Missbrauchs-Aufarbeitung: Triers Bischof stellt sich heute der Kritik

Missbrauchs-Aufarbeitung: Triers Bischof stellt sich heute der Kritik

Für den Umgang des Generalvikariats mit einem Saarbrücker Missbrauchsfall erntete auch der Trierer Bischof Ackermann im Dezember Kritik. Heute möchte er in Gesprächen mit Mitarbeitern das heikle Thema aufarbeiten.

Trier/Saarbrücken. Ein "konstruktiver Meinungsaustausch" soll es werden. Ein Dialog über die Aufarbeitung von sexuellen Missbrauchsfällen in den Gemeinden, über den angemessenen Umgang mit Opfern und über eine noch stärkere Etablierung einer "Kultur der Achtsamkeit" im Bistum Trier. So hat es der Bischof angekündigt.

Heute, um 16. 30 Uhr, empfängt Stephan Ackermann in der Cafeteria des Bischöflichen Generalvikariats Bistums-Mitarbeiter und Interessierte zum Gespräch über das heikle Thema.

Ackermann reagiert damit auf die vor einem Monat entflammte Debatte um den Fall eines 70-jährigen Saarbrücker Priesters. Dieser hatte sich in den 1990er-Jahren an zwei minderjährigen Messdienerinnen vergangen. Im Januar 2011 war der Fall im Bistum bekannt geworden, doch brauchte es zehn Monate und eine kritische Medienberichterstattung, bis der Geistliche beurlaubt und der Fall öffentlich gemacht wurde. Bis dahin war der Mann bereits pensioniert.

Auch innerhalb der katholischen Kirche wurde daraufhin Kritik an Ackermann laut, der auch das Amt des Missbrauchsbeauftragten ausübt. Der Bischof musste "gravierende Fehler" einräumen und kündigte an, Lehren zu ziehen. Welche, darum soll es heute auch gehen. Das erwartet zumindest manch einer der Eingeladenen.

"Wer trägt die Verantwortung für die Versäumnisse im Saarbrücker Fall? Wie kann so etwas künftig vermieden werden? - Unsere Fragen werden wir schon stellen", sagt die geistliche Leiterin der katholischen Jugendorganisation KSJ. Andere klingen bereits im Vorfeld skeptisch. "Ich befürchte ehrlich gesagt eine nichts sagende Veranstaltung", sagt der Mitherausgeber der kirchenkritischen Zeitschrift "imprimatur" und ehemalige Saarbrücker Pfarrer, Erhard Bertel. Er werde sich aber gerne eines Besseren belehren lassen.