Mit der Jugend im Gespräch

TRIER. Die Probleme, die es mit Jugendlichen in Heiligkreuz gegeben hat - von Sachbeschädigung bis Alkoholkonsum und Drogenhandel -, gibt es nicht nur in diesem Stadtteil, sondern sie betreffen ganz Trier. Streetworker Matthias Opitz kennt die Situation.

Er ist nicht zuständig für Probleme, die die Jugendlichen bereiten, sondern für die Jugendlichen selbst. Das mache die Streetwork aus, sagt Matthias Opitz, der im August 2003 diese Aufgabe übernommen hat. Der 45-Jährige definiert Streetwork als "aufsuchende mobile Jugendarbeit". Seine "Kunden" sind Jugendliche, die sich nicht vom bestehenden Freizeitangebot angesprochen fühlen und die sich nicht pädagogisieren lassen wollen.Gemeinsame Lösungen mit den Ortsbeiräten

Junge Leute also, die ihre so genannten informellen Treffs haben, und die wird es immer geben. Dort kommt es auch sehr oft zu Konflikten mit den Anwohnern. "Ich bin aber nicht der lange Arm des Ordnungsamtes", versichert Opitz. Er sieht sich vielmehr als Vermittler. Auch zwischen Jugendlichen und den Ortsbeiräten stellt Opitz Kontakte her. Gemeinsam würden Lösungen gefunden. So hat in Heiligkreuz der Ortsbeirat an einem Treff in der Reckingstraße Bänke aufstellen lassen und auch eine Überdachung, lobt Opitz. Das sei sehr unbürokratisch gelaufen. Dabei fordere er Respekt von den Jugendlichen für die Erwachsenen, die etwas für sie tun wollen. Eng arbeitet er auch mit der Jugendpflegerin Susanne Schmitz und dem städtischen Amt für soziale Angelegenheiten, dem Jugendgemeinschaftswerk der Caritas und Sozialarbeiterin Siggi Saif zusammen. Die Streetwork ist eine wichtige Ergänzung zu den bestehenden Einrichtungen. Aber wo fängt man an? "Bei den Jugendlichen", lautet Opitz' Antwort. Er hat zunächst die jungen Leute bei ihren Treffs in Heiligkreuz und in Trier-Nord aufgesucht und Kontakt zu ihnen aufgebaut. Da könnte er schon mal als Eindringling angesehen werden, deshalb müsse er erst einmal Vertrauen wecken. Das brauche Zeit und Kontinuität, weiß der Diplom-Pädagoge aus Erfahrung. Und ständig kämen neue Problemlagen dazu, aktuell in der Pluwiger Straße. Zwar gibt es viele informelle Treffs, die eine gewisse Tradition haben, wie der Schlossplatz in Quint oder der Kirchplatz in Ehrang, und viele der jungen Leute wollen in ihrem Stadtteil bleiben. Gleichzeitig kommen viele Cliquen spontan zum Beispiel auf Spielplätzen zusammen. "Für die Kleinen wird etwas getan, aber für uns nicht", hat der Streetworker von solchen Gruppen schon oft gehört. Jugendliche ab 13 Jahren fielen tatsächlich "hinten runter", findet Opitz. Auf die Frage nach Alkoholkonsum und Drogenhandel bei solchen Zusammenkünften sagt Opitz, dass Alkoholmissbrauch ein durchgängiges Problem in der ganzen Stadt ist, das aber nicht die ganzen Cliquen durchzieht. Konkrete Hinweise auf Drogenhandel habe er nicht. Das könnten Lehrer an manchen Schulen wohl häufiger beobachten, glaubt der Streetworker. Ob solche Jugendliche denn überhaupt noch jemand an sich ran ließen? Opitz denkt schon, dass er einen Zugang finden kann, obwohl es nicht leicht sei. Zwar stehe er klar auf Seiten der Jugendlichen, kriminelle Handlungen würde er aber nicht decken, sondern das Gespräch suchen, versichert der 45-Jährige. Einige der Jugendlichen bauten Mist, andere schätzten vielleicht seine Arbeit. Opitz bleibt für alle gesprächsbereit, er will präventiv arbeiten. Auf die Frage, ob Eltern sich heutzutage ausreichend um ihre Kinder kümmern, will Opitz nicht generalisierend antworten. In vielen Familien müssten beide Elternteile arbeiten, da bleibe wenig Zeit für die Kinder. Dennoch gebe es problematische Jugendliche quer durch alle Schichten. Auch Jugendliche, deren Eltern sich kümmerten, könnten Problemfälle werden. Neben der schlechten Arbeitsplatzsituation komme auch die schlechte Ausbildungsplatzsituation hinzu, das führe zu Perspektivlosigkeit und Frust. Es sei immens wichtig, kontinuierlich bei den Treffs vorbeizuschauen, auch wenn das in einem so großen Einsatzgebiet wie der Stadt Trier schwierig sei. Opitz setzt auf Nachhaltigkeit, und er wünscht sich, dass manche Lösungen für die Jugendlichen schneller umgesetzt werden könnten, weil die Bürokratie vieles verlangsame. Und einer weiteren Hoffnung gibt der Streetworker Ausdruck, nämlich dass er seine Arbeit kontinuierlich fortsetzen kann. Die Stelle, die vom Arbeitsamt finanziert wird, läuft Ende Juli aus. Wie es dann weiter geht, ist noch offen.

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