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„Meine Hilfe zählt“ - Die Elternwohnung der Villa Kunterbunt In Trier

Spendenaktion : „In Trier waren unsere Schutzengel“

„Meine Hilfe zählt“: Lena Porschen erzählt, warum die Elternwohnung der Villa Kunterbunt für Familien ein Segen ist. ­ TV-Leserinnen und -Leser können das Projekt unterstützen.

Es ist der Tag der Heimreise. Hinter Familie Porschen liegen Urlaubstage in Frankreich, gemeinsame Radtouren, ein Zwischenstopp in Echternach, Springprozession. Dietmar, Lena und Alex Porschen freuen sich auf das Zuhause in Köln, auf Xenia, Oma Elsa, Freunde. Doch es wird dauern, bis sie sich wiedersehen. An diesem Dienstagnachmittag im Juni vergangenen Jahres, während des Feierabendverkehrs, prallt das Auto der Familie in der Nähe von Bitburg mit einem LKW zusammen.

Ein Hubschrauber bringt den schwerverletzten Alex (13) ins Klinikum Mutterhaus nach Trier. Sein Vater wird im Brüderkrankenhaus operiert, die Mutter im Marienhaus Klinikum Eifel in Bitburg. Lena Porschen erzählt am Telefon von dem Moment, der ihr Leben aus den Fugen gerissen hat. Manchmal weint sie – auch vor Dankbarkeit.

Die erwachsene Tochter sei nach dem Unfall nach Trier gekommen und habe sich um alle und alles gekümmert. Sie pendelte zwischen Mutterhaus, Brüderkrankenhaus, Bitburg, hat getröstet, Mut gemacht, Entscheidungen getroffen, Formulare unterschrieben und ihre Masterarbeit am Krankenbett des Bruders fertig geschrieben. Stundenlang saß sie auf der Intensivstation. „Sie hat immer gesagt: ,Ich höre ihn atmen, dann geht es mir gut’“, erinnert sich Lena Porschen an die Worte ihrer Tochter. Welche Diagnose hatte Alex? „Es ist einfacher zu sagen, was noch heil war. Ein Bein war nicht gebrochen“, erinnert sich die Mutter. Nach acht Wochen zwischen Bangen und Hoffen war Alex über den Berg. Lena Porschen nennt viele Namen von Ärzten, Schwestern, Pflegern, Menschen in Verwaltungen, Psychologen. Sie lobt das Zusammenspiel aller – über Klinikgrenzen hinweg. „Ich glaube, die Trierer wissen gar nicht, welch ein Glück sie haben, solch tolle Krankenhäuser zu haben“, sagt sie.

Und mehr als 14 Monate nach dem tragischen Verkehrsunfall sagt sie: „In Trier waren unsere Schutzengel.“ Das größte Glück im Unglück sei die Elternwohnung der Villa Kunterbunt gewesen. Darauf, dass es diese Wohnung in der Feldstraße gegenüber dem Mutterhaus gibt, waren sie bereits aufmerksam gemacht worden, als die Ärzte noch Lena Porschens Verletzungen behandelten. Erst zog Tochter Xenia in die vom Verein Villa Kunterbunt Trier getragene Wohnung ein. Als es den Eltern besser ging, diese und Oma Elsa Schrader. „Es war ein Segen, dass wir dort wohnen konnten.“ Zwei- oder dreimal habe auch nachts das Telefon geklingelt, weil es Alex sehr schlecht ging. „Wir mussten nur über die Straße gehen und konnten bei ihm sein.“

„Meine Hilfe zählt“ - Die Elternwohnung der Villa Kunterbunt In Trier

Mit dem Angebot, die Elternwohnung der Villa Kunterbunt zu nutzen, sei der Familie eine riesige Last genommen worden. Wie in einer Art WG hätten sie in der 95-Quadratmeter-Wohnung mit anderen Familien gelebt, die um ihre Kinder bangten. Abends hätten sie manchmal zusammen Tee getrunken und sich gegenseitig Mut gemacht. Lena Porschen sagt: „Dadurch hatte man auch das Gefühl, nicht alleine mit solch einem Schicksal auf der Welt zu sein.“

Vor zwei Wochen waren die Porschens wieder in Trier, um im Garten der Villa Kunterbunt die Menschen zu treffen, die ihnen in der wohl schwersten Zeit ihres Lebens geholfen hatten.

Alex hat eine 80-prozentige Behinderung. Erst ging er am Rollator, jetzt wieder ohne Hilfsmittel zur Schule, er fährt Mountainbike. „Sein geliebtes Rad war übrigens bei dem Unfall unversehrt geblieben“, sagt seine Mutter. Und immer wieder sagt sie: „Ich bin so dankbar.“ Dass Lena Porschen noch einmal das traumatische Erlebnis aufrollt, hat einen Grund. Sie möchte den Menschen sagen, wie wichtig die Elternwohnung für Väter, Mütter und Geschwister ist, und appelliert an die TV-Leserinnen und -Leser, die „Meine Hilfe zählt“-Projekte“ der Villa Kunterbunt zu unterstützen. Für das Projekt „Die Elternwohnung der Villa Kunterbunt in Zeiten von Corona 2020“ werden noch 15 045 Euro gebraucht (Projekt­nummer 83229), fast 2000 Euro wurden bereits über die Spendenplattform des Trierischen Volksfreunds gesammelt. Für das „Geschwister­projekt der Villa Kunterbunt e.V.“ müssen 3000 Euro (Nummer 83229) zusammenkommen, damit Fachleute sich gezielt um Geschwisterkinder kümmern können – mit ihnen basteln oder etwas mit ihnen unternehmen. Denn ist ein Kind krank, rücken Schwester oder Bruder meist mit ihren Bedürfnissen in den Hintergrund. Oder wenn sie erwachsen sind, helfen sie mit, wo sie können: so wie Xenia.