Mehr Stadtbusse, weniger Autos

Mehr Stadtbusse, weniger Autos

Raus aus der Krise, rein in neue Herausforderungen. Nach einer Umstrukturierung mit schmerzhaften Einschnitten will die Stadtwerke-Verkehrsgesellschaft ihr Angebot ausweiten. Möglicherweise fahren schon 2009 Stadtbusse nach Trierweiler und Butzweiler.

Trier. "Erweitert Euer Angebot, dann habt Ihr auch mehr Fahrgäste!" Mit dieser Aufforderung wird Frank Birkhäuer (52), der Chef der Verkehrs-GmbH, der Stadtwerke (SWT) öfter konfrontiert. Aus Erfahrung glaubt er, dass diese Rechnung nicht zwangsläufig aufgeht: "1993 haben wir den größten Verlust unserer Geschichte gemacht - eben wegen einer kräftigen Ausweitung unseres Angebots.""1993 waren wir die Idioten"

Mehr Öffentlichen Personen-Nahverkehr (ÖPNV) als Alternative zum Autoverkehr wollte das 1992 beschlossene Verkehrskonzept. Die Stadtwerke legten sich mächtig ins Zeug, stellten zusätzliche Fahrer ein, vergrößerten ihre Bus-Flotte, verdichteten die Takte - und waren, wie Birkhäuer rückblickend feststellt "die Idioten". Birkhäuer: "Alle haben uns im Regen stehen lassen. Auf Busspuren und Wegfall der Gratis-Parkplätze haben wir jahrelang vergeblich gewartet." 1995 verzeichnete der SWT-Verkehrsbetrieb die nie wieder erreichte Rekordzahl von 17,1 Millionen Personen-Beförderungen bei gleichzeitigem Tiefststand des Kostendeckungsgrades: Die Einnahmen deckten nur 61 Prozent der Ausgaben. Die Stadtwerke glichen den Verlust üblicherweise mit den Gewinnen aus Strom- und Wasserverkauf aus. Diese sogenannte Quersubventionierung verbietet heute die EU; mit einem radikalen Sparkurs musste sich die Verkehrs-GmbH in den letzten Jahren freischwimmen von der Permanent-Bezuschussung. Unrentable Linien wie die 15 zur Härenwies wurden eingestellt, viele Takte ausgedünnt, und Fahrer-Neueinstellungen erfolgen zum Haustarif in einer eigenen Stadtbus Trier GmbH.Resultat des auch für Kunden schmerzhaften Gesundschrumpfungs-Prozesses: "Wir sind an einem Punkt angelangt, an dem die Fahrgäste die Leistung bezahlen, die wir erbringen", sagt Birkhäuer, der sein Unternehmen "nun tatsächlich in der Lage sieht, den Kampf mit dem Individualverkehr aufzunehmen. Und zwar dort, wo wir Potenziale vermuten". Im Trierer Umland. Im Sauer- und im Ruwertal sind die Stadtwerke bereits erfolgreich unterwegs. Nun soll die "Bitburger" (B 51) folgen. Die Chancen stehen offenbar nicht schlecht, obwohl nicht das kommunale Verkehrsunternehmen, sondern die Firma Müller Kylltal Reisen über die entsprechende Konzession verfügt. Birkhäuer: "Wir stehen in Erfolg versprechenden Verhandlungen mit Müller Kylltal zur Verbesserung des ÖPNV-Angebots im Raum Trierweiler/Butzweiler."Ins Trierer Land und zurück im 30-Minuten-Takt

Der Plan: Alle 30 Minuten die Bitburger rauf und runter. Die bisherige Anbindung des Gewerbegebiets Trierweiler-Sirzenich mit seinen fast 100 Betrieben im 60-Minuten-Takt nennt der SWT-Verkehrschef "eine Katastrophe" und "nicht geeignet, Trier wirkungsvoll vom Autoverkehr zu entlasten".Sollten sich die Stadtwerke und Müller Kylltal einig werden (möglicherweise in einer Kooperationsgemeinschaft) und der Landesbetrieb Mobilität (LBM) als Genehmigungsbehörde seinen Segen geben, dann könnten bereits zum nächsten Fahrplanwechsel am 9. Januar 2009 Stadtbusse nach Trierweiler und Butzweiler fahren. Diese Angebots-Erweiterung, bringt, da ist Birkhäuer sicher, auch mehr Fahrgäste. EXTRA Die Stadtwerke-Verkehrs-GmbH befördert werktäglich rund 50 000 Fahrgäste (16 Millionen im Jahr) auf ihrem 491 Kilometer langen Liniennetz (Stadt Trier, Verbandsgemeinden Trier-Land, Ruwer, Kell, Hermeskeil). Sie legt dabei vier Millionen Kilometer zurück, ihre Auftragsunternehmen eine weitere Million. Der kommunale Verkehrsbetrieb beschäftigt 175 Mitarbeiter und verfügt über 74 eigene Busse. Im Spitzeneinsatz werktags zwischen 7 und 8 Uhr sind 66 SWT-Busse unterwegs und 23 Wagen von Auftragsunternehmen. (rm.)