Mit dem Moped durch Monte Carlo

Fünf junge Mopedfahrer aus Newel, begleitet von einem Techniker im Servicewagen, sind nach einer achttägigen abenteuerlichen Tour ins Fürstentum Monaco, verbunden mit einer Runde auf der Grand-Prix-Strecke in Monte-Carlo, "fix und fertig" zurückgekehrt. Beim Zieleinlauf auf dem Dorfplatz in Newel wurden die mutigen Abenteurer mit viel Beifall empfangen.

Die Teilnehmer an der Abenteuertour nach Monaco nach dem Zieleinlauf in Newel (von links): Martin Mohn, Daniel Müller, Ronny Buzziol, Matthias Schönhofen, Frank Metzler und Thomas Mohn. In Newel wurden sie mit viel Beifall begrüßt. Größere Probleme hatte das Quintett auf der 2186 Kilometer langen Tour nicht. TV-Foto: Peter Meier

Newel. Die Mitglieder des Mopedclubs "Rückenwind", vor zwei Jahren "aus dem Bauch heraus" gegründet, zeigten sich auch in diesem Jahr bei ihrer Abenteuer-Tour gut vorbereitet. Erfahrungen hatten sie bereits in den Vorjahren gesammelt. Damals ging es nach Paris und London - beides "Peanuts" im Vergleich zur diesjährigen Tour. Denn diesmal standen 2186 Kilometer auf dem Programm. Allein die längste Etappe von Poligny bis nach Remich maß 410 km. Sicherlich schon eine Mutprobe, wenn man bedenkt, dass die Mopeds der Marken Zündapp und Simson aus der ehemaligen DDR in den 70er Jahren gebaut wurden und lediglich 50 Kubikzentimeter auf den Asphalt bringen. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt ganze 45 Kilometer pro Stunde. Aber aus Sicherheitsgründen begleitete ein Servicewagen, ein Ford-T-Modell, mit Ersatzteilen wie Motoren und Bremsbelägen, die Crew.Nach dem Zieleinlauf bei der ersten Pressekonferenz seit Bestehen des Clubs gerieten die tapferen Mopedfahrer richtig ins Schwärmen. "Vom Start an hieß es fahren, reparieren, Landschaft genießen. Es war einfach toll", erzählt Martin Mohn. In bester Erinnerung bleibt die Einfahrt in Nizza an der Cote d'Azur, "wo wir mit einem Hupkonzert das Meer genossen, während uns die vielen Touristen mit Beifall begrüßten", so Matthias Schönhofen rückblickend."Unser Service-Mann brauchte keine größeren Schäden zu reparieren. Lediglich die Bremsen mussten aufgrund der Bergstrapazen ersetzt werden. Die Motoren zeigten sich als sehr stabil trotz der heißen Temperaturen von 40 Grad Celsius", bestätigte Schönhofen die Stabilität der alten Mopeds und freute sich darüber, dass es auch in gesundheitlicher Richtung keine Probleme gab. Die "Hausapotheke" blieb geschlossen. "Rund 350 Liter Moped-Spezialgemisch und 200 Liter Diesel für den Servicewagen mussten getankt werden", stellte Frank Metzler einen Kostenfaktor heraus und fügte schmunzelnd hinzu: "Das meiste Geld wurde für den Sonnenschutz, den wir verbraucht haben, ausgegeben." Wohin es im nächsten Jahr gehen soll, ließen die Abenteurer offen. Aber hinter vorgehaltener Hand wurde Russland ins Gespräch gebracht. Hintergrund Zündapp: Die Zünder- und Apparatebaugesellschaft wurde 1917 von Fritz Neumeyer gegründet. Ende der 1930er Jahre war Zündapp eine der fünf bedeutendsten Motorradfabriken in Europa. Motorräder und Mopeds bildeten bis zum Konkurs 1984 das Hauptgeschäft. Versuche, auf dem Automarkt zu landen, scheiterten. Zündapp produzierte auch Bootsmotoren, Nähmaschinen und Rasenmäher. Der Marktanteil bei deutschen Motorzweirädern bis 100 Kubikzentimeter belief sich 1967 auf 33 Prozent. Mitte der 1970er Jahre gingen die Verkaufszahlen jedoch zurück und brachen 1980 ein. Neue Gesetze und fehlendes modisches Bewusstsein wirkten beim Niedergang mit - da half es wenig, dass Zündapp-Motorräder als extrem zuverlässig galten. Simson: Die Firma Simson wurde 1856 von den beiden jüdischen Brüdern Löb und Moses Simson in Suhl gegründet. Zunächst wurde für die Rüstung produziert, ab 1896 Fahrräder und ab 1912 Kleinwagen. 1925 wurde Simson offizieller Lieferant der Reichswehr. Die Nazis enteigneten die Besitzer stufenweise, sie flohen 1936 in die USA. Später konzentrierte sich die Firma auf Waffen. Nach dem Krieg wurde das Werk weitgehend demontiert. Die Produktion von Waffen, Kinderwagen und Fahrrädern wurde wieder begonnen, die Firma in eine sowjetische Aktiengesellschaft eingegliedert. Motorräder, Mopeds und Roller wurden produziert. Nach der Wiedervereinigung wurde vergeblich versucht, ein Elektroauto zu prodzuieren. 2002 erfolgte die Insolvenz. (mek)