Spendenaktion : Wo Bücher Menschen bewegen

„Meine Hilfe zählt“: Der Trierer Verein Bildung fördert Entwicklung braucht Spenden, um den Menschen in Nairobi etwas Wichtiges an die Hand zu geben.

Es ist ein Bild, das bewegt: Ein Mädchen sitzt im Slum unter einer Straßenlaterne, tief versunken in ein Buch. Es hatte das Licht gesucht, um weiterzulesen. Denn wenn in Nairobi (Kenia) die Dunkelheit hereinbricht, wird es auch in den Hütten der Familien finster. Das Foto aus der afrikanischen Großstadt hatte via Internet den Weg auf das Handy von Christel Aretz gefunden. Ein besonderer Moment für die Autorin, die das Erbe der berühmten Schriftstellerin Clara Viebig lebendig hält und weiß, was Worte bewirken können.

John Wesonga aus Kenias Hauptstadt Nairobi hat im Slum Mathare eine Bibliothek gegründet, in der junge Menschen auch Computerkurse absolvieren . Foto: Verein Bildung fördert Entwicklung

Gemeinsam mit dem ehemaligen Trierer Hochschuldozenten Johannes Michael Nebe engagiert sich Aretz für den Verein „Bildung fördert Entwicklung“, der unter anderem das „Meine Hilfe zählt“-Projekt „Unterstützung der ersten Bibliothek in den Slums von Nairobi“ verantwortet. Nebe ist Gründer und Vorsitzender des Vereins. Die ersten 1000 Euro an Spenden sind über die Spendenplattform des Trierischen Volksfreunds bereits eingegangen – und es hat sich schon einiges bewegt.

Im Februar waren Aretz und Nebe wieder nach Nairobi geflogen. John Wesonga hatte mit den bislang vorhandenen Mitteln im Slum Mathare die erste Bibliothek gegründet. Der 22-Jährige war während eines Studienprojekts in Trier gewesen (der TV berichtete). Er hat sein Wissen erweitert, um es für die Menschen im Slum einzusetzen, damit sich ihr Leben verbessert. Wichtig ist dem Verein, Hilfe zur Selbsthilfe zu geben. „Die Bibliothek wird von den Slumbewohnern sehr gut angenommen“, sagt Aretz. Die Menschen fühlten sich wertgeschätzt, weil man ihnen zutraue, selbst etwas in die Hand zu nehmen. „Lesen ist ein wichtiger Punkt in ihrem Leben geworden“, sagt Nebe. Er hofft, dass die Bibliothek weiter ausgebaut werden kann, zu einem Kulturzentrum. Unter anderem um dort Lehrer fortzubilden. Denn die Lehrer, die derzeit in den Schulen in den Slums unterrichteten, seien überwiegend nicht ausgebildet. „Sie tun aber alles, damit die Kinder und Jugendlichen eine bessere Ausbildung erhalten.“

Die Situation der Grundschulen – also von Klasse eins bis acht – ist für die Menschen in westlichen Ländern unvorstellbar: 80 Schülerinnen und Schüler in einem Raum, kaum Bücher, Hefte oder Stifte. „Während der ersten Schulstunde schlafen sich die Kinder erst einmal aus, weil sie völlig übermüdet aus den acht Quadratmeter großen Hütten in die Schule kommen“, berichtet Nebe.

Die Bibliothek sei wichtig, entwickle sich zu einer Anlaufstelle für Jung und Alt. „Sie kommen zusammen, tauschen sich aus“, sagt Nebe. Oder nehmen an Computerkursen teil. Der deutsche Verein Leap­frog habe mehrere Laptops gespendet. Und IT-Experte George Wanjala habe schon 25 junge Leute geschult. Auch werden die Menschen dort beraten, was sie tun müssen, um sich nicht mit dem Coronavirus anzustecken. Masken werden dort angefertigt und verteilt. „Die Bekämpfung der Pandemie ist eine der größten Herausforderungen für die Menschen im Slum, die sehr dicht zusammenleben“, erläutert Nebe.

Die wachen Augen und die große Neugier, mit der Bücher in die Hand genommen werden, berühren Aretz. „Diese emotionalen Momente motivieren uns, mit Herzblut weiterzumachen“, sagt sie. Auch das Foto, das sie auf ihrem Handy gespeichert hat: ein Mädchen unter der Straßenlaterne, versunken in ein Buch aus der Bibliothek. TV-Leserinnen und -Leser können für das „Meine Hilfe zählt“-Projekt unter der Nummer 76630 spenden. Es werden noch 8310 Euro gebraucht.