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Merteshof Kersch Sanierung Gesindehaus Stiftung Vereinigte Hospitien

Architektur : Wenn dicke Mauern Ärger bereiten

Nach jahrelanger Vernachlässigung lässt die Stiftung Vereinigte Hospitien das Gesindehaus in Kersch sanieren. Schnell zeigt sich: Das Gemäuer birgt eine unliebsame Überraschung.

Spuren der bisher letzten Bewohner sind  bei einer Begehung noch an einigen Stellen zu sehen. Hier ragt ein Kabel des Telefonanschlusses aus dem historischen Mauerwerk. Da kommt Beton unter dem Fußboden zum Vorschein, wärend in einem benachbarten Raum die blanke Erde zu sehen ist.  Angesichts des aktuellen Zustands des  Gebäudes im Ralinger Ortsteil Kersch bedarf es schon einiger Vorstellungskraft, um nachvollziehen zu können,  dass dort einmal Menschen freiwillig gewohnt haben. Das hat zwei Gründe. Im denkmalgeschützten Gebäude haben Anfang Januar  Abbrucharbeiten begonnen. Und auch ohne diese Arbeiten macht das Gebäude keinen besonders einladenden Eindruck. Es sieht nicht nur heruntergekommen aus. Es ist auch heruntergekommen.

„Bis Ende  des Jahres sollte alles fertig sein“, sagt Tobias Reiland, kaufmännischer Direktor der Stiftung Vereinigte Hospitien, zu den ursprünglichen Plänen. Der Stiftung gehört das Gebäude. Und nicht nur dieses. Denn das Gesindehaus ist Teil eines Gesamtkomplexes, der auch den Merteshof mit imposantem Stallgebäude und eine romanische Kirche aus dem zwölften Jahrhundert umfasst. Das früher zur Abtei Echternach gehörende Anwesen  war nach der französischen Revolution in den Besitz der Stiftung gekommen (siehe Info).

Im Jahr 2019 hatte Ortsvorsteher Klaus Adam Vertreter von Verbandsgemeinde Trier-Land und Stiftung eingeladen, um in einem Gespräch die Sanierung des Gesindehauses voranzubringen. Das war damals schon seit Jahren nicht mehr bewohnt und hatte seine besseren Zeiten schon lange hinter sich. Die reichen zurück in die Epoche, als der Merteshof noch ein   stattliches Hofgut war, bei dem mehrere Knechte einen großen Teil der Arbeit erledigten.

Inzwischen wird auf dem Merteshof keine Landwirtschaft mehr betrieben. Nun ist dort das Institut für integrale Begegnung beheimatet, werden Seminare angeboten, gibt es ein Atelier oder können Pilger rasten, die auf dem Jakobsweg unterwegs sind.

Der Fertigstellungstermin in diesem Jahr ist wohl nicht mehr zu halten. Denn inzwischen hat sich gezeigt, dass das Gesindehaus mehr Überraschungen birgt, als dies den betreuenden Architekten Thomas Hein und Monika Pawelke  sowie der Stiftung lieb ist. Schon kurz nach Beginn der Arbeiten und trotz einiger Vorabeiten wurde deutlich, dass laut Hein die Substanz noch schlechter als erwartet ist.  Das liegt unter anderem daran, dass das Gebäude mehrfach umgebaut wurde und manchmal eben das verbaut wurde, was gerade zur Hand war. Reiland: „Das Mörtelgefüge ist über die Jahre stark beeinträchtigt und zeigt sich im Rückbau instabil.“ Daraus ergeben sich statische Aufgaben, die neue Planungen nötig machen. „Diese waren vorher – auch bedingt durch die an sich sehr massive Bauweise mit dicken Wänden – nicht absehbar.“

Was trotz der unliebsamen Überraschung feststeht, ist die künftige Nutzung. Auch im Gesindehaus soll eine therapeutische Einrichtung einziehen, sagt Tobias Reiland. Und noch etwas wird so sein wie zu den Zeiten, in denen das Haus noch in Schuss war. Der Denkmalschutz war in die Planungen einbezogen. Daraus resultiert die Auflage, einen Teil der Fenster mit Fensterläden auszustatten. Und zwar den, in dem der Teil des Gesindes lebte, das  in der Hierarchie des Guthofs einen höheren Rang eingenommen hatte.

 Im Gesindehaus haben die Arbeiten zur Entkernung des Gebäudes begonnen. Unter dem Fußboden kommt die blanke Erde zum Vorschein.
Im Gesindehaus haben die Arbeiten zur Entkernung des Gebäudes begonnen. Unter dem Fußboden kommt die blanke Erde zum Vorschein. Foto: TV/Harald Jansen

Stichwort hoch. Die Stiftung lässt sich die Sanierung des Gebäudes eine ansehnliche Summe kosten. Rund 900 000 Euro wird es nach Auskunft Reilands wohl mindestens kosten, das Gebäude herrichten zu lassen.