Mit Kraft und Köpfchen

TRIER. Intelligent und körperlich anstrengend: Diese Eigenschaften verbindet das Mannschaftsspiel Rugby. Was auf den ersten Blick wie ein wildes Gerangel um einen Ball aussieht, ist in Wirklichkeit ein Spiel mit System, wie sich beim Training der Rugby-Spieler des FSV Trier-Tarforst zeigt.

"Hilfe, ich habe den Ball in der Hand!", denkt sich wohl so mancher Neuling, wenn er zum ersten Mal am Rugby-Training teilnimmt. Wer das Wurfobjekt in Händen hält, tut gut daran, es fest an sich zu klammern. Denn schnell ist der Spieler umringt von Gegnern, die ihm den Ball abknöpfen wollen. Und zudem von Spielern aus dem eigenen Team, die zur Verteidigung eilen. Doch während Anfänger dieser Situation mit einem unguten Gefühl entgegenblicken, schätzen erfahrene Spieler den Kampf um den Ball: "Das ist gerade das Schöne am Rugby", sagt Christian Berndt. Doch beim Training geht es nicht gleich ums Ballgefecht. Erst stehen das gemeinsame Aufwärmen und das Pass-Spiel an. "Wir werfen uns gegenseitig den Ball zu, um ein Gefühl dafür zu bekommen", erklärt Katharina Hartmann, Kapitänin der Damenmannschaft, den Zweck der Übung. Distanz überwinden, nicht den Ball

Beim Rugby wird mit einem ovalen Leder-Ei gespielt. Zwei Mannschaften zu je 15 Spielern stehen sich dabei gegenüber. Ziel ist es, den Ball in das gegnerische Feld zu bringen. Anders als bei anderen Sportarten darf der Ball jedoch nicht nach vorne geworfen werden. Er wird zu den Mitspielern nach hinten gepasst, denn beim Rugby soll der Spieler die Distanz überwinden, nicht der Ball. Ein gutes Pass-Spiel ist nur eine der Eigenschaften, die beim Rugby wichtig ist. "Mich fasziniert die Kombination von körperlicher Auseinandersetzung und Intelligenz des Spiels", sagt Katharina Hartmann, die seit drei Jahren zur Mannschaft gehört. "Kommilitonen haben mich damals gegen meinen Willen mitgeschleift", erzählt die Studentin. Nach dem ersten Training blieb sie dem Rugby-Spiel treu. Christian Berndt schätzt vor allem die Fairness im Spiel, aber auch danach: "Beim Rugby gibt es keine Rivalitäten unter den Mannschaften. Nach einem Spiel grillen wir auch schon mal zusammen", erzählt er. Doch trotz Fairness sind Verletzungen nicht ausgeschlossen. "Wer die Technik beherrscht und Erfahrung hat, dem passiert kaum etwas", relativiert Trainer Harald Ströher. Blaue Flecken seien aber an der Tagesordnung. Schutz bieten Stutzen und Zahnschienen. Stollenschuhe sorgen für einen guten Halt auf dem Spielfeld. Damit die Technik stimmt, werden neben dem Spiel beim Training auch verschiedene Angriffsmethoden geübt. Dazu zählt das so genannte Tackling. Denn wer sich mit dem Leder-Ei durch seine Gegner kämpfen will, läuft Gefahr, von deren Armen umschlungen und nach hinten gedrängt zu werden. "Angst vor Körperkontakt sollten Rugby-Spieler also nicht haben", sagt Katharina Hartmann. Die Sportart sei für viele Menschen geeignet, glaubt Christian Berndt. "Wer Spaß an Teamsport hat, kann beim Rugby mitmachen. Die Fitness kommt von alleine." Mitspielerin Martine Klosé räumt derweil mit einem Vorurteil auf: "Viele glauben, sie seien für Rugby nicht kräftig genug. Dabei spielen Figur und Größe keine Rolle", sagt sie. "Es gibt für jeden eine Spielposition. Rugby ist eine Teamsportart. Wir ergänzen uns gegenseitig." Sommer, Urlaub, freie Zeit: Jetzt ist genau der richtige Zeitpunkt, einmal etwas Neues auszuprobieren. Der TV stellt in loser Folge ausgefallene Sportarten vor, die oft wenig bekannt sind, aber auch in der Region Trier zunehmend Anhänger finden.

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