Minimax von Maximin

Zum Tod von Jakob Schwall ein Nachtrag:

Ein blutjunger, neuer Lehrer am Friedrich-Wilhelm-Gymnasium, der mich zufällig kannte, erwischte mich 1952, als ich gegen Ende der großen Pause nach einem Bierchen in einer benachbarten Kneipe wieder der Schule zustrebte, eine Zigarette rauchend. Die Lateinstunde nach der Pause wurde dann von Hausmeister Blum gestört: "Den Nisi bei de Chef!" Herr Schwall, der auch zeitlich recht kürzliche Schulleiter, empfing mich mit offenem, gewinnendem Lächeln, ehe er meine Beichte abverlangte: "Sagen Sie mal, Herr Nisius, wie haben Sie denn heute die große Pause verbracht?" "Wozu fragen Sie mich, Herr Direktor? Ihr junger Kollege hat Ihnen doch schon alles berichtet." Und dann explodierte der für Zucht und Ordnung verantwortliche Pädagoge: "Das ist es ja gerade! Sie sind so blöd und lassen sich in der Pause von einem blutjungen Lehrer beim Rauchen erwischen! Auch noch außerhalb des Schulgeländes! Und der hat natürlich nichts Eiligeres zu tun, als Sie bei mir anzusch... zu schwärzen. Und ich muss Sie jetzt in den Senkel stellen und Ihnen eine pädagogische Standpauke halten von wegen Vorbild der Primaner für die Kleinen." Pause. Dann, sehr ärgerlich: "Undsoweiterundsoweiter." Normaler Tonfall: "Was hiermit geschehen. Hat mich gefreut, sie kennenzulernen. Ab in den Unterricht und machen Sie, dass Sie in Latein auf eine Vier kommen!" Und es geschah so. So habe ich ihn kennen und schätzen gelernt, den "Minimax von Maximin": Ein kleiner Mann, ein starker Chef und ein großer Pädagoge, Oberstudiendirektor Jakob Schwall. Ob er wohl je erfahren hat, dass er für mich zu einem Vorbild geworden ist, nicht nur in meinem Beruf als Lehrer und Lehrer-Lehrer? Heinz Josef Nisius Trier Der 73 jährige Oberstudiendirektor a.D. Heinz Josef Nisius war von 1958 bis 1997 zuerst Lehrer an der berufsbildenden Schule GuT Trier, dann Leiter des Staatl. Studienseminars für das Lehramt an berufsbildenden Schulen Trier (Anm. d. Red.)