Mehr Zeit für Enkel, Ente und Eifel

Mehr Zeit für Enkel, Ente und Eifel

Nach 44 Jahren bei der Volksbank Trier, davon 34 im Vorstand, ist Karl A. Heinz (61) in den Ruhestand verabschiedet worden. Dort wird es ihm angesichts vieler Aufgaben aber nicht langweilig.

Trier/Preist. Es war ein standesgemäßer Abschied für einen langjährigen Genossenschaftsmann: Die Volksbank Trier sagte "Adieu, Käpt\'n" auf dem Schiff Marie-Astrid mit einer Fahrt von Trier nach Mehring und zurück. Mit vielen Mitarbeitern und Kollegen feierte Karl A. Heinz (61) seinen Ausstand auf dem Wasser. Selbst Uwe Fröhlich, Bundesverbandspräsident aller Volks- und Raiffeisenbanken, war aus Berlin gekommen, unter anderem, um Karl A. Heinz die Ehrennadel in Gold, die höchste genossenschaftliche Auszeichnung in Deutschland, zu verleihen.
Am Montag wird der langjährige Vorstand der Volksbank Trier dann auch offiziell von der Vertreterversammlung der Volksbank Trier verabschiedet - nach insgesamt 44 Jahren bei der Bank, davon 34 Jahren im Vorstand. 1969 begann der gebürtige Preister Heinz, der heute noch in der Eifel lebt, seine Ausbildung bei der damaligen Raiffeisenbank Zewen-Euren-Igel.
Seinen schnellen Aufstieg verdankte Heinz der Pleite der Herstatt-Bank, wegen der später in allen deutschen Banken das Vier-Augen-Prinzip im Vorstand Pflicht wurde. Mit nur 27 Jahren wurde Heinz 1979 so Vorstand der Raiffeisenbank Trier, dem Nachfolger der Bank aus Zewen, Igel und Euren. 1999 schlossen sich dann Raiffeisenbank Trier und Volksbank Trier zur heutigen Volksbank zusammen, die aus insgesamt 34 Fusionen hervorging - und insgesamt saß Heinz 34 Jahre in den Vorständen der Banken.
Dort war Heinz für den Bereich Steuerungsbank (unter anderem Controlling und Personal) zuständig. "Zuletzt waren wir im Vorstand nur Eifeler Jungs mit Horst Schreiber aus Peffingen, Norbert Friedrich aus Mettendorf und mir aus Preist", meint der "Neu-Ruheständler".
In seine Vorstandszeit fielen für Heinz viele prägende Ereignisse wie die Einführung des Euro, der Umzug des "Hauptquartiers" in die Herzogenbuscher Straße sowie später die Euro-, Finanz- und Bankenkrise. "Es gab immer schnellere Veränderungen im Bankensektor, die Geschwindigkeit stieg. Ich dachte manchmal, es könnte nichts Neues mehr kommen - und dann kam es viel schneller als gedacht." In seiner Vorstandsära entwickelten sich die Genossenschaftsbanken vom "Dorfkassenimage" (O-Ton Heinz) zu einer Universalbank. "Aber mit der Größe ging eines nicht verloren, unsere intensive Beziehung zu den Kunden, unser Engagement für die Region. Auch wenn der Wettbewerb härter wurde, hielt unser genossenschaftliches Geschäftsmodell, deswegen sind wir so gut durch die Bankenkrise gekommen." Rückblickend würde Heinz nicht viel anders machen: "Es hat immer Spaß gemacht, Verantwortung zu übernehmen." Neben seiner Vorstandstätigkeit war Heinz auch in vielen Bankengremien und ehrenamtlichen Organisationen tätig - und in den letztgenannten will er sich auch weiter engagieren. "Man muss aufpassen, dass man sich nicht zu viel aufbürdet", ist sein Motto für den nächsten Lebensabschnitt.
Auf dem Tennisplatz wird man Heinz nun wieder häufiger sehen, und als Abschiedsgeschenk seiner Bank erhielt er zudem eine komplette Golfausrüstung. Aber hauptsächlich will er sich seinen beiden rund einjährigen Enkeln widmen, seiner Heimat Eifel - und seinem Faible für Oldtimer frönen. Kurz vor seiner Pensionierung erwarb Heinz eine Citroën 2CV, eine "Ente Cocorico" in Trikolorefarben, die 1986 für die Fußball-WM in Frankreich nur 1000 Mal gebaut wurde. Mit 28 Pferdestärken genießt der frühere Bankvorstand nun ein entschleunigtes Leben.
"Die erinnert mich ein bisschen an meine wilde Jugendzeit", sagt Heinz. BP

Mehr von Volksfreund