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Mit Blindenstock und Rollstuhl

Mit Blindenstock und Rollstuhl

Grenzen überwinden: Das ist das Motto der Comenius-Konferenz am Trierer Humboldt-Gymnasium (HGT) gewesen. Schüler aus vier Nationen testeten in Workshops, wie schwer es Rollstuhlfahrer in der Trierer Innenstadt haben. Außerdem erhielten sie Einblicke in die Gebärdensprache. Fazit: Grenzen bestehen, können aber durch aufmerksame Mitmenschen minimiert werden.

Trier. 75 Schüler und elf Lehrer aus Deutschland, Dänemark, Schweden und der Türkei haben sich am Humboldt-Gymnasium Trier (HGT) in sieben Workshops mit dem Thema "Grenzen: Brücken und Barrieren, Last oder Vorteil" auseinandergesetzt. Die Veranstaltung war Teil eines über das Comenius-Programm der EU geförderten Projekts, das seit 1995 unter anderem Schulpartnerschaften unterstützt, um jungen Menschen und Lehrkräften das Wissen und das Verständnis für die Vielfalt der europäischen Kulturen, Sprachen und Werte näherzubringen.
"Bei meinem Spaziergang durch die Stadt fühlte ich mich hilflos und hatte keine Orientierung mehr", berichtet Mara Simon, die sich in ihrem Workshop mit der Situation blinder Menschen auseinandersetzte. Die Schüler trugen undurchsichtige Brillen und einen Blindenstock und suchten sich dann ihren Weg durch die Innenstadt. Passanten hätten distanziert und abwertend beim Experiment zugesehen, was in der Gruppe zu Unverständnis führte. Diese Erfahrung haben auch die Schüler gemacht, die sich mit den Barrieren von Rollstuhlfahrern auseinandersetzten.
Die HGT-Film-AG drehte mit den Schülern einen Kurzfilm zum Thema "Grenzen". Die Botschaft: Überwinde Grenzen - mache den ersten Schritt. Deniz Tankus aus Istanbul spielte eine der Hauptrollen: "Ich mag Filme und habe viele neue Erfahrungen im Film-Workshop machen können." Dieses Fazit zogen alle Schüler, die bei der Abschlussveranstaltung begeistert ihre Ergebnisse präsentierten.
Nicht alle Barrieren beseitigt


HGT-Direktor Ralph Borschel sagte, er sei stolz darauf, dass es an seiner Schule das Comenius-Projekt gebe: "Es ist beeindruckend, mit welchem Eifer und Interesse die Schüler an die Workshops herangehen." HGT-Lehrerin Silke Baumgarten, die gemeinsam mit Karin Lenerz die Trierer Konferenz organisierte, betonte, dass noch lange nicht alle Barrieren beseitigt seien: "Wir wissen, dass ein Leben ohne Grenzen noch nicht existiert. Aber Projekte wie die Comenius-Konferenz tragen dazu bei, sich dessen bewusst zu werden und die ersten Schritte in die richtige Richtung zu gehen."