Millioneninvestition in Trier: Real überlässt Globus nicht den Markt

Einzelhandel : Millioneninvestition in Trier: Real überlässt Globus nicht den Markt

Die rechtlichen Voraussetzungen sind (noch) nicht gegeben, sein „Ansiedlungsprojekt in Trier“ stellt Globus an diesem Montag trotzdem schon mal vor. Und der alte Real-Markt in der Gottbillstraße kündigt ebenfalls Millioneninvestitionen an.

Wie würde sich ein neuer Globus-Supermarkt mit rund 10.000 Quadratmetern Verkaufsfläche mit dem bestehenden Einzelhandel in Trier vertragen? Das ist die Kernfrage des Gutachtens, das der Globus-Konzern am Montagnachmittag in Trier vorstellt. Dass die vom Fachbüro Cima erstellte Expertise ergeben hat, dass ein Globus in Trier keinen Sinn machen würde oder gar schädlich für die Geschäfte der Innenstadt wäre, ist dabei unwahrscheinlich. Schon aus der Einladung zu der Veranstaltung in der Europäischen Rechtsakademie geht das hervor: „Vorstellung des Globus-Ansiedlungsprojektes in Trier“, heißt es darin. Geplant ist ein einstündiges Pressegespräch mit anschließender Präsentation des Gutachtens für geladene Vertreter aus Wirtschaft, Handel und Politik, inklusive Imbiss und Umtrunk.

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Das Gelände für den Bau des neuen Marktes hat Globus schon längst gekauft, in der Niederkircher Straße im Gewerbegebiet Euren. Zulässig ist dort nach gültiger Raumordnungsplanung ein großflächiger Einzelhandel nicht – was sich allerdings ändern könnte. Denn die Stadt ist dabei, ihr 2015 verabschiedetes Einzelhandelskonzept auf den neusten Stand zu bringen. Aspekte wie die gewachsene Konkurrenz durch den Online-Handel, neue Märkte im Umland und auch die Frage, ob der Einzelhandel auf der grünen Wiese eventuell anders ausgerichtet werden sollte als bislang, werden dabei untersucht.

Trotz der zeitlichen Parallelität: Das Globus-Gutachten und die Fortschreibung des Einzelhandelskonzepts seien voneinander unabhängig, betont Rathaus-Pressesprecher Michael Schmitz. Das Ergebnis der städtischen Expertise liege seit Oktober als Konzept vor, müsse aber noch verwaltungsintern abgestimmt werden. „Im Dezember werden wir den Konzeptentwurf den städtischen Ausschüssen und Stadtratsfraktionen vorlegen, im März könnte der Stadtrat dann sein Votum abgeben“, sagt Schmitz.

Sollte der Stadtrat beschließen, die Fläche in der Gottbillstraße für großflächigen Einzelhandel freizugeben, müsste ein sogenanntes Zielabweichungsverfahren vom geltenden Raumordnungsplan angegangen werden – mit neuen, wohl ebenfalls zeitaufwendigen Untersuchungen zu Verkehr, Umweltverträglichkeit und anderen Aspekten.

Eine Sache dürfte dabei bislang weder in das Globus-Gutachten noch in die städtische Untersuchung eingeflossen sein: Der Real-Markt in der Gottbillstraße – nahezu vis á vis des potenziellen Globus-Bauplatzes – hat gegenüber dem TV angekündigt, seine in die Jahre gekommene Trierer Filiale aufwendig zu sanieren, dabei komplett umzubauen, architektonisch neu zu gestalten und auch das Angebot zu verändern. Eine Bauvoranfrage für die Umgestaltung des sogenannten Vorkassenbereichs liegt der Stadt vor. Die Metro-Gruppe, zu der Real gehört, hat das Areal in der Gottbillstraße, auf dem sie bis jetzt nur Mieter der Halle war, zudem aufgekauft – als klares Bekenntnis zum Standort. „Die Filiale an der Gottbillstraße ist für uns wichtig. Wir sehen hier viel Potenzial in der Weiterentwicklung“, erklärt Unternehmenssprecher Christian Mielke auf TV-Nachfrage. Bereits Anfang 2019 soll das neue Konzept fertig sein, wann der mehrere Millionen Euro teure Umbau beginnt, stehe allerdings noch nicht fest.

Die Ausrichtung hingegen ist klar: „Wir wollen unser neues Markthallen-Konzept, das wir in anderen Städten schon erfolgreich umgesetzt haben, auch in Trier etablieren“, erklärt das Unternehmen. Die Verkaufsfläche für innerstädtisches Sortiment will Real dabei nicht vergrößern. „Vielmehr geht es uns um die Erweiterung unseres Gastronomie-Angebots.“ Mit Gastro-Partnern sollen fertige Menüs zum Mitnehmen, sogenannte Convenience-Produkte zum schnellen Selberkochen, Bio- und Gourmet-Produkte und ein großes Frisch-Angebot dazugehören. In seinen „Markthallen“ arbeitet Real auch mit regionalen Lieferanten zusammen – zum Beispiel Landwirten. Bislang war von den Beteiligten an der Globus-Diskussion eher zu hören, dass der in die Jahre gekommene Real-Markt in Konkurrenz zu einem neuen Globus-Markt wohl nicht weiterbestehen könne. Und wenn der Real zumache, würde ein neuer Globus-Markt in Summe eben keine zusätzlichen Arbeitsplätze bringen, argumentierten die Globus-Gegner.

Neue Aspekte in die Diskussion dürfte neben dem Globus-Gutachten, der Aktualisierung des städtischen Einzelhandelskonzepts und dem Fortbestehen des Real-Markts noch eine weitere Untersuchung bringen: „Wenn die Gutachten von Globus und Stadt zu dem Ergebnis kommen, dass die Ansiedlung eines Markts mit einem größeren Sortiment an innenstadtrelevanter Ware, als es das bisherige Einzelhandelskonzept zulässt, sinnvoll ist, werden wir ein eigenes Gutachten erarbeiten lassen“, kündigt Alfred Thielen an, Rechtsanwalt, Geschäftsführer des Einzelhandelsverbands Trier und erklärter Gegner der Globus-Ansiedlung.

Gefahren sieht Thielen bei einem Globus, der „auf 2000 oder 3000 Quadratmetern“ Ware anbietet, die es sonst generell nur in der City gibt – Kleidung, Geschenke, Porzellan etwa – nicht nur für die Geschäfte der Innenstadt. „Ein großer Globus, unmittelbar an der Strecke von und nach Luxemburg, wo etliche Trierer nicht nur zur Arbeit, sondern auch zum Tanken täglich unterwegs sind, wird die kleineren Einkaufszentren in den Trierer Stadtteilen ausbluten lassen“, ist sich Thielen sicher. Nicht nur der Netto an der Eisenbahnstraße, der Aldi in der Eurener Straße, der Edeka in Trier-West könnten laut Thielen den Konkurrenzkampf verlieren, sondern auch die weiter entfernten Märkte – etwa in Castelnau in Feyen oder auch auf der Tarforster Höhe inklusive ihrer Begleitläden. „Diese kleineren Märkte werden nicht leergefegt sein, nur weil der Globus kommt.

Aber im deutschen Lebensmittelhandel sind die Gewinnspannen äußert gering – schon fünf bis zehn Prozent Umsatzeinbußen können für Supermärkte das Aus bedeuten – die Nahversorgung in den Ortsteilen wäre damit gefährdet“, sagt Thielen. „Gerade deshalb wird in gesetzlichen Raumordnungsplänen und Einzelhandelskonzepten ja sorgfältig geplant und überlegt, wo und wie viele Supermärkte eine Stadt vertragen kann. Das alles über den Haufen zu werfen, nur weil Globus vor der Tür steht, halte ich für falsch.“

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