„Meine Hilfe zählt“: Um die Not traumatisierter IS-Opfer zu lindern, setzt die Wittlicherin Katrin Bornmüller auf Unterstützung durch TV-Leser.

Meine Hilfe zählt : „Es fehlt an allem“

„Meine Hilfe zählt“: Um die Not traumatisierter IS-Opfer zu lindern, setzt die Wittlicherin Katrin Bornmüller auf Unterstützung durch TV-Leser.

Gibt man auf der Internetseite von „Meine Hilfe zählt“ im Feld Suchen IGFM ein, dann erhält man eine ganze Liste an Projekten – exakt 21. IGFM ist die Abkürzung für Internationale Gesellschaft für Menschenrechte. Eine Arbeitsgruppe gibt es auch in Wittlich, geprägt durch einen Namen: Katrin Bornmüller. Gemeinsam mit anderen Ehrenamtlichen hat sie dafür gesorgt, dass bis heute mehrere Hundert Hilfstransporte in der Säubrennerstadt gestartet sind, um die Not von Menschen zu lindern. Und die Endsiebzigerin selbst hat schon häufig die Koffer gepackt, um zu denen zu fahren, denen unvorstellbares Leid zugefügt wurde oder die Tag für Tag gegen Hunger und Armut ankämpfen, um zu überleben.

Das aktuelle Meine-Hilfe-zählt-Projekt ist unter dem Namen „Hilfe für traumatisierte IS-Opfer und Flüchtlinge in Kurdistan Irak“ im November vergangenen Jahres an den Start gegangen.

MHZ_Spendenstand_0406. Foto: TV/Schramm, Johannes

Bislang haben sechs TV-Leserinnen und -Leser gespendet, 13 Prozent der benötigten rund 10 000 Euro sind zusammengekommen.

Seit 2014 unterstützt die IGFM Wittlich Flüchtlinge im Nordirak. „Mit der Abnahme internationalen Interesses an der Lage der Flüchtlinge verschlechtert sich auch die Lage in den Flüchtlingslagern“, schreibt Katrin Bornmüller auf der Homepage der Spendenplattform des Trierischen Volksfreunds.  Die Aussicht, dass die Männer, Frauen und Kinder in ihre Heimat zurückkehren könnten, sei schlecht. Als Gründe führt sie auf: Arabische und kurdische Clans hielten das Eigentum der Geflüchteten  besetzt, Politiker sähen teilnahmslos zu, und Beamte bearbeiteten Anträge auf Rückkehr schleppend, es herrsche Korruption und Vetternwirtschaft. Bornmüller weiß, wovon sie spricht, denn schon mehrfach hat sie sich persönlich ein Bild von der Lage dort verschafft. Ihr Fazit: „Es fehlt an allem.“

Immer noch kämen zumeist Frauen und Kinder an, die sich aus den Fängen des Islamischen Staates (IS) selbst hätten befreien können oder von ihren Angehörigen freigekauft worden seien. Katrin Bornmüller und der Ezide Muho Boga, er lebt seit Jahren in Wittlich, haben sich grausame Schicksale angehört, über Vergewaltigungen, körperliche und seelische Gewalt bis hin zur völligen Versklavung. „Ankommende Waisenkinder berichteten, wie sie an Waffen ausgebildet wurden und den Umgang mit Sprengstoffgürteln lernten“, berichtet Bornmüller. „Um später als Selbstmordattentäter eingesetzt zu werden.“ Die couragierte Wittlicherin appelliert an die TV-Leserinnen und -Leser: „Die Menschen dort brauchen allergrößte Aufmerksamkeit, Hilfe und  Zuwendung , damit sie in die Normalität zurückfinden könnten.“

Was genau trägt der IGFM dazu bei? Während ihres Besuchs im Oktober 2018 beispielsweise hat Katrin Bornmüller im Lager Kandala einen Alphabetisierungskurs für Frauen eingerichtet. Waisenkinder, die als Kleinkinder geraubt worden waren und nun nur noch Arabisch sprechen, lernen in ihrer Muttersprache zu lesen und zu schreiben. Für Frauen, denen großes Leid zugefügt worden war, sei es wichtig, beschäftigt zu sein, sagt Bornmüller. Deshalb wurden Nähkurse eingerichtet. Und damit die Jugend nicht rebelliert, setzt die IGFM auf Sport.  So wurde etwa eine Tischtennisplatte aufgestellt sowie Ball- und Mannschaftssport gefördert  – um nur ein paar der Maßnahmen, organisiert aus Wittlich, zu nennen.

Und die IGFM sendet Hilfstransporte in den Irak – unter anderem mit Hygieneartikeln, Verbandszeug, dringend benötigten Medikamenten, Nähmaschinen plus Zubehör. Die Transportkosten liegen bei rund  6000 Euro.

Insgesamt benötigt die IGFM knapp 10 000 Euro für Transport und Projekte.

TV-Leserinnen und -Leser können unter der Projektnummer  66638 spenden und mit dazu beitragen, dass traumatisierte IS-Opfer und Flüchtlinge Schritt für Schritt in ein normales Leben zurückfinden.

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