Mehr Durchmesser für weniger Hochwasser

Kasel · Bei starkem Regen besteht in Kasel Überschwemmungsgefahr. Möglichst rasch sollen nun Bauarbeiten an der Feller Straße beginnen. Davon versprechen sich viele Einwohner Abhilfe.

Kasel. Bei starkem Regen gehen die Blicke vieler Kaseler schräg nach oben. Nicht direkt zum Himmel, sondern eher auf die steilen Hänge hin, die den Ort umgeben. Und zum Kundelbach. Der sorgt immer wieder dafür, dass Wasser in die Häuser in Feller Straße, die Schul- und die Hauptstraße eindringt. Damit soll bald Schluss sein.
Ortsbürgermeister Karl-Heinrich Ewald und seine Kollegen im Gemeinderat haben sich in ihrer jüngsten Sitzung dafür ausgesprochen, dass die Feller Straße erneuert wird. Zu diesem Projekt mit einer Investitionssumme von mehr als einer Million Euro gehört eine eher günstige Maßnahme, die viel bewirken soll. Ewald: "Bisher liegt unter der Straße ein Rohr mit 50 Zentimeter Durchmesser." Durch das wird einer der Zuflüsse des Kundelbachs geführt. Wenn zu viel Regen falle, staue sich der Bach am Einlass zum Durchlauf. "Irgendwann läuft das Wasser über", sagt der Ortsbürgermeister. Wassermassen strömen dann samt Ästen und Geröll aus Richtung Tennisplätze über Feller Straße, Hauptstraße und Heiligenbungert in den Ortskern (der TV berichtete).
Was in solch einem Fall geschieht, ist ein ebenso eingeübtes wie nerviges Schauspiel. Anwohner versuchen mit Sandsäcken die Wassermassen von den Häusern abzuhalten, eingedrungenes Wasser wird eimerweise aus teil überfluteten Häusern geschafft, der zurückbleibende Schlamm schnellstmöglich entfernt. Und dann beginnt wieder die große Zeit der Trocknungsgeräte.Rohr doppelt so groß geplant



Ein doppelt so groß dimensioniertes Rohr mit einem Meter Durchmesser soll dabei helfen, dass damit Schluss ist. Vom Rohrausgang soll das Wasser in ein bestehendes Rückhaltebecken fließen. Dort soll bei einem Starkregenereignis das Wasser kontrolliert in den Bach abgelassen werden.
Wenn alles wie gewünscht läuft, kann noch im Herbst mit den Arbeiten begonnen werden, hofft Ewald. Er wartet täglich darauf, dass das Projekt genehmigt wird. Doch es gibt noch weitere Baustellen beim Hochwasserschutz. "Bei der Flurbereinigung der Weinberge sind Fehler gemacht worden", sagt Ewald. Das Wasser wird in Betonrinnen gesammelt und Richtung Kundelbach geleitet. Aufgrund des Gefälles schießt das Wasser mit großer Geschwindigkeit talwärts. Das sorgt mit dafür, dass der Pegel des Kundelbachs auch unterhalb des Rückhaltebeckens rasant steigt.
Für diesen Teil des Hochwasserproblems hat der Ortsbürgermeister derzeit noch keine Lösung. Was laut Ewald auch daran liegt, dass es Unstimmigkeiten gibt. Nach Auskunft der Verbandsgemeindeverwaltung Ruwer will ein Anwohner bei der Bachrenaturierung nicht mitmachen und ein zu kleines Rohr nicht ersetzen lassen.Extra

Hochwasserschutz: Seit mehr als 50 Jahren gibt es Probleme mit Hochwasser in der Kaseler Ortsdurchfahrt. Wie TV-Leser Paul Neumann berichtet, verlief auf der linken Seite der Straße Richtung Kirche gesehen eine gepflasterte Rinne, die in Höhe der heutigen Sparkasse die Straße querte. Anfang der 1960er Jahre verschwand diese Rinne. Seitdem sind weitere Häuser rechts und links der Ortsdurchfahrt entstanden. har