbürgermeister Wolfram Leibe (SPD). Die sprichwörtliche Ruhe nach dem Sturm. Im Jahr 2015 wurde die Stadt Trier mit gewaltigen Herausforderungen konfrontiert. Die Zahl der in Deutschland Schutz und Hilfe suchenden Menschen stieg derart an, dass das Asylbewerberheim des Landes in der Dasbachstraße die nach dem Königsteiner Schlüssel festgelegte Trierer Aufnahmequote (siehe Extra) nicht mehr ausgleichen konnte.
Zum ersten Mal musste die Stadt selbst Wohnraum suchen, finden, in Schuss bringen und anbieten. Die Geschwister-Scholl-Schule in Trier-Nord, die Jägerkaserne in Trier-West und das Burgunderviertel in Kürenz wurden in Rekordzeit in Aufnahmequartiere verwandelt. Außerdem mietete die Stadtverwaltung Privatwohnungen an, um auch dort Flüchtlinge unterzubringen. 150 waren es im Vorjahr, heute sind es 200.
Die Situation hat sich beruhigt - vorerst. Die Zahl der Trier zugewiesenen Flüchtlinge ist stark gesunken. Räume, die 2015 noch dringend für Unterbringungen benötigt wurden, werden jetzt für Sprachunterricht oder Kinderbetreuung genutzt, berichtet Bürgermeisterin und Sozialdezernentin Angelika Birk (Bündnis 90/Die Grünen). Ein Beispiel sei die Geschwister-Scholl-Schule. "Gerade im Bereich des Sprachunterrichts und der Sprachstandtests haben wir uns klar verbessert, wozu auch eine neue vom Bund finanzierte Stelle beigetragen hat", berichtet Birk. Der Sprachunterricht sei mittlerweile auf alle Stadtteile ausgeweitet worden.
800 Flüchtlinge haben laut Birk einen festen Job im Visier. "Wir reden hier von der Altersgruppe zwischen 18 und 35 Jahren", ergänzt die Bürgermeisterin. 100 der Bewerber haben eine Berufsausbildung, die in Deutschland anerkannt werde. "In diesen Fällen stehen die Chancen nicht schlecht."
Die Gesundheitskarte für Flüchtlinge hatte Birk bereits abmoderiert und musste dafür harte Kritik aus den Ratsfraktionen einstecken, denn diese hatten die Einführung einer solchen Karte beschlossen (der TV berichtete mehrmals). Jetzt widerruft Birk überraschend diese Abmoderation. "Vom Land kam ein neues Dialogsignal, das wir sofort aufgegriffen haben", sagt sie.
Mit einer solchen Gesundheitskarte müssten Asylbewerber nicht mehr für jeden Arztbesuch einen Behandlungsschein beim Sozialamt beantragen. Ob und wann der Dialog mit dem Land, von dem die Bürgermeisterin spricht, erfolgreich abgeschlossen ist und dann doch noch eine Gesundheitskarte kommt, steht aber noch nicht fest.
Die SPD wirft Birk unterdessen vor, sie missachte und verschleppe Rechte des Stadtrats. "Wir hatten bereits Anfang August beantragt, dass eine Anhörung zur Frage der Einführung der Gesundheitskarte erfolgen soll, um endlich Licht ins Dunkeln zu bringen", sagt Fraktionschef Sven Teuber. Birks neuer Kurs sei "vorrangig dem politischen Druck statt wirklicher Einsicht geschuldet".Extra

Asylbewerber werden nach maximal drei Monaten in den Aufnahmeeinrichtungen in die Kommunen verlegt. Diese sind dann für die Aufnahme, Unterbringung und Betreuung zuständig. Jede Kommune muss entsprechend ihrer Bevölkerungsgröße eine bestimmte Zahl von Flüchtlingen aufnehmen. Berechnet wird das nach dem Königsteiner Schlüssel. Dieser sieht für die Stadt Trier eine Quote von 2,7 Prozent aller in Rheinland-Pfalz zu versorgenden Asylbewerber vor. Aus 27 Nationen stammen die 1359 Menschen, die zurzeit in Trier Aufnahme gefunden haben. Die größten Gruppierungen bilden Flüchtlinge aus Syrien (34,58 Prozent) und Afghanistan (24,27 Prozent). 8,3 Prozent kommen aus dem Iran, sechs Prozent aus Pakistan, 4,2 Prozent aus Georgien und 3,2 Prozent aus Eritrea. Zwei Drittel der aktuell in Trier lebenden Flüchtlinge sind Männer. 158 sind 22 bis 30 Jahre alt, 152 gehören zur Altersgruppe 31 bis 50 Jahre. jp

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