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Mehr Bewerber als Plätze am Schulzentrum Schweich: 100 Schüler müssen draußen bleiben

Mehr Bewerber als Plätze am Schulzentrum Schweich: 100 Schüler müssen draußen bleiben

Etwa 100 Schüler, die für die Orientierungsstufe von Gymnasium und Realschule plus in Schweich angemeldet sind, werden voraussichtlich keinen Platz bekommen. Ein Elternbeiratsmitglied geht in einem Brief an die Eltern hart mit dem Ministerium und der Aufsichtsbehörde ADD ins Gericht.

Schweich/Trier. Das Problem ist nicht neu, doch so prekär wie heute war es noch nie: Etwa 325 Schüler sind für das kommende Schuljahr an der gemeinsamen Orientierungsstufe von Stefan-Andres-Gymnasium und Realschule plus in Schweich angemeldet, aber nur 225 Plätze sind zugelassen. Rund 100 Schüler müssen also abgewiesen werden - und das, obwohl die Schule die Kapazitäten für zwei bis drei weitere Eingangsklassen hätte.

Elternbeirat Oliver van der Sanden ist sauer: "Da schwillt mir der Kamm. Jetzt lässt man den Eltern gerade mal ein bis zwei Tage Zeit, für ihr Kind eine neue Schule zu suchen." Die Schuld gibt der besorgte Vater zweier Schüler nicht der Schule, sondern dem Bildungsministerium in Mainz und dessen verlängerten Arm, der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) Trier. Erst am Montagmorgen, also einen Tag nach der Wahl, habe das Gymnasium als federführende Schule für die Orientierungsstufe die entsprechende Anweisung von der ADD erhalten. Hat das Ministerium mit dieser Hiobsbotschaft bewusst gewartet, bis die Landtagswahl vorbei war? Die Frist für die Anmeldung von Schülern an weiterführenden Schulen war schon vor zwei Wochen, am 29. Februar, abgelaufen.

In einem Brief möchte van der Sanden die Eltern über die Hintergründe der Absagen informieren. Er rät dazu, bei der ADD Widerspruch gegen den Ablehnungsbescheid einzulegen. "Elternwille darf nicht da aufhören, wo Politik plötzlich andere Wege gehen will", schreibt das Elternbeiratsmitglied.
Gabi Bernard, pädagogische Koordinatorin der Realschule plus, spricht von einem Dilemma für die Eltern. Diese seien davon ausgegangen, dass ihr Kind die Wunschschule in Schweich besuchen könne. Bernard: "Wir hätten die Eltern gerne frühzeitiger darüber informiert, dass die Kapazitätsgrenze erreicht ist, aber das durften wir nicht." Bereits eine Woche nach dem Anmeldestart am 13. Februar sei das Kontingent von 225 Plätzen erschöpft gewesen. Das habe man auch nach Mainz und Trier gemeldet.

Schulleiter Jürgen Nisius hatte sich sogar um einen Termin bei Ministerpräsidentin Malu Dreyer bemüht, um ihr die Situation zu schildern und zu erreichen, dass mehr Klassen im Sommer starten dürfen. Dass aus dem Treffen nichts wurde, dafür hat er angesichts ihres damals vollen Wahlkampf-Kalenders Verständnis. Doch auch Termine beim Staatssekretär im Bildungsministerium kamen nicht zustande. Zweimal sei ein Treffen verschoben worden, sagt Nisius, eine Zusammenkunft für Mittwoch letzter Woche habe man abgesagt.

Laut ADD ergibt sich die Zahl von 225 Schülern aus den Schulbaurichtlinien und einer Organisationsverfügung. Die acht Züge (drei am Gymnasium, fünf an der Realschule) seien festgelegt auf eine Klassenmesszahl von 30 Schülern ab Klasse sieben (maximal also 240 Schüler). Da die Orientierungsstufe (Klassen fünf und sechs) nur eine Messzahl von 25 Schülern habe, so die ADD, könnten dort neun Klassen (225 Schüler) aufgenommen werden.

Diese Verfügung sei "für den Endausbau festgelegt". Da dieser erst in zwei Jahren erreicht werde, sei dies "perspektivisch mitzudenken". Es müssten 90 Schüler "gelenkt" werden.
Die Deckelung auf neun Klassen sei willkürlich und durch nichts belegt, sagt Koordinatorin Gabi Bernard.
Rektor Jürgen Nisius befürchtet einen Imageverlust für seine Schule. Viele der abgewiesenen Schüler kämen aus traditionellen Einzugsgebieten der Realschule Schweich - teilweise seien die Eltern schon dort zur Schule gegangen. Nisius: "Dann heißt es gleich, Schweich will uns nicht mehr, wir brauchen unsere Kinder dort nicht mehr anzumelden." Durch den Verlust drohe die Realschule zur Restschule zu verkümmern, so Nisius. Das könne auch fatale Folgen für die Fachoberschule und das Gymnasium haben.

Laut Schulgesetz dürfen Realschulen nicht auf eine bestimmte Aufnahmekapazität beschränkt werden. Auch gibt es die freie Schulwahl. Die Anziehungskraft der Schweicher Orientierungsstufe reicht über die Grenzen des Kerngebiets, das ist die Verbandsgemeinde Schweich, hinaus. So kommen Kinder aus dem Ruwertal, aus Trier, der Fidei sowie aus den Randgebieten des Eifelkreises und des Kreises Bernkastel-Wittlich. In Orenhofen und Osburg wurden eigens Buslinien geschaffen, um die Schüler nach Schweich zu bringen.Meinung

Ein Maulkorb und rote Karten
Wütende Eltern - wen wundert's. Sie haben ihr Kind an einer Schule angemeldet, die sie für die richtige halten, und bekommen die rote Karte. Platzverweis! Wenn wirklich kein Platz da wäre, okay. Aber die Schweicher Schule will und kann mehr Schüler aufnehmen - nur darf sie es nicht. Der Grund liegt auf der Hand: Die Schulbehörde will andere Gymnasien oder Realschulen plus in der Region stützen und mit potenziellen Schweicher Schülern füllen. Lenkung durch Deckelung! Dabei hat die ADD den Bau eines Kreisgymnasium befürwortet, nicht zuletzt deshalb, weil im Raum Schweich die Bevölkerung zunimmt und der Bedarf da ist. Nun schickt man Kreisschüler auf Trierer Gymnasien, die selbst ausgelastet sind, obwohl Plätze in Schweich vorhanden wären. Auch der Zeitpunkt der Absage - einen Tag nach der Wahl - und der Maulkorb, der der Schule verpasst wurde, werfen Fragen auf. Ein Schelm, der Böses dabei denkt … a.follmann@volksfreund.de