"Mehr als unerträglich"

Rund um Spangdahlem beklagen sich Einwohner über eine dramatische Zunahme von Fluglärm durch US-amerikanische Militär-Jets - und nicht nur dort. Von "unerträglichen Zuständen" ist die Rede. Die US-Luftwaffe erklärt, dass die Zunahme des Flugbetriebs an der Rückkehr der Flugstaffeln von Auslands-Einsätzen liegt.

Beilingen/Binsfeld. Bei Matthias Mohr liegen die Nerven blank. "Terror ist angesagt", stöhnt der Architektur-Professor und frühere Bürgermeister der Verbandsgemeinde Speicher. Seit Wochen sei der durch in Spangdahlem stationierte Jets verursachte Lärm nicht mehr zu ertragen.

Um 7 Uhr morgens beginne der Lärm, wenn die ersten Transportmaschinen aufstiegen, erklärt Mohr. Danach seien die ersten Düsenaggregate zu hören. "Dann fliegen sie knallhart über die Dörfer", beschreibt Mohr den Ablauf, zu dem das Abspielen der Hymne um 17 Uhr gehöre, bevor die Jets wieder aufstiegen.

Gläser setzen sich in Bewegung



Besonders betroffen gemacht hat Matthias Mohr ein Ereignis vor ein paar Tagen während einer Familienfeier im Garten: Nachdem ein Flugzeug über der Ortslage Beilingen zunächst an Höhe verloren habe, habe der Pilot den Nachbrenner gezündet, wodurch sich auf dem Tisch stehende Gläser in Bewegung gesetzt hätten und Kinder in Heulkrämpfe verfallen seien.

"Das ist schon mehr als unerträglich", schimpfte CDU-Mann Mohr am Freitag und übte in einem Atemzug geharnischte Kritik an den Kommunalpolitikern der Region. Mohr: "Unsere kommunalen Vertreter tun gar nichts für die Bürger. Die Ortsgemeinden haben nichts zu sagen, und die Verbandsgemeinde legt denen auch noch den roten Teppich aus." Dies gelte auch für den Landrat und andere Politiker, echauffierte sich der Ex-Verbandsgemeinde-Chef.

Auch Günter Schneider aus Binsfeld ist es zu laut: "So viel wie derzeit wurde in den vergangenen sieben Monaten nicht geflogen. Das ist extrem." Bei dem Biegas-Vorsitzenden beschweren sich viele Leute. "Ich könnte eine Sprechstunde einrichten", sagt Schneider. So geht es auch Doris Emrich von einer Bürgerinitiative in Kaiserslautern, wo Anfragen aus der Pfalz und dem Saarland wegen des Lärms auflaufen: "Wir haben nicht einen einzigen Ferientag ohne F 16-Lärm aus Spangdahlem. Das ist die Hölle diesen Sommer. Gestern ging's bis nach 22 Uhr. Das Schlimme ist: Unsere Politiker machen nichts. Man fühlt sich so hilflos - egal, wohin man sich wendet."

Flüge sollen Einsatzfähigkeit erhalten



"In der Tat sind unsere Flugbewegungen der drei Flugstaffeln wieder auf einen normalen, historischen Level zurückgekehrt, da alle drei Flugstaffeln zur Zeit vor Ort sind und wieder von Spangdahlem aus fliegen", erklärt das Büro für Öffentlichkeitsarbeit der Air Base die Zunahme der Flüge. Die Staffeln seien in den vergangenen neun Monaten zeitweise "zur Unterstützung von militärischen Operationen in anderen Ländern" im Einsatz gewesen. Deshalb seien während dieser Zeit "deutlich weniger Flugbewegungen" zu verzeichnen gewesen.

Weiter erklärt die Air-Base: "Mit der Rückkehr nach Spangdahlem müssen die Piloten wieder ihre Trainingsflüge zum Erhalt ihrer Qualifikation und ihrer Einsatzfähigkeit aufnehmen. Wir danken der Bevölkerung für ihr kontinuierliches Verständnis und ihre Unterstützung für unseren Auftrag hier in Spangdahlem."

Die vielen Tiefflüge gehen zahlreichen Menschen, die der Fluglärm stört, an die Substanz. Ihr Verständnis ist am Ende.

Meinung

Regeln einhalten

Die Beschwerden sind übereinstimmend. Der Fluglärm durch amerikanische Militärflugzeuge ist nicht mehr auszuhalten. Zwar leben die Menschen schon seit Jahrzehnten mit massiven Einschränkungen und bringen vielfach Verständnis für den Auftrag der US-Air-Force auf, doch zurzeit scheint die Toleranzgrenze weit überschritten zu sein, zumal sich die Militärs nicht an die Regeln halten. Dabei geht es weniger darum, die Existenz des Stützpunkts in Frage zu stellen, sondern um die Frage, wie man das sogenannte gut nachbarschaftliche Verhältnis mit Leben erfüllt. Davon sind die Piloten zurzeit um einiges entfernt. Für die Bewohner geht es um Lebensqualität. Und egal wie der Auftrag lautet: Der Wunsch danach ist zu respektieren! m.reuter@volksfreund.de