Missbrauchsprozess: Angeklagter gesteht Vorwürfe nur teilweise

Trier · Das Landgericht Trier hat am Montag die Prozesse gegen zwei Männer aus dem Eifelkreis Bitburg-Prüm eröffnet, die des sexuellen Missbrauchs an Kindern angeklagt sind. Urteile sind noch nicht gefallen. In einem Fall hat der Angeklagte die Vorwürfe nur teilweise gestanden. Nun müssen die Opfer vor Gericht aussagen.

(kah) Einem 38-jährigen Mann wirft die Staatsanwaltschaft vor, sich in insgesamt 53 Fällen an verschiedenen Jungen vergangen zu haben. Als Hauptopfer gilt ein Junge, der ab seinem sechsten Lebensjahr regelmäßig auf dem großen Bauernhof zu Gast war, für den der sprachbehinderte und wenig intelligente Angeklagte als Hilfsarbeiter tätig war und ist. Ab 1998 soll der Mann dem inzwischen 18-Jährigen über einen Zeitraum von sieben Jahren 51 Mal an oder in die Hose gefasst und ihn zu sexuellen Handlungen gezwungen haben.

Für den Fall, dass der Angeklagte gesteht, hatten sich Staatsanwaltschaft, Verteidigung und der vorsitzende Richter Albrecht Keimburg darauf verständigt, den Eifeler zu zwei Jahren Freiheitsstrafe auf Bewährung unter Führungsaufsicht zu verurteilen. Doch der Angeklagte gestand nur teilweise. Er stritt ab, den Jungen so oft missbraucht zu haben und auch, damit schon begonnen zu haben als das Kind erst sechs oder sieben Jahre alt war. Auch die Aussagen, die die anderen Opfer im Rahmen der Ermittlungen gemacht hatten, passten nicht zu seinem Geständnis.

Daher sollten am Nachmittag zwei der Jungen als Zeugen gehört werden. Telefonisch erfuhr Richter Keimburg jedoch, dass der Hauptzeuge, der nicht nur von dem 38-Jährigen, sondern auch von seinem Stiefvater missbraucht worden sein soll, nicht kommen würde. Er sei psychisch am Ende und habe seit Monaten nicht mehr geschlafen. Zudem könne er keine Aussage machen, wenn der Angeklagte oder jemand von dem Bauernhof, wo die Taten begangen wurden, im Gerichtssaal sitze. Daher wurde die Zeugenbefragung, die ohne den Angeklagten und unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden soll, auf den 4. August vertagt.

Ebenfalls unter Vorsitz Keimburgs ist am Montag nun der Prozess gegen einen 34-jährigen Eifeler eröffnet worden. Es wurde jedoch lediglich die Anklageschrift verlesen: Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann vor, die Tochter seines Halbbruders in zehn Fällen sexuell missbraucht zu haben. Während die Eltern ausgingen und die beiden jüngeren Schwestern des mutmaßlichen Opfers schliefen, soll der Angeklagte das zunächst acht- und später neunjährige Mädchen entkleidet und sexuelle Handlungen an ihm vorgenommen haben. Der Angeklagte, der die Taten im Ermittlungsverfahren gestanden hatte, ist seit Februar 2011 in Untersuchungshaft. Die Verhandlung soll am ersten August fortgesetzt werden.