1. Region
  2. Trier & Trierer Land

Mister Club Aktiv geht in den Ruhestand

Wohlfahrtsverbände : Mister Club Aktiv geht in den Ruhestand

Nach 34 Jahren verabschiedet sich Geschäftsführer Paul Haubrich und übergibt an seinen Nachfolger Oliver Schardt.

Paul Haubrich ist bislang der erste und einzige Geschäftsführer beim Club Aktiv. Zum 31. März hört er aus Altersgründen auf. Ganz wohl ist ihm bei dem Gedanken daran nicht. Das ist beim Gespräch mit dem Trierischen Volksfreund zu spüren. „Ich merke erst jetzt, wie vielfältig meine Arbeit ist“, sagt der 65-Jährige. Seit 34 Jahren ist der empathische Mann im Rollstuhl „das Gesicht“ des Vereins, den er zu einem der großen Akteure unter den Wohlfahrtsverbänden in Trier und im Kreis Trier-Saarburg gemacht hat.

Was 1972 ganz klein mit dem Ziel begonnen hat, Menschen mit Behinderung ein selbstbestimmtes Leben zu geben, ist 49 Jahre später ein Arbeitgeber für mehr als 750 Menschen, mit einem breit gefächerten Angebot (siehe Info). „Inklusion wollten wir damals schon, als das Wort noch keiner kannte“, erinnert sich Haubrich, der seit Anfang 1973 dabei ist, zunächst ehrenamtlich als Jugendlicher und Jura-Student, seit 1987 in verantwortlicher Position. „Die 24-Stunden-Assistenz war damals der Kern unseres Angebots und ist es auch heute noch.“ Menschen mit einer schweren Behinderung ein Leben zu Hause ermöglichen zu können ist das, was ihn im Rückblick mit besonderem Stolz erfüllt. Auch das Angebot von Tagesstätten und Tagespflege nennt er als wichtig im Rückblick, denn das diene ebenfalls diesem Ziel. „Natürlich freue ich mich auch, dass wir eine Größe erreicht haben, die uns eine wichtige Stimme gibt, die über die Region hinausreicht.“

Der Weg war nicht immer leicht. Oft half Pragmatismus. „Als es um mehr Barrierefreiheit an der Porta Nigra ging, haben wir Mitglieder des Stadtrats und Prominente dort in Rollstühle gesetzt, danach haben wir die geforderten Rampen bekommen.“ Die Zusammenarbeit mit der Stadt sei, so Haubrich, stets durch Kooperation geprägt gewesen.

Mehrfach neu erfinden musste der Club Aktiv sich auch wegen gesetzlicher Veränderungen. So war der Zivildienst für die 12 bis 13 Mitarbeiter, die für eine 24-Stunden-Assistenz notwendig sind, eine gute Sache. Als der Dienst abgeschafft wurde und auch bei der Einführung des Mindestlohns musste die Finanzierung auf neue Füße gestellt werden. „Leider funktioniert das nicht mit Angeboten für ein freiwilliges soziales Jahr oder dem Bundesfreiwilligendienst. Da kommt keiner.“

So sind viele neue Arbeitsplätze entstanden. „Ich hätte gerne noch viel mehr Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung geschaffen“, bedauert der Mann, der seit seinem 13. Lebensjahr wegen einer Knochenerkrankung im Rollstuhl sitzt.

Mehrfach ist der Club Aktiv in den vergangenen drei Jahrzehnten umgezogen. Von Trier-Süd in das Gartenfeld. „Wir haben damals gesehen, dass vielen Behinderten auf dem Land und in den Stadtteilen die Beschäftigung gefehlt hat“, erinnert sich Haubrich. „Daraus entstand die Idee für die Tagesstätten, die mehr Struktur in den Alltag der Menschen bringen.“ Das Domizil in der Pfützenstraße wurde dafür barrierefrei umgebaut. „Das war ein wichtiger Schritt nach vorne.“ Auch wenn sich das Club-Aktiv-Reisebüro dort nicht lange halten konnte. Die Geschäftsstelle wechselte schließlich in die Schützenstraße nahe dem Amphitheater. Dort gibt eine Glaswand im Besprechungszimmer den Blick frei auf die Reste einer römischen Wasserleitung.

Nachfolger von Paul Haubrich ist Oliver Schardt, der seit Anfang Januar beim Club Aktiv arbeitet. Bei einer großen Stiftung war der gelernte Heilerziehungspfleger, evangelische Diakon und studierte Sozialarbeiter Geschäftsbereichsleiter. „Da ging es fast ausschließlich um stationäre Angebote und am Ende auch zu wenig um die Menschen“, beschreibt er seine Ambitionen für den Wechsel nach Trier. „Was ich bislang hier gesehen habe, hat mir bestätigt, dass es eine gute Entscheidung war.“ Passgenaue Angebote für Menschen mit Behinderung lobt er als „ganz tolle Arbeit“ im Club Aktiv. „Die ganzheitliche und konsequent ambulante Ausrichtung ist für die Zukunft gut und wichtig“, ist der 51-Jährige überzeugt, der zum 1. April alleiniger Geschäftsführer sein wird.

Paul Haubrich bleibt dann noch bis Juni beratend aktiv. „Danach werde ich keine führende Position mehr im Verein einnehmen“, sagt er. Ein wenig „Juristerei für Menschen mit Behinderung“ werde dann auf der Agenda stehen. Und natürlich freut sich der leidenschaftliche Wohnmobilfahrer und Vater einer 34-jährigen Tochter besonders auf Reisen mit seiner Frau. Norwegen oder Schottland ... in jedem Fall – bei diesem Ausblick strahlen seine Augen – dürfen diese Reisen dann etwas länger dauern.