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"Milch ist nichts für Schnäppchenjäger"

"Milch ist nichts für Schnäppchenjäger"

Sie wollten den Verbrauchern ihre Situation klar machen: Der Bauern- und Winzerverband, der Verein der landwirtschaftlichen Fachschulabsolventen (VFL) und der Landfrauenverband Saarburg informierten die Passanten auf dem Trierer Hauptmarkt über die Milchlieferstreiks und sammelten Unterschriften.

Trier. Die zweijährige Lena genießt das weiße Gratis-Getränk am Aktionsstand der Landwirte aus der Region. Während sie sich anschließend den Milchbart wegwischt, zeigt sich ihre Mutter mit den Bauern solidarisch. Wie zahlreiche der Passanten unterschreibt sie auf einer der Listen, die dort ausliegen. Auch der Trierer Student Jörn Porstendörfer hat Verständnis für die Landwirte. "Die ,Geiz-ist-Geil-Mentalität' macht vieles kaputt, und wir brauchen den Mittelstand, zu dem auch die Bauern gehören", sagt er. Er sei gerne bereit, 20 bis 30 Cent pro Liter Milch mehr zu bezahlen. "Es ist für alles Geld da, nur nicht für die Milch", murmelt alter Mann, nachdem er mit einer Bäuerin gesprochen hatte. "Wir sind hier, weil wir die Unterstützung der Verbraucher brauchen", betont Günter Hunsicker, Vorsitzender des VFL in seiner Rede auf dem Hauptmarkt. Die Bauern stünden durch den Preisdruck, den die Discounter aufgrund ihres Konkurrenzkampfs erzeugten, mit dem Rücken an der Wand. Die Preise für den Liter Milch seien "ruinös." Dabei sei Milch das am besten untersuchte Nahrungsmittel in Deutschland, und es habe noch nie einen Skandal gegeben. Dass es in letzter Zeit zu Wortschöpfungen wie "Milchlieferstopp" oder "Milchlieferstreiks" gekommen sei, sei aus der Not heraus geboren, bemerkt Hunsicker. "Es geht um unsere Existenz. Wir brauchen einen fairen Preis", sagt der VFL-Vorsitzende. Auch Günther Schartz, Landrat des Kreises Trier-Saarburg, unterstützt die Aufklärungs-Aktion: "Milch ist kein Produkt für Schnäppchenjäger, sondern ein seriöses Produkt", sagt Schartz und weist unter anderem auf den hohen Arbeitseinsatz der Bauern hin: "24 Stunden am Tag und 365 Tage im Jahr." Gerhard Brenner, Geschäftsführer des Bauern -und Winzerverbands Trier-Saarburg meint: "Wir sind der Spielball der großen Nahrungsmittelkonzerne. Wir brauchen gerechte Preise." Auch Passantin Ingrid Pias aus Trier hat "Ein Herz für die Milchbauern", wie auf Plakaten zu lesen ist: "Auf der einen Seite steigen die Preise für Futtermittel, und auf der anderen Seite drücken die Discounter die Preise. Es ist höchste Zeit, dass etwas passiert. Wer arbeitet schon umsonst?"