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Mergener Hof muss Keller schließen

Mergener Hof muss Keller schließen

Das Jugendzentrum Mergener Hof darf seinen Kellersaal ab sofort nicht mehr für Veranstaltungen nutzen. Wie auch bereits im Exhaus steckt der Brandschutz dahinter. Doch in diesem Fall ist das Thema besonders brisant: Ein Insider sagt, jemand habe das Jugendzentrum angeschwärzt.

Trier. Alarm für die Bauaufsicht: Jemand hat die Stadtverwaltung über Brandschutz- und Sicherheitsmängel im Jugendzentrum Mergener Hof (MJC) informiert. Das bestätigen sowohl Ralf Frühauf vom Presseamt Trier als auch Kai Wichmann vom Team des MJC. Beide sagen nicht, wer dieser Informant war. Ein Eingeweihter, der seinen Namen nicht in der Zeitung sehen will, erklärt aber: "Es war ein Veranstalter aus der Trierer Party-Szene."

Der TV konfrontiert die Verantwortlichen des Jugendzentrums und auch das Presseamt mit diesem Verdacht. Niemand bestätigt die These des Insiders, dass der Informant tatsächlich Böses im Sinn hatte. Doch sie wird auch nicht klar dementiert. Kai Wichmann sagt: "Wir beteiligen uns nicht an Spekulationen, warum er oder sie so gehandelt hat." Auf Facebook tobt der Zorn der MJC-Anhänger.Ortstermin am Donnerstag


So bleibt der Vorwurf, ein Konkurrent habe den Mergener Hof bei der Bauaufsicht angeschwärzt, vorerst im Raum stehen. Klar sind nur die Folgen: Am Donnerstag sahen sich Experten der Berufsfeuerwehr, der Bauaufsicht, der Stadtverwaltung und des Bistums Trier, dem das Gebäude gehört, den Keller des MJC genau an. Das Ergebnis: Bis auf Weiteres ist er für Veranstaltungen aller Art gesperrt.

Ralf Frühauf vom Presseamt erklärt am Freitag auf Anfrage des TV die Situation. "Das Bistum Trier als Eigentümer baut das Jugendzentrum zurzeit um. Eine seit Langem geplante und angekündigte Aktion." Ironischerweise hat dieser Umbau das Ziel, das Gebäude in Sachen Brandschutz und Sicherheit auf den neuesten Stand zu bringen.
Die nach dem Alarmruf sofort angesetzte Besichtigung vor Ort habe gezeigt, dass einer der Rettungswege aus dem Keller über die Baustelle und eine Gerüsttreppe führt. "Alle Beteiligten waren sich sofort darin einig, dass das so definitiv nicht geht", sagt Frühauf. Veranstaltungen im Keller des MJC sind ab sofort tabu. "Back to Jamaica" musste bereits gestrichen werden.

Die Lage ist ernst für das Jugendzentrum, aber nicht hoffnungslos. "Unsere Existenz ist nicht bedroht, aber dennoch müssen wir mit empfindlichen finanziellen Einbußen rechnen", sagt Florian Stiefel. Er weist darauf hin, dass nur der Keller von der Schließung betroffen ist. "Alle übrigen Räume können weiterhin für die offene Kinder- und Jugendarbeit genutzt werden."

Stiefel schätzt, dass der Keller ab dem Frühjahr wieder genutzt werden kann. Doch möglicherweise geht es wesentlich schneller. An dieser Stelle kommt wieder Ralf Frühauf vom Presseamt ins Spiel - und zwar mit einer guten Nachricht.
"Das Problem mit dem Fluchtweg kann möglicherweise bereits in zwei Wochen gelöst werden", sagt der Sprecher der Stadtverwaltung. Denn dann wäre eine neue Betontreppe im Rohbau soweit fertig, dass sie als Fluchtweg genutzt werden könnte. "Wir werden dann noch einmal einen Ortstermin ansetzen und die Lage prüfen", erklärt Frühauf. Sollten alle Verantwortlichen der Bauaufsicht, der Berufsfeuerwehr und des Bistums einverstanden sein, kann es weitergehen mit den Partys im Keller.Meinung

Das Schreckgespenst
Wer einem Party- und Konzertveranstalter oder generell einem Gastronomen heute schaden will, muss keine Mäuse in seine Küche schmuggeln. Es reicht ein lauter Ruf: "Brandschutz!" Auch wenn nicht bewiesen ist, dass tatsächlich ein Konkurrent solche Mittel einsetzt, um dem Jugendzentrum Mergener Hof zu schaden, so zeigt doch diese Geschichte klar die aktuelle Gefahr. Der Brandschutz hat sich längst in ein Schreckgespenst verwandelt, das trotz aller notwendigen Bemühungen um Sicherheit sehr schnell große Zerstörung anrichten kann. Denn der Brandschutz fordert mittlerweile Standards, die Jahrzehnte alte Gebäude einfach nicht liefern können. Er verschärft die Regeln in schöner Regelmäßigkeit, so dass kein Veranstalter mehr Schritt halten kann. Und er kann auch sehr schnell missbraucht werden. Die Stadt hat keine Wahl und verdient keine Kritik: Droht eine reale Gefahr, muss sie sofort reagieren. Das hat sie getan. j.pistorius@volksfreund.deExtra

Der Brandschutz hat auch das Jugendzentrum Exzellenzhaus als Konzert- und Partystätte vorerst stark blockiert. Die Stadt Trier, Besitzerin des Gebäudes, hat die maximal zulässige Zuschauerzahl wegen Brandschutz- und Sicherheitsbedenken stark beschränken müssen. Die Besucherzahl im Keller wurde halbiert und im Balkensaal im ersten Stock sogar gedrittelt. Nur noch 350 Fans dürfen rein. Viele Partys und Konzerte lohnen sich nicht mehr, die Veranstalter springen ab. Auch das Festival "Bunker bebt" wird im Januar nicht stattfinden. jp