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Mit dem Auto in der Warteschleife - Warum die KFZ-Zulassungsstelle überlastet ist

Kostenpflichtiger Inhalt: Ausgebremst : Mit dem Auto in der Warteschleife - Warum die KFZ-Zulassungsstelle überlastet ist

Wer einen Wagen an-, oder abmelden will, muss sich derzeit wochenlang gedulden. Auch Dienstleister und Autohäuser fühlen sich von der KFZ-Zulassungsstelle ausgebremst.

Stellen Sie sich vor, Sie verlieren das vordere oder hintere Kennzeichen ihres Autos. Etwa weil eine Schraube locker war. Oder weil es jemand – aus welchen Gründen auch immer – geklaut hat. Die gleiche Buchstaben-Zahlen-Kombination einfach nochmal beim Schilderdienst nachdrucken lassen und anschrauben? Geht nicht, ist verboten. Vielmehr sollten Sie ein neues Kennzeichen beantragen und den Wagen neu zulassen. Denn so lange das alte Kennzeichen auf Ihren Namen läuft, sind Sie verantwortlich für möglichen Missbrauch – zum Beispiel durch Auto-Diebe.

Für die „Umkennzeichnung nach Verlust oder Diebstahl“ ist die KFZ-Zulassungsstelle zuständig. Genauso wie für Neuzulassungen, Stilllegungen, bei verlorenem Fahrzeugschein (der ja seit Jahren so gar nicht mehr heißt, sondern den hübschen Verwaltungsnamen „Zulassungsbescheinigung Teil 1“ trägt) und anderen Verwaltungsvorgängen rund ums Auto.

In den aktuellen Corona-Zeiten geht ein persönlicher Termin allerdings nur, wenn Sie vorher über die Internetseite der Behörde einen Termin vereinbaren. Obwohl, vereinbaren ist zu viel gesagt. Vielmehr werden die Termine zugeteilt. Zurzeit mit einer Wartezeit von knapp vier Wochen. Wohlgemerkt: Für einen Behördenvorgang, der maximal zehn Minuten dauert – zumindest, wenn Sie alle Unterlagen vollzählig dabei haben. Ihr nummernschildloses Auto könnten Sie – Stand Terminvergabe am Freitag, 22. Mai – erst am 17. Juni wieder anmelden.

 Bis dahin müssten Sie es stehenlassen. Denn ohne Kennzeichen, selbst, wenn nur eins fehlt, darf der Wagen nicht bewegt werden.

Auch wer einen Neuwagen persönlich bei der Zulassungsstelle anmelden oder eine alte Kiste stilllegen will, wartet derzeit bis Mitte Juni auf einen Termin. Betroffen sind auch professionelle Zulassungsdienste, die die Behördengänge gegen Gebühr für Private und Autohäuser erledigen.

In Trier gibt es mehrere solcher Zulassungsdienstleister. Sie müssen zwar nicht wochenlang ausharren, bis die Zulassungsstelle ihnen als gewerblicher Betrieb einen Termin gibt, dürfen aber pro Tag nur eine eingeschränkte Menge an „Zulassungsvorgängen“ zur Bearbeitung vorlegen – vor Corona gab es diese Beschränkung nicht.

„Ich habe zurzeit Fälle, bei denen ich eine Woche auf eine Neuzulassung warte – wie soll ich das meinen Kunden erklären, die ein neues Auto bei mir kaufen?“, macht Frank Zeimet vom gleichnamigen Autohaus in Trier-Olewig seinem Ärger Luft. Vor Corona hätten Neuanmeldungen über die Zulassungsdienste zwischen Vor- und Nachmittag erledigt werden können, sagt Zeimet.

Bevor die strikten Kontaktbeschränkungen wegen der Corona-Pandemie in den vergangenen Wochen nach und nach gelockert wurden, hatte die für Trier und den Landkreis Trier-Saarburg zuständige KFZ-Zulassungsstelle komplett geschlossen.

Seit Anfang Mai hat zumindest die Hauptstelle in der Trierer Thyrsus­straße wieder geöffnet – allerdings nur nach Terminvergabe über das Internet oder die allgemeine Behördenrufnummer 115 und immer noch nur in „dringlichsten Fällen“. Die Außenstellen Hermeskeil und Saarburg sind weiter „aus Gründen des Infektionsschutzes“ geschlossen.

Was da los ist, hat der Trierische Volksfreund bei der Trierer Stadtverwaltung nachgefragt. Kritik an der aktuellen Situation sei „natürlich jedem unbenommen“, erklärt Rathaussprecher Michael Schmitz. Der Eindruck, die Mitarbeiter der Zulassungsstelle machten sich einen lauen Lenz, sei allerdings falsch. Im Gegenteil: „Die durchschnittliche Arbeitszeit des Personals beträgt derzeit täglich etwa neun Stunden“, betont Schmitz.

Der Frühling sei „die Hochsaison des Jahres im Zulassungswesen“. Insbesondere durch Kunden, die Saisonkennzeichen für Motorräder, Cabrios oder Wohnmobile benötigten, sei der Andrang enorm. „Die Wartezeiten im Frühjahr sind auch ohne die coronabedingten Einschränkungen immer höher als zu den übrigen Zeiten im Jahr“, erläutert Schmitz.

Und auch schon vor Corona habe man nach Online-Anfragen rund zwei Wochen auf einen Termin bei der Behörde warten müssen. Ein Verweis auf ohnehin schon recht schwachen Service als Rechtfertigung für die jetzigen drei bis vier Wochen Wartezeit? Zumal vor Corona in dringenden Angelegenheiten die Alternative bestand, spontan und ohne Termin bei der Zulassungsstelle vorbeizukommen – auch, wenn man dann meist eine lange Wartezeit in Kauf nehmen musste.

Ab wann es die Möglichkeit wieder geben wird, ohne Termin direkt beim KFZ-Amt vorbeizuschauen, ist bisher nicht absehbar. Ebenso wenig, wann die Nebenstellen in Saarburg und Hermeskeil wieder öffnen. Denn derzeit seien nur „61,9 Prozent der Mitarbeiter, die normalerweise für den Bereich der Zulassung vorgesehen sind, einsetzbar“, teilt Rathaussprecher Schmitz mit.

Insgesamt gibt es 42 Stellen in der Zulassungsstelle, darunter Teilzeitkräfte, Langzeitkranke, Mitarbeiterinnen in Elternteilzeit und Menschen, die wegen der immer noch andauernden Gesundheitsgefährdung durch Corona noch nicht in einem „publikumsintensiven Bereich“ eingesetzt werden könnten.

Die „personelle Leistungskraft“ der gemeinsamen Zulassungsstelle des Kreises Trier-Saarburg und der Stadt Trier sei „derzeit nicht in der Form vorhanden, wie es normalerweise der Fall sein sollte“, formuliert Rathaus-Pressesprecher Schmitz. Die Außenstellen in Hermeskeil und Saarburg zu öffnen, sei daher noch nicht möglich.