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Mensabau zieht immer weitere Kreise

Föhren. Der Föhrener Rat lehnt den Bauantrag der Verbandsgemeinde Schweich ab. Der Kreis prüft die Bedenken. Albert Follmann

Föhren Manchmal läuft es anders als man denkt. Diese Erfahrung musste Föhrens Ortsbürgermeisterin Rosi Radant in der jüngsten Sitzung des Ortsgemeinderats machen. Die Zustimmung zu den Tagesordnungspunkten Nutzung des Gemeinderaums und Bauantrag der Verbandsgemeinde Schweich für eine Mensa und Betreuungsräume an der Grundschule Föhren schien für die Verwaltung nur eine Formsache zu sein - doch weit gefehlt.
Durch das Patt von acht zu acht Stimmen bei zwei Enthaltungen versagte der Rat das Einvernehmen der Gemeinde zu dem Mensaprojekt. Stimmengleichheit bedeutet in diesem Fall Ablehnung. Wie berichtet, hatte sich der Verbandsgemeinderat Schweich trotz Protesten von Lehrern und Eltern für einen Erweiterungsbau auf dem Schulhof und gegen eine Aufstockung auf einem bestehenden Klassengebäude ausgesprochen. Der Föhrener Rat hat zwar in der Bauangelegenheit keine unmittelbare Zuständigkeit, weil das Sache des Schulträgers ist (also der VG), aber die Gemeinde wird zu möglichen städtebaulichen Auswirkungen der Baumaßnahme gehört. Ratsmitglied Josef Steffes (FWG) erneuerte seine Kritik, die Planungen seien nur "Stückwerk" und es fehle ein zukunftsweisendes Gesamtkonzept.
Der weitere Verfahrensweg nach der Ablehnung des Bauantrags ist, dass die Gemeinde Föhren der Verbandsgemeinde Schweich darlegt, welche städtebaulichen Aspekte gegen das Projekt sprechen. Die VG wiederum könnte die Kreisverwaltung als untere Baubehörde einschalten, falls der Föhrener Rat nicht doch noch einlenkt. Der Kreis prüft, ob die Gründe der Kommune eine Ablehnung der Baugenehmigung rechtfertigen. Dazu Armin Kopp von der Bauabteilung der VG Schweich: "Sollten keine belastbaren Gründe genannt werden, kann sich der Kreis über das Nein der Gemeinde hinwegsetzen und seinerseits die Genehmigung erteilen."
Das andere Streitobjekt, der Gemeinderaum, sollte ursprünglich als Mensa genutzt werden - das war zumindest der Plan der VG. Doch der zerschlug sich: Der im Keller eines Schulanbaus liegende Gemeinderaum war durch mehrere Wassereinbrüche nach starken Regenfällen aus Richtung Schulhof mit Schimmelsporen belastet. Mittlerweile wurde der Raum teilweise saniert und unter Aufsicht des Gesundheitsamts gesäubert. Messungen haben nach Auskunft von Ortsbürgermeisterin Radant ergeben, dass von dem Raum keine Gesundheitsgefahr mehr ausgeht. Veranstaltungen der Gemeinde sowie Proben von Vereinen und private Feiern könnten bedenkenlos stattfinden. Nur eine schulische Nutzung ist aufgrund der strengeren Normen nicht möglich.
Im Rat wurde ausgiebig darüber diskutiert, ob der Gemeinderaum zum jetzigen Zeitpunkt einen 10 000 Euro teuren Spezialanstrich erhalten soll, der mögliche Sporenbelastungen weiter minimiert. Die Malerarbeiten waren ausgeschrieben worden und der günstigste Anbieter sollte im Rat den Zuschlag erhalten. Sollte. Doch Bernd Valerius (SPD) will "kein Geld ausgeben, bevor die VG nicht dafür sorgt, dass kein Wasser mehr eindringt". Ähnlich äußerte sich Adolf Müller (FWG). CDU-Sprecher Lutz Heidrich sprach sich dafür aus, die Nutzungsvereinbarung mit der VG zu optimieren. Obwohl der komplette Rat grundsätzlich begrüßt, das der Gemeinderaum wieder für Veranstaltungen genutzt werden kann, soll nun zunächst einmal die Wasserproblematik zusammen mit der Verbandsgemeinde angegangen werden. Auch soll geprüft werden, ob sich nicht mehr als 50 Personen in dem Raum aufhalten dürfen. Die Begrenzung war aus Brandschutzgründen erlassen worden.
Die Zahl 50 wird allerdings in Zweifel gezogen. Ratsmitglied und Brandschutzexperte Udo Walscheid geht davon aus, dass bei zwei Fluchtwegen auch mehr als 100 Personen in den Raum dürfen. Als zweiter Fluchtweg (neben dem normalen Ausgang) ist der Einbau einer Treppe vorgesehen, die im Notfall einen Ausstieg durch ein Fenster ermöglicht.
Im Frühjahr, spätestens aber im Sommer, soll eine neue Grillhütte am alten Standort im Meulenwald wieder zur Verfügung stehen. Der Rat vergab die Zimmererarbeiten an eine Firma, die auch die Demontage der bestehenden Grillhütte übernimmt. Der Meulenwaldverein unterstützt den Neubau der Grillhütte mit 7500 Euro, der Heimat- und Verkehrsverein Föhren gibt einen Zuschuss von 2500 Euro.
KRITERIEN FüR GRUNDSTüCKE IN DER ACHT FESTGELEGT


Extra

Der Gemeinderat Föhren hat das Vergabeverfahren für die mehr als 70 gemeindeeigenen Grundstücke im Baugebiet In der Acht festgelegt. Das Prozedere ist wie folgt: Es gibt eine vierwöchige Bewerbungsfrist, vermutlich nach den Osterferien, in der sich Interessenten auf ein Grundstück bei der Gemeinde bewerben können. Mehrfachbewerbungen sind nicht zulässig. Es muss eine Finanzierungszusage einer Bank vorliegen. Grundstücke, auf die sich nur ein Interessent bewirbt, werden direkt vergeben. Falls es mehrere Bewerber auf ein und dasselbe Grundstück gibt, entscheidet das Los. Dieses Verfahren soll auch für Flächen gelten, auf denen Mehrfamilienhäuser und Reihenhäuser geplant sind.