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Mit Baumwurzel und Trommel auf Trierer Straßen

Mit Baumwurzel und Trommel auf Trierer Straßen

Sie nennt sich "May" und fühlt sich berufen, die Menschen zu sich selbst zurückzuführen. Das tut sie, indem sie mit einer herzförmigen Baumwurzel und einer Trommel durch Trier zieht - viele kennen sie aus dem Stadtbild. Sie als Spinnerin abzutun, wäre zu einfach.

Trier. Die schlanke Frau mit den langen, blonden Haaren erzählt, vor zehn Jahren sei ihr Körper im Krankenhaus sieben Tage durch Maschinen am Leben erhalten worden und sie sei das gewesen, was man landläufig unter klinisch tot verstehe.
Danach sei sie "wie ein Baby" neu geboren worden. Deshalb zählen für sie die 36 Jahre, die sie davor gelebt hat, nicht.
Von Bulimie geheilt


Auch, wo sie herkommt und was sie vorher gemacht hat, erzählt sie nicht. Heute nennt sie sich May und ist überzeugt davon, dass die Kraft der Gedanken alles heile, dass man nur auf sein Herz hören müsse, um negative Energien und sogar Krankheiten zu verhindern und zu besiegen. Sie sagt von sich selbst, dass sie auf alle Menschen mit offenem Herzen zugehe und weder Neid noch Angst kenne.
"Angst ist die Abwesenheit von Liebe", sagt May, und die 28-jährige Eva Johanna, eine Art Schülerin von ihr, erzählt: "Ich hatte seit meinem zwölften Lebensjahr Bulimie. Nie habe ich mich anerkannt gefühlt, ich konnte es niemandem recht machen. Dann habe ich May kennengelernt und hatte sofort das Bedürfnis, mich ihr zu offenbaren. Jetzt geht es mir endlich gut - ich bin glücklich, von der Bulimie bin ich geheilt."
Für May keine Besonderheit. "Es ist meine Berufung, Menschen wieder zurück zu sich selbst, ihren eigenen Wünschen und Plänen zu führen und zu begleiten. Zum Wohle aller." Sie scheint vielen Menschen etwas zu geben, was diese bei Familie, Freunden und der Kirche nicht finden. Ist sie eine Therapeutin, die sich der Esoterik bedient, eine Heilsbringerin oder gar eine Spinnerin mit Sektenhintergrund? May besitzt eine Wurzel, die einem menschlichen Herz ähnelt. "Diese Wurzel hat mir die Natur geschenkt", sagt sie.
In Begleitung von Eva-Johanna zieht sie damit durch Trier und manchmal auch in den Dom. "Die Männer der Kirche sehen mich dort nicht gern - sie haben Angst", erklärt May. "Aber der liebe Gott ist nicht jemand, der vergleicht, verbietet und bestraft - Gott ist Liebe!"
Sie hat eine Jesusfigur vom Kreuz getrennt, ihn auf das Wurzelherz gesetzt und ihn, wie sie sagt, "seinem wahren Symbol zugeordnet - der allumfassenden Liebe". Dann bearbeitet May ihre "Herztrommel der Schamanin". Sie soll positive Energie geben.
Vieles, was die illustre Frau sagt, klingt vernünftig - und einiges ziemlich abgedreht. Doch das erweitert den Horizont und bietet Denkanstöße. kap