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Meulenwaldtag am Forstamt in Trier-Quint

Natur : Verantwortliche sind sich einig: Ohne Jagd keine Erneuerung des Waldes

Hunderte Besucher kamen zum siebten Meulenwaldtag in Trier. Zwei der Erkenntnisse waren: Wald-Monokulturen haben in Zeiten des Klimawandels keine Zukunft, und Bejagung muss sich am Verhalten det Wildtiere ausrichten.

Kaum ein Thema ist derart mit negativen Emotionen behaftet wie die Jagd. Das niedliche kleine „Bambi“ vor Augen oder das „scheue Reh“ – und dann die Jäger, die gut getarnt mit modernster Technik bewaffnet diese Sympathieträger erschießen. Wie sollte es angesichts solcher Bilder im Kopf zu einem sachlichen Austausch kommen?

Gundolf Bartmann, der Leiter des Trierer Forstamts, hat mit dem jährlichen „Meulenwaldtag“ den richtigen Weg hin zum sachlich geführten Dialog gefunden. Hunderte Besucher kamen am Sonntag nach Trier-Quint, um sich vor Ort in Gesprächen mit Förstern und Jägern über den Zustand des Waldes zu informieren. In diesem Jahr lautete das Motto „Wald, Waldschutz und Wildtiere“. Zahlreiche Infostände, Erlebnis- und Mitmachprogramme im Wald rund um das Forstamtsgebäude griffen das Thema auf und luden ein zum Gespräch. Darunter der Naturschutzbund (Nabu), der Landesjagdverband, der Hirschkäferverein, das Wildtierzentrum Wiltingen, der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und die Meulenwaldschule.

Der rheinlandpfälzische Staatssekretär Erwin Manz vom Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie und Mobilität und Dieter Mahr, Präsident des rheinland-pfälzischen Landesjagdverbands, beleuchteten in einem gut besuchten Fach­gespräch das Thema Jagd und Wald. Heike Laux moderierte.

 Staatssekretär Erwin Manz (links) spricht sich im Gespräch mit Heike Laux und Landesjagdverbands-Präsident Dieter Mahr für eine verhaltensorientierte Bejagung aus.
Staatssekretär Erwin Manz (links) spricht sich im Gespräch mit Heike Laux und Landesjagdverbands-Präsident Dieter Mahr für eine verhaltensorientierte Bejagung aus. Foto: Rolf Lorig

Um es vorwegzunehmen: Meinungsunterschiede gab es nicht. Beide betonten den Stellenwert des Waldes, dem gerade in der Zeit des Klimawandels eine besondere Aufgabe zukomme. Um diese aber zu übernehmen, müsse er vielerorts umgebaut werden. Reine Fichten-Monokulturen seien nicht mehr überlebensfähig, es brauche einen vielfältigen Mischwald. Nach Auffassung der Diskutierenden befindet sich der rheinland-pfälzische Wald auf einem sehr guten Weg, da man schon früh mit der Umwandlung begonnen habe. Ein wesentlicher Hoffnungsträger für die Zukunft ist laut Erwin Manz die Tanne – und damit war das Thema Jagd präsent. Denn gerade die jungen Triebe der Tanne seien von Rehen gesucht, „das sind Feinschmecker, die lieben das wie Schokolade“. Da riesige Flächen mit jungen Trieben aufgeforstet werden müssen, sei es unmöglich, alle zu schützen. Deshalb sei es erforderlich, in solchen Gebieten mithilfe der Jagd regulierend einzugreifen. Ein anderes Problem gehe von Rotwild aus, das die Rinde von Bäumen schäle, wenn das Wild­aufkommen zu groß werde.

Für Landes­jagd­präsident Mahr gehört das Wild zum Wald, auch in diesem Punkt ist er sich mit Staatssekretär Manz einig. Allerdings müsse man sich die Frage stellen, wie viel Wild das Ökosystem Wald vertrage, ohne Schaden zu nehmen. Das Problem sei, dass es hier keine gesicherten Aussagen zur Stückzahl gebe. Laut Manz hat das Futter­angebot im Wald zugenommen und die milden Winter die Vermehrung der Tiere ermöglicht. Es gebe Waldbereiche, wo das kein Problem sei. Wo aber mit jungen Trieben aufgeforstet werde, brauche es eine intensive Bejagung, die sich am Verhalten der Tiere ausrichte.

Auf die Situation des Waldes hatte zuvor auch schon Ministerpräsidentin Malu Dreyer in ihrer Eröffnungsansprache hingewiesen. Der Wald speichere nicht nur in hohem Maß CO2, sondern binde auch Wasser, das ohne Bäume Flutkatastrophen begünstige.