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Mehr Frauen auf dem Strich

Trier. Der Trierer Straßenstrich hat sich ausgeweitet: Mittlerweile bieten bis zu fünf Frauen in der Ruwerer Straße ihre Dienste an. Dazu liegen der Stadtverwaltung mehrere Anträge für neue Bordelle und Wohnungsprostitution vor. Christiane Wolff

Trier. Ob sie sich nicht ihr Taschengeld ein bisschen aufbessern wolle? Die Absicht des Mannes, der das - mitten im Ortskern von Trier-Ruwer, aus seinem Auto heraus - eine 15-jährige Schülerin aus dem Ort gefragt haben soll, ist für Monika Thenot eindeutig. "Ich denke, dass das mit dem Straßenstrich in der Ruwerer Straße zu tun hat", ist sich die Ortsvorsteherin von Ruwer sicher. Nicht nur wegen der Gefahr, dass Freier auch andere Mädchen und Frauen ansprechen könnten, müssten die Straßenprostituierten dort verschwinden. Auch, dass der Straßenstrich unmittelbar an den neuen Radweg angrenze, sei nicht tragbar. "Das ist kein Anblick, den wir Familien, Kindern und Touristen zumuten sollten", erklärte Thenot in der jüngsten Sitzung des zuständigen städtischen Dezernatsausschusses III.
Nachfrage regelt Angebot


Die Stadtverwaltung hatte gehofft, dass sich der Straßenstrich, der sich im Sommer in der Ruwerer Straße angesiedelt hat, von alleine wieder auflösen würde. Doch offenbar war die Nachfrage sogar größer als das Angebot: Offerierten anfangs zwei Damen zwischen den Glascontainern und der Bushaltestelle ihre Dienste, stehen nun regelmäßig vier bis fünf Frauen dort am Straßenrand.
In der Stadtverwaltung hat sich deshalb der "Arbeitskreis Prostitution und Vergnügungssteuer" gegründet. Mitarbeiter verschiedener Ämter - unter anderem Ordnungsamt, Jugendamt und Stadtplanungsamt - sollen ein Gesamtkonzept aufstellen, um die Sache in den Griff zu bekommen. Thema ist nicht nur der Straßenstrich. "Bei der Stadtverwaltung gehen immer mehr Anträge für Neuansiedelungen von Bordellen und auch zur gewerblichen Nutzung von Wohnungen zur Prostitution ein", berichtete Ordnungsdezernent Thomas Egger. Grund für die rege Nachfrage könnte das Prostitutionsverbot in Luxemburg und Frankreich sein, das Trier einen regelrechten Prostitutionstourismus beschere.
Lieber in der Innenstadt


Zudem soll sich das Gesamtkonzept mit einer möglichen Besteuerung der Prostitution im Rahmen des neuen Vergnügungssteuergesetzes (der TV berichtete) beschäftigen.
Wie das Sperrgebiet - innerhalb dessen Straßenprostitution verboten ist und das zurzeit die Trierer Kernstadt umfasst - sinnvoll verändert werden könnte, ist noch offen. Kommunen ab 50 000 Einwohnern müssen Straßenprostitution erlauben. "Wir können das Sperrgebiet daher nicht auf das ganze Stadtgebiet ausweiten", erklärte Egger. Um die Prostituierten bei einem Verbot in der Ruwerer Straße nicht in andere Stadtteile - etwa Tarforst, Olewig, Kürenz - zu vertreiben, könnte es sinnvoll sein, einzelne Straßen in der Innenstadt aus dem Sperrgebiet herauszulösen. "Welche das sein könnten, steht allerdings noch nicht fest", betonte Egger. Auch soziale Aspekte müssten bei der Suche nach einem geeigneten Platz einfließen. "Es darf zum Beispiel - zur Sicherheit der Frauen - nicht zu dunkel und abgelegen sein", sagte Egger.
Einen Termin, zu dem das Gesamtkonzept vorliegen soll, nannte der Dezernent nicht.