Viez-Jupp: Mein persönliches Wort zum Sonntag

Viez-Jupp : Mein persönliches Wort zum Sonntag

Liebe Gemeinde, heute melde ich mich aus gegebenem Anlass mit einer Art "Wort zum Sonntag". Denn der morgige 5. November ist ein denkwürdiger Tag für Trier.

Erstmals wird in der Altstadt eine Pfarrkirche dichtgemacht - und dann auch gleich die jüngste. Für St. Paulus, erbaut 1907, schlägt das letzte Stündlein. Wie es heißt, sind in den letzten Jahren immer weniger Menschen zur Messe gekommen, so dass man sich die kostspielige Unterhaltung des Gebäudes sparen und es verkaufen will. Um 15 Uhr beginnt morgen der Profanierungsgottesdienst, in dem die Kirche entweiht wird. Vor 45 Jahren hätte ich vermutlich darüber gelacht. Da war ich Messdiener in der benachbarten Pfarrei St. Gangolf - und die "Pauluser" waren unsere Erzfeinde. Wie schon in der Grundschule. Was heute Ausonius ist, war damals die neu erbaute Grundschule St. Gangolf/St. Paulus. Mit strikter Raumaufteilung. Die linke Hälfte von Gebäude und Schulhof war Paulus-Terrain. Blöd für die Gangolfer: Die Toiletten sind links. Der Gang zum Klo führte durch "feindliches Gebiet". Übrig geblieben ist von der einstigen Rivalität rein gar nichts mehr. Und schließlich gibt es die eigenständigen Pfarreien Gangolf und Paulus ja schon lange nicht mehr. Sie sind in der 2000 gegründeten Innenstadtpfarrei Liebfrauen aufgegangen. Dennoch tut es mir aufrichtig leid, dass auch die Kirche St. Paulus ab übermorgen Geschichte ist. Und ich kann mich auch nicht darüber freuen, dass im Anschluss an die Profanierung der Kelch und die Hostien in einer Prozession in - ausgerechnet! - die 400 Meter entfernte Marktkirche St. Gangolf gebracht werden.Ich glaube, gleich fällt ein Tränchen in meinen Viez … Prost! Kolumne Viez-Jupp

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