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Mit dem Bahnhof in Schweich geht's aufwärts

Mit dem Bahnhof in Schweich geht's aufwärts

Nie mehr mit dem Rollstuhl über die Gleise: In Schweich plant die Bahn Aufzüge und andere Verbesserungen. Dabei wurde ein Teil des Bahnsteigs gerade erst saniert.

Beim Stichwort Bahnhof Schweich fällt Linda Crump gleich der Vorfall mit dem Rollstuhlfahrer ein. "Wir wussten uns nicht anders zu helfen, als die Gleise zu nehmen", sagt die junge Frau aus Schweich und zeigt auf die Stelle, wo sie und weitere Helfer den "schweren Mann" samt Rollstuhl über den Schotter zum Mittelbahnsteig getragen haben. Verbotenerweise - aber was sollten sie auch sonst machen?

Hindernisse für Reisende Ohne fremde Hilfe sind Behinderte oder ältere Menschen, die Probleme beim Gehen haben, derzeit noch an der Schweicher Bahnstation aufgeschmissen. Den mittleren Bahnsteig, an dem die Züge in Richtung Trier und Koblenz abfahren, kann man nur über eine Unterführung erreichen.

Die beiden Treppen, die dabei überwunden werden müssen, haben noch nicht einmal eine Spurrinne, die den Transport von Fahrrädern erleichtert. Für eine Urlaubsregion wie die Mosel eigentlich ein Unding, findet Linda Crump, die schon mehrfach Touristen gesehen hat, die sich dort mit ihren Rädern abmühen, um zum Zug zu gelangen.

Ab kommendem Jahr sollen sich solche Szenen wie die mit dem Rollstuhlfahrer oder den Radtouristen nicht mehr am Schweicher Bahnhof abspielen, denn er wird behindertengerecht ausgebaut.

Was ist geplant? Laut der DB Station & Service AG, die die 5400 Personenbahnhöfe in Deutschland betreibt, wird der 1879 erbaute und 1950 sanierte Hausbahnsteig in Schweich erneuert. Er liegt an Gleis 1, das man von der Straße aus erreichen kann. Dieser Bahnsteig wird voraussichtlich ab Ende 2019 verstärkt benötigt. Dann soll nach Auskunft von Thomas Geyer vom Zweckverband Schienenpersonennahverkehr (SPNV) Nord die Regionalbahn aus Saarbrücken bis Schweich fahren.

Der 190 Meter lange Mittelbahnsteig ist erst vor zwei Jahren saniert worden. Er wird auf 210 Meter erweitert, das ist die Regellänge für Bahnsteige. Zur besseren Erreichbarkeit des Mittelbahnsteigs werden zwei Aufzüge eingebaut; die Treppenbeläge und die Überdachung der Unterführung werden erneuert. Während der Bauzeit an den Treppen soll es für rund drei Monate eine provisorische Fußgängerüberführung zwischen den Bahnsteigen geben.

Ist mit Einschränkungen im Bahnverkehr zu rechnen? Ja, dennoch verspricht die Bahn, dass der "Betrieb der Verkehrsstation während der Bauphase voll aufrechterhalten wird". Während des Neubaus am Hausbahnsteig soll es eine sechswöchige Vollsperrung geben. Drei Wochen voll gesperrt ist nach Auskunft der Bahn Gleis 3 (Fahrtrichtung Trier). In dieser Zeit wird der Bahnsteig erweitert und die Treppenanlage erneuert. Gleis 2 (Fahrtrichtung Koblenz) wird für sechs Wochen voll gesperrt.

Wie ist der Zeitplan? In diesen Tagen soll das Projekt barrierefreier Ausbau des Bahnhofs Schweich beim Eisenbahn-Bundesamt zur Genehmigung eingereicht werden. Die Bauanträge sollen im Mai 2017 gestellt werden, der Realisierungs- und Finanzierungsvertrag zwischen dem Land Rheinland-Pfalz, dem SPNV, der Stadt Schweich und der Deutsche Bahn AG soll im zweiten Quartal 2017 unter Dach und Fach sein. Die eigentliche Bauausführung ist zwischen Juli und Dezember 2018 vorgesehen. Die Inbetriebnahme des "neuen" Bahnhofs ist zum Fahrplanwechsel im Dezember nächsten Jahres geplant.

Kosten und Förderung Die Ausbaukosten von 1,7 Millionen Euro trägt zur Hälfte der Bund. Das Land übernimmt 35 Prozent. Von den verbleibenden 15 Prozent übernimmt die Verbandsgemeinde Schweich zwei Drittel, die Stadt Schweich ein Drittel. Die Modernisierung von Bahnhöfen erfolgt auf der Grundlage einer bis 2019 geltenden Rahmenvereinbarung mit dem Land Rheinland-Pfalz. Der barrierefreie Ausbau wird aus dem Bund-Länder-Programm "Zip - Zukunftsinvestitionsprogramm Personenbahnhöfe" gefördert. Dieses berücksichtigt eigentlich nur Bahnhöfe, an denen täglich mindestens 1000 Reisende ein- oder aussteigen. Schweich kommt nach einer Erhebung aus dem Jahr 2015 lediglich auf 750 Ein- und Aussteiger bei 38 Zug stopps im Regionalverkehr.
Erst nach Intervention von SPD-Generalsekretärin Katarina Barley und weiteren Politikern aus der Region wurde Schweich in das Förderprojekt aufgenommen. Barley hatte die Bahnverantwortlichen auf die Sonderstellung von Schweich als Schulstadt mit mehreren Förderschulen und als Standort von Altenheimen hingewiesen.

Co-Projekt der Stadt Die Stadt Schweich verhandelt mit einem privaten Grundstückseigentümer am Bahnhof mit dem Ziel, eine Durchfahrtsmöglichkeit für Busse von der Kreisstraße 39 (Ortsentlastungsstraße Richtung Autobahn) über den Bahnhof bis zur Bahnhofstraße zu erreichen. Dann könnten die Busse, die derzeit mangels Wendemöglichkeiten einige Hundert Meter vom Bahnhof entfernt halten, unmittelbar bis an den Bahnhof heranfahren.KommentarMeinung

Über den Schatten gesprungenVerspätungen gibt es immer noch, aber die Bemühungen der Bahn, den Service zu verbessern, sind erkennbar. Das zeigt sich in den Zügen, aber auch an Haltestationen, wie das Beispiel Schweich zeigt. Hier sprang der Konzern in der Tat über seinen Schatten, denn für den barrierefreien Ausbau gibt es eigentlich zu wenig Reisende. Freilich erfolgt das Zugeständnis auf politischen Druck, aber offenbar haben die Argumente (Schulstadt, Altenheime) die Bahnverantwortlichen letztlich doch überzeugt. Die Aufzüge und die Sanierung des Hausbahnsteigs sind ein wichtiger Schritt zur besseren Erreichbarkeit der Moselstadt, aber es sollte nicht der einzige bleiben. Verbesserungswürdig ist die Anbindung des Bahnhofs an die relativ weit entfernte Innenstadt und an die Nachbarorte mit öffentlichen Verkehrsmitteln. a.follmann@volksfreund.deExtra: BARRIEREFREIHEIT BEI DER BAHN

Foto: (h_tl )
Foto: (h_tl )

Von den rund 5400 Bahnhöfen in Deutschland sind 77 Prozent barrierefrei ausgebaut. Etwa 2100 Aufzüge sind in Betrieb. Barrierefreiheit bei Personenbahnhöfen umfasst mehrere Aspekte: stufenfreier Zugang zum Bahnsteig über Gehwege, höhengleiche Übergänge für Reisende, gegebenenfalls mit Aufzügen oder Rampen, taktile Leitsysteme und akustische Signale für Sehbehinderte. Quelle: Deutsche Bahn