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Menschenkette in Trier: 600 Demonstranten setzen Zeichen für Demokratie und Solidarität

Kundgebung : (Video/Fotos) Menschenkette durch Trierer Innenstadt: Demonstranten setzen Zeichen für Demokratie und Solidarität

Menschenkette durch Trierer Innenstadt

Von der Porta Nigra bis zum Viehmarkt: Als Antwort auf Impfgegner und Corona-Proteste haben am Samstag hunderte Menschen in Trier unter dem Motto „Trier hält zusammen“ eine Menschenkette gebildet. Mit dabei: zahlreiche Akteure des öffentlichen Lebens in Trier.

Es ist noch voller als sonst am Samstagnachmittag in der Trierer Innenstadt. Neben den Touristen und Stadtbummlern haben sich an diesem Tag über 600 Menschen versammelt, um ein klares Zeichen für Solidarität, Vernunft und Demokratie zu setzen. Unter Einhaltung der Abstände wird eine über einen Kilometer lange Menschenkette gebildet, deren Teilnehmer sich mit kleinen Seilen aneinander festhalten. Von den Seilen baumeln Schilder mit Aufschriften wie „Wissenschaft statt Verschwörungswahn“ oder „I love Impfen“.

Organisiert wurde das Ganze vom Aktionsbündnis „Trier hält zusammen“, einem Zusammenschluss von 45 Akteuren des öffentlichen Lebens in Trier, unter anderem der AG Frieden, der Lokalen Agenda 21 und dem Multikulturellen Zentrum, sowie zahlreichen Gewerkschaften, Vereinen und Trierer Parteien. Der Verein „Für ein buntes Trier – gemeinsam gegen rechts“ hatte vor drei Wochen zu der Aktion aufgerufen. Thomas Kupczik, Vorsitzender des Vereins Buntes Trier, ist froh über die große Teilnahme. „Es ist ganz wunderbar, dass sich so viele Trierer Organisationen dafür eingefunden haben, weil es zeigt, dass es die Breite der Gesellschaft ist, die heute ein Zeichen für Solidarität setzt.“

Viele bekannte Trierer Persönlichkeiten zeigten bei der Demonstration Flagge für Demokratie und Zusammenhalt. So waren unter anderem Triers Oberbürgermeister Wolfram Leibe, Triers Dezernenten und der Professor der Uni Trier, Michael Jäckel, als Privatpersonen in der Menschenkette zu finden. „Es ist mir wichtig als Privatperson ein Zeichen zu setzen und auch zu zeigen, dass die Mehrheit der Bevölkerung hinter diesen Corona-Schutzmaßnahmen steht“, sagt Leibe

Neben der Menschenkette waren auch einige Vorträge auf dem Viehmarkt Teil der Demonstration. Wissenschaftler, Politiker und Ärzte konnten hier zu ihrer Meinung Stellung beziehen. Dr. Christian Sprenger, Geschäftsführer des Klinikum-Mutterhauses und Peter Berg, Regionalleiter der BBT-Gruppe, fanden dabei ihm Namen der Trierer Krankenhäuser und Sozialeinrichtungen klare Worte.

„Es gibt Corona, es gibt Tote und es gibt diese Krankheit“, sagt Sprenger. „Und seit zwei Jahren sind wir durch die Pandemie überlastet.“ Daher sei es bei diesem täglichen Kampf unerträglich zu hören, dass die Pandemie von manchen geleugnet wird und sich Menschen gegen die Maßnahmen stellen, erklärt Berg. „Wir behandeln alle und akzeptieren die Entscheidung eines jeden einzelnen“, ergänzt Sprenger. „Wir verstehen diese Entscheidungen nur nicht.“

Auch viele Jugendliche waren am Samstagnachmittag Teil der Demonstration. Antonia Feltes sagte als Sprecherin von Fridays for Future Trier: „Wir sind dabei, weil es uns auch um die Anerkennung wissenschaftlicher Fakten geht. Egal ob Klimakrise oder Coronapandemie, wir brauchen in Deutschland eine Politik die auf Fakten basiert.“

Auseinandersetzungen mit den am Domfreihof demonstrierenden Corona-Kritikern von Team Freiheit Trier gab es laut der Veranstalter keine. In Telegramm-Gruppen hatten Corona-Kritiker im Voraus dazu aufgerufen, die Demonstration des Aktionsbündnisses zu unterlaufen oder zu stören. Dazu kam es jedoch nicht.

Den Organisatoren der Menschenkette war besonders wichtig, sich klar von den Trierer Corona-Kritikern abzugrenzen, wie Thomas Kupczik, Vorsitzender des Vereins Buntes Trier, erklärt: „Die Verantwortlichen von Team Freiheit verbreiten auf ihren Kundgebungen immer wieder Verschwörungsideologien, in denen Deutschland eine Diktatur sei, die die Bevölkerung terrorisiere. Was solche demokratiefeindlichen Verschwörungstheorien für Auswirkungen haben könne, sehen wir am Beispiel Trump in Amerika. Wir wollen ganz eindeutig Widerstand gegen diese Verschwörungsideologien leisten, deswegen sind diese Menschen in unserer Menschenkette nicht willkommen.“

Menschenkette in Trier: 600 Demonstranten setzen Zeichen für Demokratie und Solidarität
Foto: Hans Kraemer

Das Aktionsbündnis will auch in Zukunft über die Pandemie hinaus aktiv werden, sagt Katrin Werner, stellvertretende Vorsitzende des Vereins Buntes Trier. Was genau für Aktionen folgen sollen, ließe sich aber noch nicht sagen.