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Mit einer alten Kelter fing alles an

Mit einer alten Kelter fing alles an

PFALZEL. Der Wunsch, eine Tradition am Leben zu erhalten und außerdem etwas Positives für den Heimatort zu bewirken - das waren die Gründe für die Entstehung der "Gruppe Pfalzeler Viez". Bereits im zehnten Jahr arbeitet die rührige und überaus aktive Herrenriege zusammen.

Mannehme einen Ortsvorsteher, drei heimatverbundene PfalzelerBürger, eine missachtete Antiquität und einige Porzen Viez. Vielmehr war nicht nötig, um die "Gruppe Pfalzeler Viez" ins Leben zurufen. Alfred Heß - bis 1997 Ortsvorsteher des Stadtteils -erinnert sich noch gut an den Abend im Januar 1994. Nach einerSitzung der Pfalzeler Ortsvereine sprachen ihn die begeistertenBürger Bert Knopp, Alfred Lautwein und Elmar Lieser an. Sie wüssten von einer alten Viezkelter, die zwar unbrauchbar, aber durchaus erhaltenswert sei. Gerade mal elf Tage später wurde das altertümliche Gerät aus dem Jahre 1897 mit Hilfe der Pfalzeler Feuerwehr sowie der Firma Theo Steil von dem Baugrundstück geholt und an einem sicheren Ort zwischengelagert.

Schnell fanden sich weitere engagierte Pfalzeler zusammen, denen es - ebenso wie der "Urtruppe" - am Herzen lag, den Viez und seine Entstehung wieder ins Bewusstsein der Bürger zu rücken. "Pfalzel war bis weit nach dem Krieg ein Viezdorf. Viez war das Hausgetränk der meisten Bürger", sagt Alfred Heß. Genau wie die meisten der insgesamt zehn "Gruppe Viez"-Mitglieder erinnert sich Heß noch lebhaft an die rege Betriebsamkeit im Herbst: Obsttransporte in den Hort und Vieztransporte von den zentralen Kelteranlagen zu den Häusern prägten das Geschehen auf den Straßen.

Um das Brauchtum für nachfolgende Generationen erlebbar zu machen, restaurierte die Gruppe die alte Viezkelter, installierte sie auf einem Platz in der Nähe des Amtshauses in der Residenzstraße und organisierte ein Kelterfest.

In der zehnten Auflage wird die Veranstaltung in diesem Jahr am 4. Oktober wieder zahlreiche Pfalzeler und auch viele Gäste aus naher und ferner Umgebung anziehen. An Ort und Stelle können die Besucher dann erleben, wie das Viezobst in die Kelter gebracht und mit hohem Einsatz von Muskelkraft gepresst wird. Rund 600 Liter Most stehen als Kostprobe und Beweis für die Arbeitskraft der "Viez-Brüder" zur Verfügung.

Um Obst in ausreichender Menge zur Verfügung zu haben, hat die Gruppe ein Grundstück mit Viezobst-Bäumen gepachtet. Eine weitere Fläche am Ortseingang wurde der Männer-Truppe kostenlos überlassen. Dort verbrachten die Herren in den letzten Monaten einen Großteil ihrer Freizeit: Wildwuchs entfernen, mähen, Gelände ebnen, alte Bäume beschneiden und 14 junge "Nachkömmlinge pflanzen". Das waren die Vorarbeiten für die Entstehung einer neuen Streuobstwiese.

Aber nicht nur mit Aktionen rund um den Viez befasst sich die Gruppe. Nach wie vor stellen die Zehn sich und den Erlös der Feste in den Dienst der Gemeinschaft und übernehmen Arbeiten, die wegen des städtischen Geldmangels nicht ausgeführt werden. Eine Freizeit-Anlage mit beliebtem Kinderspielplatz am Moselufer, die Renovierung des Pavillons auf der Wallmauer, ein für Ortsunkundige hilfreiches Hinweisschild am Pfarrheim und das historische Amtshaus an allen Außenseiten sowie im Innern tragen die Handschrift der "Gruppe Pfalzeler Viez".

Ans Aufhören denkt noch keiner

"Wir haben allein über 250 Helferstunden aufgebracht, um den Sitzungssaal im Amtshaus zu renovieren", stellt Arbeits-Koordinator Alfred Heß mit Stolz fest.

Ans Aufhören denken Bert Knopp und Alfred Lautwein, Peter Born und Erich Engel, Paul Moll und Heinz Teske, Rüdiger Frensch und Ewald Knopp, Thomas Knopp und Alfred Heß noch lange nicht. Schließlich macht die Arbeit zu viel Spaß. Und bekanntlich hält der maßvolle Genuss von Viez die Seele gesund und den Körper fit für vielfältige Aktivitäten.