Ihre Meinung: Meine verrückte Idee mit dem Gedicht „Om Dumhstaan ...“ hat mich umgehauen

Ihre Meinung : Meine verrückte Idee mit dem Gedicht „Om Dumhstaan ...“ hat mich umgehauen

Mundart

Zum Leserbrief „Es lebe der Duhmstaan“ (TV vom 5./6. Oktober) und zur Trierer Mundart:

Vor einigen Jahren hatte ich die Gelegenheit, mich der Reise einer Sportgruppe in die Trierer Partnerstadt Fort Worth (USA) anzuschließen. Wie es so kommt, hat mich Ur-Trierer der Teufel mit einer hirnrissigen Idee geritten, und zwar in Fort Worth einem Texaner Trierisch beizubringen.

Dazu habe ich die erste Strophe des Gedichts „Om Duhmstaan sei mir romgerötscht“ mehrfach auf Kasette in Trierer Platt besprochen. In Fort Worth habe ich mehrere Texaner angesprochen, vorher aber erklärt, dass es sich um einen seriösen Text handelt.

Mein Gastgeber Costa Triantafelides, mein Freund Jimmy Klein und andere wollten nicht. Zum Schluss hat sich die couragierte und clevere Judy, Gattin des damaligen Stadtdirektors Douglas Harman, bereit erklärt, das Gedicht in trierischem Platt zu lernen. Sie hat es mit Bravour gemacht.

Bei ihrem nächsten Besuch in Trier habe ich sie dann im Keller des Restaurants Kiste, damalige Kombüse der Trierer Stadtgarde, abgehört. Ich sagte zu ihr: „Judy, du musst langsamer vortragen. Trierer sind nicht so schnell.“ Es hat dann wunderbar geklappt.

Die Texaner blieben fünf Tage in Trier. Ich habe bei mehreren Veranstaltungen versucht, Judy mit meiner Idee, diesem Gedicht, selbst zu präsentieren. Es wurde mir mehrfach verwehrt.

Am letzten Tag vor der Abreise der Texaner diente ein Riesen-Sattelschlepper als Bühne, und der Hauptmarkt war übervoll mit Zuschauern und – Zuhörern. Es traf mich der Schlag, als der damalige Oberbürgermeister Felix Zimmermann einen Texaner aus Fort Worth ankündigte, der auf Trierisch ein Gedicht vortragen kann.

Es hat mich umgehauen. Die Schau wurde mir gestohlen. Ich wollte meine verrückte Idee selbst präsentieren. So kann man aus anderer Leute Leder Riemen schneiden.

Bei einem späteren Besuch in Trier hat Judy Harman im Blesius Garten das Gedicht noch einmal vorgetragen und den Urheber der Idee, mich, benannt. Aber es waren viel weniger Zuhörer als auf dem Hauptmarkt.

Es lebe Fort Worth/Trier!

Hans-Peter Haag, Trier-Ruwer

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