Mediziner mit Leib und Seele
Trier · Professor Dr. Michael Clemens war 18 Jahre lang Chefarzt der Abteilung Innere Medizin 1 im Trierer Mutterhaus. Nun wurde der 65-Jährige in den Ruhestand verabschiedet. Der große Saal des Klinikums war zu klein für die vielen Gäste, die dem scheidenden Onkologen ihre Wertschätzung entgegenbringen wollten. Auf Clemens folgt Internist Dr. Rolf Mahlberg.
Trier. Was macht ein Mediziner mit Leib und Seele vor seiner offiziellen Verabschiedung? "Ich hatte einen ganz normalen Arbeitstag", sagte Professor Dr. Michael Clemens in dem brechend vollen Saal des Klinikums Mutterhaus. Visite, Tumorkonferenz standen beispielsweise in seinem Terminkalender bevor er den Arztkittel gegen den schicken Anzug eingetauscht hatte.
Ein "medizinischer Leuchtturm"
Jörg Mehr, kaufmännischer Geschäftsführer des Trierer Mutterhauses, hatte die Gäste, darunter die Familien des scheidenden und des neuen Chefarztes sowie zahlreiche Kollegen, begrüßt. Laudator Oliver Kunitz, medizinischer Geschäftsführer des Klinikums, nannte Clemens "einen der medizinischen Leuchttürme des Hauses". Kunitz hatte zuvor sogar eine Blitzumfrage unter Mitarbeitern zum Thema Charaktereigenschaften des Chefarztes gestartet. Häufig sei der angesehene Onkologe als jugendlich und modern, väterlich und nett zu Kindern, in sich ruhend und zuverlässig, warmherzig und liebevoll sowie als Rettungsanker bezeichnet worden - "neben aller Fachlichkeit". Die Liste seiner Ernennungen sowie Mitgliedschaften in Fachgesellschaften und Arbeitsgemeinschaften ist lang.
Rund 50 Mal war Clemens Doktorvater, in vielen Publikationen hat er sein Fachwissen weitergegeben. Dabei hatte er erst einen anderen beruflichen Weg eingeschlagen: Der in Bremen geborene Mediziner hatte bei Mercedes-Benz, wo sein Vater Personalchef war, eine Ausbildung zum Industriekaufmann begonnen. Einen bekannten Psychologen habe er damals um Testung gebeten, erzählte Clemens während seiner Rückschau. Er war dann dem Expertenrat gefolgt und studierte Medizin in Tübingen.
1977 erhielt er seine Approbation (Berufserlaubnis). Im Laufe seiner Karriere verschrieb sich der Internist der Onkologie und Hämatologie. Seit 1996 leitete der fünffache Vater die Abteilung Innere Medizin 1 im Trierer Klinikum Mutterhaus. Nicht vermissen werde er zukünftig die Wochenenden, in denen er in der Klinik war sowie die personellen Probleme aufgrund von Ärztemangel. Der tägliche, intensive Kontakt zu Kollegen hingegen werde ihm fehlen, sagte Clemens. Ganz wird er darauf nicht verzichten müssen. Der erfahrene Onkologe wird weiter ambulant im Mutterhaus tätig sein. "Und wer meine Expertisen haben will, darf sie sich holen", sagte er. Den Festvortrag "Die Generation Y hält Einzug in die Medizin - Ausblick und Handlungsanweisung für das Krankenhaus" hielt eine Redakteurin der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, Christine Hucklenbroich. Der Internist und bisherige Oberarzt Rolf Mahlberg, übernimmt die nun frei gewordene Chefarztstelle.