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Mit dem Elektroantrieb gegen den Pendlerstrom

Mit dem Elektroantrieb gegen den Pendlerstrom

Noch sind Elektroautos eher Exoten auf den Straßen in der Region Trier. Wissenschaftler der Universität Kaiserslautern wollen im Rahmen des Projekts Elec\'tra herausfinden, wie Elektroautos beitragen können, öffentliche Verkehrsmittel attraktiver zu machen.

Schweich/Trier. Deutsche Arbeitnehmer in Luxemburg sind schon lange kein unbekanntes Wesen mehr. Statistiker können sagen, woher sie stammen und wie sich ihre Zahl in den vergangenen Jahren entwickelt hat (siehe Extra). Ebenfalls ist bekannt, dass gerade abseits der Bahnlinie von Luxemburg, entlang der Mosel Richtung Wittlich, viele Pendler das eigene Auto für die Fahrt von und zur Arbeit vorziehen. Das muss nach Ansicht von Wissenschaftlern vom Fachgebiet Mobilität und Verkehr des Fachbereichs Bauingenieurwesen der Universität Kaiserslautern auf Dauer nicht so bleiben. Für knapp eine Million Euro wollen sie mit dem Projekt Elec\'tra erkunden, wie Elektromobilität und Pendelei miteinander verbunden werden können. Ziel ist es nach Auskunft von Professorin Ulrike Reutter zu untersuchen, "inwieweit es möglich ist, die Pendlerströme auf ein durch Elektromobilität unterstütztes Carsharing zu verlagern und zu bündeln." Dass dieses Ziel sich nicht allein durch mehr Elektrofahrzeuge allein erreichen lässt, ist den Wissenschaftlern klar. Denn Elektromobilität funktioniere aufgrund der langen Ladezeiten, eines Managements von Fahrzeugen, Parkplätzen und E-Tankstellen nur bei guter Planung. Das alles hört sich sehr theoretisch an. Es geht jedoch auch praktischer. Laut Reutter sollen Pendler dazu bewegt werden, den größten Teil ihrer täglichen Strecken mit Bus oder Bahn zurückzulegen. Für den Weg zwischen Wohnung und Haltestelle sowie zwischen Haltestelle und Arbeitsstelle sollen dann Elektrofahrzeuge genutzt werden.Umfrage bei Pendlern geplant

In der ersten Phase des Forschungsprojekts soll nun erforscht werden, wie viele Menschen sich vorstellen können, auf andere Art als bisher unterwegs zu sein. Dazu sollen nach derzeitigem Stand zwischen dem 1. Mai und dem 30. Juni Pendler telefonisch und via Internet befragt werden. Im Oktober sollen dann Ergebnisse vorgestellt werden. Der TV hat schon vor dem Beginn der Fragerunde mit Pendlern gesprochen (siehe Umfrage). Aufgrund der Erkenntnisse aus der offiziellen Befragung wollen die Kaiserlauterner Konzepte, Modelle und Optimierungsmethoden für Pendlerströme der Zukunft entwickeln. Derzeit gibt es nach Auskunft von Göran Gauer von der Uni Kaiserslautern keine Vorstelung davon, wie Elektromobilität helfen kann, die Zahl der Fahrten und die Emissionen zu verringern. Bisher sind den Wissenschaftlern keine Lösungen bekannt, die auf die Region Trier, das Saarland oder Lothringen übertragen werden können. Nach Ansicht Gauers könnte eine Lösung in einer elektromobilen Variante der bestehenden Mitfahrerparkplätze bestehen. Meinung

Lieber in klassischen ÖPNV investierenDer Ansatz ist richtig. Mehr Fahrgäste in Bussen und Bahnen mindern die Belastungen durch den Individualverkehr. Aus diesem Blickwinkel betrachtet, ist es eine gute Idee, rund eine Million Euro für die Erforschung von Möglichkeiten der E-Mobilität in der Großregion auszugeben. Es steht jedoch zu befürchten, dass am Ende allenfalls Ideen für Ballungszentren herauskommen. Denn auf dem flachen Land, wo sich heute schon kein anständiger ÖPNV lohnt, wird sich auch keine umfangreiche Infrastruktur lohnen, ohne die E-Mobilität nicht auskommt. Für jedes Fahrzeug mit Elektroantrieb müsste eine eigene Stromtankmöglichkeit vorgehalten werden. Und jede dieser Ladestationen kostet mehrere Tausend Euro. Aufgrund dieser Fakten wird sich wohl niemand finden, der in solch eine Infrastruktur investiert. Stattdessen wäre es unter den heutigen Gegebenheiten sinnvoller, das klassische ÖPNV-Angebot so auszubauen, dass es sich für Pendler lohnt, umzusteigen. Auch dann, wenn der Weg zu Bus- oder Bahnhaltestelle mit einem herkömmlich angetriebenen Fahrzeug zurückgelegt wird. h.jansen@volksfreund.deExtra

Innerhalb von zehn Jahren hat sich die Zahl der Luxemburg-Pendler aus der Region Trier verdoppelt. 2012 waren es laut Generalinspektion Soziales Luxemburg insgesamt 27 378 Arbeitnehmer. Aus dem Landkreis Trier-Saarburg sind es 11 822 Pendler, aus dem Eifelkreis Bitburg-Prüm 7310, aus der Stadt Trier 6474, aus dem Landkreis Bernkastel-Wittlich 1479 sowie aus dem Vulkaneifelkreis 293. Aktuell gibt es acht grenzüberschreitende Buslinien sowie eine Bahnverbindung. Die Zugverbindung soll mit dem zweigleisigen Ausbau der Strecke Trier-Luxemburg sowie dem Bau neuer Haltepunkte in der Stadt ausgebaut werden. Schon heute fahren einige Pendler-Züge von Wittlich aus über Schweich und Trier nach Luxemburg. Noch sind Elektromobile auf den Straßen in der Region eher selten. Nach Auskunft der Zulassungsstellen gibt es in Trier 256 Fahrzeuge, die einen Elektroantrieb haben. 65 davon haben nur einen E-Motor. Im Landkreis Trier-Saarburg gibt es 166 zumindest teilweise mit Strom angetriebene Fahrzeuge, 143 davon haben noch einen Benzin- oder Gasmotor. Im benachbarten Eifelkreis Bitburg-Prüm sind derzeit 14 voll-elektrisch betriebene Fahrzeuge und 145 Hybridfahrzeuge gemeldet. Im Landkreis Vulkaneifel sind es 45 Hybrid- und 15 Elektro-Fahrzeuge. 27 E-Mobile gibt es im Landkreis Bernkastel-Wittlich. harExtra

TV-Mitarbeiterin Anna Michels hat sich bei Luxemburg-Pendlern an der Bushaltestelle am Trierer Messepark umgehört, die schon heute mit dem Bus ins Nachbarland zur Arbeit pendeln. Viele der Befragten sehen den Umstieg auf gemeinsam genutzte E-Mobile zwar kritisch. Unter Umständen könnte es jedoch eine Alternative darstellen. Maximilian Biegel (19) sagt: "Wenn man das Car-Sharing bis nach Wasserbillig nutzen könnte, wäre das optimal." Auf das Problem verschiedener Arbeitszeiten weist Bärbel Peter (52) hin: "Ich würde es weniger nutzen, weil es schwerer ist, sich abzusprechen, wenn man im Schichtdienst arbeitet." Dietmar Dutine sieht das ähnlich: "Ich würde Car-Sharing nicht nutzen, weil ich viel zu abhängig von anderen Leuten wäre." Diane Resch (51) kann sich gemeinsam genutzte E-Mobile hingegen vorstellen: "Ich würde es nutzen, wenn es flexibel gestaltbar wäre und man sich gegenseitig abspricht, so dass zum Beispiel die eine Woche der eine, die nächste Woche der andere fährt." mich