Mehr Lebensqualität ohne Auto und Acryl

"Der Sinn des Lebens ist Spaß und Genuss. Doch man muss schauen, dass man andere nicht stört oder Schaden anrichtet", sagt Anke Glatt. Sie lebt danach, privat wie beruflich, konsequent ökologisch und sozial engagiert.

Macht den Führerschein erst, wenn Autos umweltfreundlich sind: Anke Glatt. Die Triererin fährt Rad, wohnt, ernährt und kleidet sich naturbelassen. TV-Foto: Mechthild Schneiders

Trier-Heiligkreuz. (mehi) Mode hat sie schon immer interessiert. Und so lernte Anke Glatt in ihrer Lehre Dirndl nähen. Mit 26 Jahren, als ihr Sohn Sebastian in den Kindergarten kam, zog sie von ihrer Heimatstadt Memmingen nach Trier, um an der Fachhochschule Modedesign zu studieren. "Die Stadt ist schön und von der Größe her ideal", sagt sie. Nach dem Studium vereinte sie Mode und soziales Engagement und leitete zwei Jahre lang die Textilwerkstatt "Stoffwechsel", deren Mitbegründerin sie war. "Wir haben Sozialhilfeempfängerinnen den Wiedereinstieg ins Berufsleben ermöglicht, waren bei der Wohnungssuche behilflich und haben die Kinderbetreuung organisiert."Schon immer wollte sie sich selbstständig machen. 1995 war es dann so weit: Anke Glatt eröffnete in der Neustraße 76 ihr Bekleidungsgeschäft "Flax Naturtextil". Ein Novum in Trier, denn angeboten wird hochwertige Designer-Mode aus naturreinen Materialien.Designerin redet bei Gestaltung mit

Und noch etwas ist ungewöhnlich bei ihrem Unternehmenskonzept: Der Fokus liegt auf langlebiger Mode. Flauschige Jacken, bequeme Hosen und schicke Röcke, alles in klassischen und originellen Schnitten und in bunten Farben, hängen an den Bügeln. Anfangs war vieles nach eigenen Entwürfen selbst geschneidert, denn die Auswahl bei den Herstellern genügte nur selten den Ansprüchen der Ladeninhaberin. Inzwischen hat sich dies geändert. Auch weil Anke Glatt bei einigen Herstellern mitreden kann, wenn es um neue Kollektionen oder um die Stoffwahl geht. Sie ist zudem Gründungsmitglied des Internationalen Verbands der Naturtextilwirtschaft (IVN), der eine umweltschonende und menschenwürdige Herstellung mit fairer Bezahlung und sozialer Absicherung garantiert.Ökologie wird nicht nur verkauft. Für die Ladeneinrichtung hat ihr Mann Mani Klasen ausschließlich Naturmaterialien verwendet. Seit zehn Jahren fließt Ökostrom durch die elektrischen Leitungen. Die Belohnung für so viel Umweltbewusstsein: der Nachhaltigkeitspreis 2005 der Lokalen Agenda 21 Trier. "Die Auszeichnung hat mich angespornt, nicht immer den wirtschaftlichsten Weg zu gehen, sondern für die Kunden transparent und konsequent zu sein. Ich mache Druck auf meine Zulieferer und kaufe nicht, wenn die nicht ökologisch arbeiten."Ihr Traum: ein Naturkostladen im Stadtteil

Die 47-Jährige unterstützt Unicef und mehrere Naturschutzverbände. Bereits in der Lehrzeit haben ihr die Autos bei der Fahrt zur Ausbildungsstelle "gestunken", erzählt sie. "Da wollte ich nicht mitmachen, deshalb habe ich bis heute keinen Führerschein." Für sie bedeutet ein Leben ohne motorisierten Untersatz keinen Verzicht. "Ich habe mir alles so eingerichtet, dass ich kein Auto brauche." Sie wohnt in Heiligkreuz und kann den Weg zur Arbeit mit dem Fahrrad bewältigen. Auch ihr Haus wird nach ökologischen Gesichtspunkten renoviert. Die alte Ölheizung wich einem holzbeheizten Kachelofen, das Dach wurde neu gedeckt. Als nächstes steht an, die Außenwände mit Holz zu dämmen. "Mein Traum", gesteht sie, "ist ein Naturkostgeschäft im Stadtteil".