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Mehr als nur süß: Honig ist ein Heilmittel

Mehr als nur süß: Honig ist ein Heilmittel

Bienen sind nicht nur fleißige Bestäuber, sie leisten mit ihren Produkten auch einen Beitrag zur Gesundheit der Menschen. Dies hat beim Deutschen Imkertag in der Trierer Europahalle im Mittelpunkt gestanden. Gut 500 Besucher hörten sich Fachvorträge zum Thema an und besuchten die Ausstellung von Bienenprodukten und Imkerausstattung.

Trier. Süß und etwas bitter zugleich schmeckt der Akazienhonig am Stand des Kreisimkerverbands Trier-Saarburg. Eine Besonderheit, erklärt Martin Anell aus Rascheid, denn er enthalte nicht nur Honig von Robinien (Scheinakazie), sondern auch von Esskastanien. Der Kreisverband ist einer der Aussteller beim Imkertag in Trier, der mehr als 500 Gäste in die Europahalle zieht.
Ausrichter ist der Deutsche Imkerbund (DIB), der alle 19 Landesverbände vertritt. Anell ist als Zeidler, ein mittelalterlicher Bienenwächter, verkleidet: "Damals haben die Bienenvölker dem Landesherrn unterstanden." Der Zeidler habe dafür gesorgt, dass keiner den Honig und die Völker stiehlt.
Jeder kann helfen


Noch heute sind Honig und Bienen wertvolle Güter. Auf mehr als zwei Milliarden Euro beziffert Bernhard Irsch vom Umweltreferat des Landes Rheinland-Pfalz den wirtschaftlichen Nutzen der Bienen beim Schutz der Naturlandschaft: "Ich schätze, es ist sogar sehr viel mehr." Die Imker in ihrer Arbeit unterstützen, dazu könnten auch die Bürger beitragen. "Man kann jeden Tag Honig essen. Und jeder kann darauf achten, dass in seinem Garten etwas wächst, das Bienen schmeckt." Manche Neubaugebiete sähen aus wie Friedhöfe - "die Gärten sind tot".
Peter und Bettina Brühl aus Koblenz hingegen wollten mehr Leben in ihrem Garten. "Wir haben festgestellt, dass unsere Obstbäume kaum mehr Früchte trugen", sagt Peter Brühl (37). Seit 2009 halten sie hobbymäßig bis zu acht Bienenvölker, deren Honig sie in der Nachbarschaft und an Bekannte verkaufen.
Honig ist nicht nur lecker, sondern auch gesund. Dies zeigen die Vorträge der Fachtagung "Gesundes aus dem Bienenvolk". Schon der berühmteste Arzt der Antike, Hippokrates, habe mit Honig eitrige Wunden behandelt, berichtet Dr. Annette Schröder, Universität Hohenheim, in ihrem Vortrag "Wellness aus dem Bienenstock" vor rund 300 Zuhörern. Er heile auch Erkältungskrankheiten und werde ebenso in der Kosmetik verwendet wie Wachs, Propolis und Gelée Royal.
Bienengift helfe bei rheumatischen Beschwerden und Blütenpollen bei Wechseljahrbeschwerden. Und so gibt es in der Fachausstellung Cremes, Salben, Lippenstifte, Seifen, Shampoos, Gesichtsmasken und Zahncremes zu kaufen, dazu Bonbons und Honigwaffeln, aber auch Zubehör für Imker wie Bienenkästen und Schutzkleidung.
Peter Weiler aus Zendscheid (Eifelkreis Bitburg-Prüm) stellt Rahmen aus. Diese nutzen die Bienen im Stock, um daran ihre Waben zu bauen. Die Tiere seien sehr empfindlich, was Schädlinge und Chemikalien angehen. Deshalb bedampfe er seine Hölzer nicht, anders als bei Importware aus China. Für mehr Gesundheit der Bienen will sich auch Norbert Schindler, Präsident der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz, einsetzen: "Es ist wichtig, dass wir dafür sorgen, dass sich die Bienen in Deutschland nicht nur wohl, sondern sauwohl fühlen."Extra

Der Kreisimkerverband Trier-Saarburg ist ein Zusammenschluss der Imkervereine Hermeskeil, Konz, Saarburg und Stadt Trier. Letzterer ist mit 102 Mitgliedern der größte Verein im Verband. Vorsitzender ist Norbert Backes aus Trier-Ehrang. Der Kreisverband hat rund 220 Mitglieder - mit steigender Tendenz. Den Jungimkern stehe ein Imkerpater zur Seite, sagt Backes, der sie anleite und mit ihnen gemeinsam die ersten Schritte unternehme. Zudem gehen sie in Schulen und Kindergärten. Der Altersdurchschnitt im Kreisverband liegt bei 56 Jahren. mehiExtra

Anlässlich des Imkertags in Trier hat der DIB alle 15 Imkerverbände in Deutschland eingeladen. "Wir wollen unsere Ziele, Standpunkte und Positionen definieren und nach außen mit einer Stimme sprechen", sagt DIB-Präsident Peter Maske. Hauptthema war das EU-weite Verbot von Insektiziden (der TV berichtete), das vorerst für zwei Jahre gilt. "Wir werden die Zeit nutzen, um weitere Belege für die Schädigung der Bienen zu sammeln", sagt Maske. "Wir wissen aus wissenschaftlichen Untersuchungen, dass es sogenannte kognitive Beeinträchtigungen gibt", sagt DIB-Präsident Peter Maske. So werde die Orientierung der Bienen beeinträchtigt. Teilweise fänden sie nicht mehr zurück. Zudem würden Informationen wie die Standorte von blühenden Pflanzen nicht mehr weiter gegeben. In der Agrarpolitik fordern die Imkerverbände Alternativpflanzen für die Energiegewinnung: "Wir sind in Gesprächen." Auf ökologischen Vorrangflächen sollen vermehrt Pflanzen, die blütensuchenden Insekten Nahrung bieten, angebaut werden. mehi