Mehr Elektrobusse für Trier: 90 Fahrzeuge für 30 Millionen Euro

Öffentlicher Personennahverkehr : Mehr Elektrobusse für Trier: 90 Fahrzeuge für 30 Millionen Euro

Stadtwerke Trier erneuern bis 2026 ihre Busflotte. Ziel: Jeder zehnte Wagen soll mit Elektroantrieb fahren.

Frühlingszeit ist Elektrobus-Zeit. Nun rollen sie problem- und lautlos, die beiden teuersten Gefährte der Flotte der Stadtwerke Trier (SWT). Ende 2018 sah das noch ganz anders aus. Da machte der als erster gelieferte von insgesamt drei bei Hersteller Sileo (Salzgitter) bestellten Wagen (Stückpreis: rund 500 000 Euro) auf offener Strecke schlapp – Softwareprobleme (der TV berichtete). Doch auch nach deren Behebung blieb die Neuanschaffung öfter mal vorsichtshalber im Depot in der Gottbillstraße. Denn eisige Kälte zehrt an der Kapazität der Akkus. Je höher der Verbrauch für die Heizung, desto geringer die Reichweite.

Seit Ende April ist Bus Nummer zwei in Trier und umgehend in Einsatz gegangen. Der dritte Bus kommt Ende Mai und soll wie seine Artgenossen auf der Linie 5 eingesetzt werden. „Wir waren die erste Stadt in Rheinland-Pfalz, die einen Elektrobus einsetzt, bald werden wir auch die erste sein, die fast eine komplette Linie elektrisch betreibt“, sagt SWT-Verkehrschef Michael Schröder (48). Fast, weil für den Betriebsablauf auf der Linie 5 insgesamt vier gleichzeitig fahrende Busse nötig sind. Doch wann der letzte zwischen Castelforte und Weismark/Feyen verkehrende Diesel verschwindet, ist offenbar nur noch eine Frage der Zeit. In den kommenden Jahren soll der komplette SWT-Fuhrpark erneuert werden. Die Ergebnisse der europaweiten Ausschreibung einer Rahmenvereinbarung über die Lieferung von bis zu 90 kleinen Solo- und großen Gelenkbussen bis 2026 liegen frisch vor und werden in den kommenden Tagen bewertet. Ein Ziel der rund 30 Millionen Euro schweren Investition ist es laut Schröder, „dass jeder zehnte unserer Wagen mit Elektroantrieb fährt. Konkret: Wir hätten nebst modernsten konventionellen Dieselfahrzeugen gerne neun ,elektrische’: fünf Solo- und vier Gelenkbusse“.

Lautlos und abgasfrei – das ist nach Einschätzung Schröders die Mobilität der Zukunft. Sein Unternehmen sieht er in einer Vorreiterrolle: „Alle reden darüber, und wir machen es. Wenn keiner damit anfängt, dann entwickelt sich auch nichts. Wir blicken nach vorn und lassen uns das auch was kosten.“ Wobei die Anschaffung der ersten drei E-Busse mit 407 000 Euro vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur bezuschusst wurde. Den anfänglichen Problemen kann Schröder Positives abgewinnen: „Wir sind Teil eines Entwicklungsprozesses, und uns war klar, dass wir Pilottechnik einsetzen. Die Praxiserfahrungen mit dem ersten Bus haben uns und den Hersteller schlauer gemacht. Bei Bus Nummer zwei war die Softwaretechnik schon weiter.“

„Schon weiter“ sind laut Schröder auch die 80 Fahrer. „Wir haben die gesamte Belegschaft auf E-Bussen geschult.“ Was wichtig im Sinne eines effektiven Fahrzeugeinsatzes sei. Stichwort Energierückgewinnung. „Durch Bremsen kann man Akkus wieder aufladen, wenn man weiß, wie es funktioniert. So lässt sich die Reichweite deutlich erhöhen.“ Apropos Reichweite: Die sei der einzige Punkt, wo er in Sachen Elektrotechnik seine „Erwartungshaltung etwas reduziert“ habe, sagt Schröder. „Im Winter waren die Akkus nach 150 Kilometern alle, derzeit schaffen sie 220.“ Das Tagespensum eines Busses auf der Linie 5 beträgt 160 Kilometer.

Bekommt bald noch mehr Gesellschaft von Artgenossen: einer der beiden Sileo-Elektrobusse der Stadtwerke Trier. Ende des Monats soll Nummer drei in Einsatz gehen – ebenfalls auf der Linie 5 Castelforte-Weismark/Feyen. 2026 könnten insgesamt 13 E-Busse durch Trier rollen. Foto: Roland Morgen
Klares Bekenntnis zur Elektromobilität: Michael Schröder, Geschäftsführer der Verkehrs-GmbH der Stadtwerke Trier. Foto: Roland Morgen
Nach einem Jahr „ohne“ erhält der Nikolaus-Koch-Platz endlich wieder Buswartehäuschen. Foto: Roland Morgen

Die ersten der 90 ganz neuen Busse werden für den kommenden Herbst erwartet. Dass die SWT nicht komplett auf E-Mobilität umrüsten, sei auch eine Frage der Betriebswirtschaftlichkeit. Elektrobusse sind derzeit noch rund doppelt so teuer wie herkömmliche. Von der Rahmenvertragsausschreibung (in zwei Losen) erwartet man sich eine bis zu 15-prozentige Ersparnis, die es ermögliche, zehn Prozent der Flotte „mit selbst produziertem Ökostrom“ fahren zu lassen.

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