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„Meine Hilfe zählt“ - Kinder krebskranker Eltern nicht allein lassen

Spendenaktion : Mama hat Krebs: Wo Kinder alles fragen und sagen dürfen

„Meine Hilfe zählt“: Annas Verein bittet um Spenden, damit Kinder krebskranker Eltern mit ihren Nöten nicht allein bleiben. Heute ist ein besonderer Tag für den Verein.

Während Luca spielt und seine Schwester erste Buchstaben schreibt, gerät das Leben der Familie aus den Fugen. In einer Arztpraxis sagt der Mediziner der Mutter: „Sie haben Brustkrebs.“ Die Wochen danach: Chemo, zwei Operationen, nochmal Chemo, Bestrahlungen, Sprach­losig­keit und große Angst – auch bei den Kindern, vier und sieben Jahre alt. Was ist Krebs? Muss Mama jetzt sterben?

Luca heißt in Wirklichkeit anders. Die Krebsdiagnose hat der Arzt vor 13 Monaten gestellt, danach hat die Familie Britta Kästel kennengelernt. Sie ist Psychologin bei Papillon in der Trierer Krahnenstraße, einer Beratungsstelle für Familien, wenn ein Elternteil an Krebs erkrankt ist.

Hanna Nitsche (links) und Calita Mona von Papillon in Trier basteln ein Spiel, das Kindern helfen soll, die Erkrankung ihrer Eltern besser zu verstehen. Foto: Papillon Trier

Mal hat Kästel mit der ganzen Familie gesprochen, mal allein mit Luca und seiner Schwester. Sie hat erklärt, was Krebs ist, so dass es Kinder verstehen. Die Psychologin sagt: „Dadurch wussten sie immer genau Bescheid, wie es ihrer Mama geht und was auf sie zukommt.“ Bei Papillon konnten die Kinder über ihre Ängste und Sorgen reden, sagen wenn ihnen etwas zu viel wurde. „Während den Gesprächen fanden auch Themen, wie eigene Bedürfnisse und Gefühle, Raum“, erzählt die Psychologin. Themen, die im Alltag und beim Bewältigen der lebensbedrohlichen Erkrankung häufig untergingen.

Seit Anfang dieses Jahres haben die Papillon-Beraterin und ihre Kolleginnen mehr als 60 Mädchen und Jungen beraten. Aktuell betreuen sie 30 Familien mit 42 Kindern. Die Folgen der Pandemie haben die Arbeit in dem Haus in Trier-Mitte anders gemacht: Von Mitte März bis Mitte Juni haben die Beraterinnen niemanden persönlich getroffen, es fanden weniger Angebote in der Gruppe statt, bei denen Kinder miteinander ins Gespräch kommen oder einfach mal abschalten können. Die gewonnene Zeit hat das Team genutzt: „Wir haben einen Instagram-Account erstellt und bieten Videosprechstunden an“, berichtet Kästel. Und Therapiehund Hattie sei dazugekommen (der TV berichtete).

Verändert hat sich ebenso, dass deutlich weniger Spenden fließen. Häufig finden während der Weihnachtszeit Veranstaltungen zugunsten von Papillon statt, damit laufende Kosten gedeckt werden können. Doch viele Benefizaktionen fallen 2020 aus. Dabei wird die von Annas Verein getragene Beratungsstelle komplett über Spenden finanziert. Über unser Hilfeportal „Meine Hilfe zählt“ bittet der Verein um „Weihnachtsspenden“ – so auch der Name des Projekts. „Damit wir unsere Arbeit mit Kindern krebskranker Eltern auch im nächsten Jahr fortführen können“, sagt Kästel. Insgesamt werden 4100 Euro benötigt, um Miete, corona­bedingte Hygiene­artikel oder Personalkosten zu bezahlen. TV-Leserinnen und -Leser können unter der Nummer 87126 spenden.

Lucas Mutter hat die Behandlungen gut überstanden, sie gilt momentan als krebsfrei. Als besonders hilfreich habe sie empfunden, dass die Mitarbeiterinnen von Papillon Ängste und Fragen aufgefangen und ihren Kindern die Erkrankung erklärt haben, erläutert Kästel. Wie oft und lange Familien, Kinder und Jugendliche zu Papillon gehen, sei unterschiedlich. „Manche kommen zweimal, manche begleiten wir über Jahre.“ Denn der Umgang jedes Kindes mit der Situation und jede Krankheitsgeschichte sei anders. Übrigens: Auf den Tag genau wird Annas Verein heute 20 Jahre alt (siehe Extra unten).

Bis zum 24. Dezember stellen wir Vereine aus dem TV-Hilfeportal „Meine Hilfe zählt“ vor. Die Spende erfolgt über eine Sepa-Lastschrift: Einfach im Internet die Seite

www.volksfreund.de/meinehilfe

aufrufen und Projekt aussuchen. Online-Banking ist nicht notwendig.