Mit bunten Federn

TRIER. (red) Für Volker Justinger aus Schillingen war es schon als Kind der ganz große Traum: Irgendwann einmal wollte er sein eigenes Kleinkunst-Theater haben und Magiern, Illusionisten oder biegsamen Tänzerinnen eine Bühne bauen. Sein Traum ist Realität geworden: Justinger ist jetzt Varieté-Direktor und eröffnet am 16. September auf dem Trierer Petrisberg den neuen Kultur-Treffpunkt Chat Noir.

In einer ehemaligen Mannschaftskantine der französischen Besatzungsmacht sind kindliche Schwärmereien zur geschäftstauglichen Realität geworden. Die Adresse für Triers neues Varieté-Theater heißt Max-Planck-Straße 23. Wo vor wenigen Jahren kalte Betonwände die Atmosphäre bestimmten, ist in liebevoller Handwerksarbeit ein Theater- und Tanzsaal mit Showbühne, Sitzgruppen und roten Samtvorhängen entstanden. Humphrey Bogart lässt grüßen

"Wenn ich heute das Chat Noir betrete, habe ich sofort das Bild aus dem alten Film Casablanca im Kopf", beschreibt Justingers Partner Peter Nuhn (40) sein ganz persönliches Varieté-Gefühl, "ich warte immer darauf, dass sich jemand an unseren Flügel setzt und ,As time goes by' spielt. Die Kneipe im Film ist ja nicht nur Sitzplatz für Musikliebhaber, sondern Treffpunkt für viele verschiedene interessante Menschen." Das ist auch der Wunsch von Justinger und Nuhn: dass das Chat Noir in erster Linie als Zentrum für Kommunikation und Freizeitspaß verstanden wird. Geschäftsleute aus der Großregion sollen sich auf dem Petrisberg genauso wohl fühlen wie die Trierer Nachbarn, die für einen Abend lang in eine "etwas andere Welt" abtauchen wollen. "Der Name Varieté kommt vom Begriff Vielfalt", erklärt Peter Nuhn, "und das beschreibt auch unser Programmkonzept. Wer hierher kommt, den erwarten Abende mit vielen bunten Entertainment-Sträußen. Wir stellen keine Einzelkünstler in den Mittelpunkt, bei uns ist die gesamte Show der Star." Und auch die Zuschauer werden im Chat Noir ins Programm mit eingebunden: Die Tanzfläche vorm Klavier lädt zum Tango ein, die Comedians, Entfesslungskünstler und Chansoniers suchen auch schon mal Freiwillige aus dem Publikum als "Versuchskaninchen" oder Zauber-Assistenten. Konzept und Planung für Triers neues Varieté-Theater wurden von der Entwicklungsgesellschaft Petrisberg EGP unterstützt. Leichte Unterhaltung statt Rotlicht-Atmosphäre

Die Geschichte des Varietés ist sehr alt. Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Name für Bühnen der so genannten "leichten Unterhaltung" eingeführt, die sich bis 1930 vor allem in großen Städten enormer Beliebtheit erfreuten. "An diese Tradition wollen wir hier in Trier wieder anknüpfen", sagt Justinger. "Wir bieten Entertainment und Platz für ein gepflegtes Schwätzchen unter Freunden", ergänzt Nuhn und lacht: "Auch wenn manche Trierer den Begriff Varieté eher ins Rotlichtmilieu einzuordnen versuchen, ist das Chat Noir ein Freizeittreff der gehobenen Art für alle, die das Außergewöhnliche suchen". Während das regelmäßige Showprogramm zunächst donnerstags, freitags und sonntags über die Bühne geht, steht der Varieté-Saal jeden Samstag zur Vermietung frei. Für Volker Justinger spielt das in diesen Tagen aber eher eine kleine Rolle. Er bereitet sich auf den großen Eröffnungstag am 16. September vor: "Ich freue mich auf ein knallbuntes Programm mit geheimnisvollen Männern unter schwarzen Zylindern und Damen mit riesigen Federboas! Und hoffe, dass unsere Besucher daran genauso viel Spaß haben wie ich."