Mein kleiner, geliebter Eiffelturm
Ordnung ist das halbe Leben. Diesen Satz musste ich mir in meiner Kindheit regelmäßig anhören. Ob es was genutzt hat? Ich befürchte, dass es da immer noch einige Defizite gibt. Zu einem ordnungsliebenden Menschen gehört die Fähigkeit, sich von "unnützlichen Dingen" trennen zu können.
Kürzlich wurde diese Fähigkeit bei mir auf eine harte Probe gestellt. Im Keller hatten sich in mehreren Schränken, Regalen, Schachteln und Plastiktüten so viele Dinge angehäuft, dass eine umfangreiche Aufräum-Aktion unvermeidlich wurde. "Weg mit dem alten Zeug, ab zum Sperrmüll", lautete die klare Ansage meiner Frau. Also fing ich an. Zum Vorschein kamen unter anderem: Ein paar alte Turnschuhe, ein kaum noch als solcher erkennbarer Campingstuhl, drei alte Frühstücksbrettchen, ein zerfetztes Mensch-ärgere-dich-nicht-Spiel, drei Dutzend Legosteine, sechs Blumenvasen, der Deckel einer Friteuse, ein Nachttischlämpchen ohne Schirm, ein Wörterbuch Niederländisch-Deutsch und ein Pantoffel.
Ohne zu zögern griff ich zu und beförderte die Gegenstände auf den immer größer werdenden Sperrmüllhaufen. Schließlich entdeckte ich am Boden des Kartons ein kleines glitzerndes Ding aus Plastik. Ich holte es hervor und betrachtete es mit einem Lächeln auf dem Gesicht. Einen etwa 15 Zentimeter großen Eiffelturm, vor 34 Jahren als Souvenir erstanden, hielt ich in der Hand.
Es war der letzte Tag einer Klassenfahrt zu unseren französischen Austauschschülern, als wir in Paris einen Zwischenstopp einlegten und ich in einem Andenken-Lädchen unweit des Louvre von meinem restlichen Taschengeld das kitschige Ding kaufte.
Für wenige Minuten war ich wieder ein Teenager, erinnerte mich an den Lehrer mit der feuchten Aussprache, an meine Schulfreunde - und vor allem an die Schulfreundin mit der süßen Stupsnase. Der Eiffelturm steht übrigens immer noch im Keller, gut sichtbar in einem sorgfältig aufgeräumten Regal.