Mit dem Koffer zum Friseur

Wenn es um die eigene Gesundheit geht, sind die meisten Menschen wählerisch. Da fährt man schon mal kilometerweit, um den Arzt des langjährigen Vertrauens aufzusuchen. Vielleicht liegt es daran, dass ich recht selten krank bin, aber mein Glaube an die Halbgötter in Weiß ist dagegen grenzenlos.

Wenn es doch mal zwickt, schlage ich kurz entschlossen das Telefonbuch auf und gebe mein Glück leichtfertig in Fortunas Hände.

Ganz anders sieht es da bei den wirklich wichtigen Dingen des Lebens aus: dem Frisörbesuch zum Beispiel. An meine Haare lasse ich nämlich nur Wasser und Regine. Nicht, dass meine Haarpracht besonders schön, besonders spektakulär oder besonders kompliziert wäre.

In Wahrheit sind meine Haare sogar ziemlich solide: schnell wachsend, nicht übermäßig pflegebedürftig und mit einem äußerst durchschnittlichen Farbton gesegnet.

Und genau hier liegt das Problem: Regine, besagte Friseurin meines Vertrauens, hat seit Jahren die Aufgabe, eben diesen Farbton irgendwo zwischen dunkelblond und altem Teppich in "irgendetwas anderes" zu verwandeln. Das kann keine so wie sie.

So weit, so gut, allerdings trennen uns inzwischen fast 400 Kilometer. Ich bin Regine ein oder zwei Mal untreu geworden und habe es jedes Mal bitter bereut. Mal verließ ich den Laden platinblond, mal mit einem leichten Grünstich.

Seitdem fahre ich regelmäßig die vier Stunden nach Hause, lasse mir wieder einen neuen Anstrich verpassen und besuche - quasi nebenbei - Familie und alte Freunde. Bald ist es wieder soweit und mir fällt ein: Ich muss noch tanken und Koffer packen - für den Frisörbesuch.

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