Mit Schimanski auf Du und Du

Beste Imagewerbung für die Eifel", "besonderes Kulturangebot", "außergewöhnlicher Job für einen Beamten." Das sind die Stichworte, die Heinz-Peter Hoffmann (54) aus Hillesheim spontan zu Tatort Eifel einfallen.

Man könnte es auch mit Namen umschreiben: Götz George, Senta Berger, Dietmar Bär, Miroslav Nemec, Uwe Ochsenknecht und, und, und.
Das Krimifestival, das alle zwei Jahre Stars vor und hinter der Kamera und mittlerweile mehr als 6000 Gäste in die Vulkaneifel zieht, hat sich zum bedeutendsten Branchentreff für Deutschlands Krimischaffende in Film und Fernsehen gemausert. Damit hebt es sich deutlich von den vielen Krimiliteratur-Festivals ab. Für Hoffmann bedeutet das: ein ausfüllender Nebenjob und vor allem viele unverhoffte Momente. Denn normalerweise hat er zu tun mit: Schulsanierung, Straßenerneuerung, Bauanträgen. Kann auf die Dauer auch tödlich sein. Aber das ist ein anderes Thema.
Was sich seit der Premiere 2002 bis zur sechsten Auflage von Tatort Eifel in diesem Jahr getan hat, ist jedenfalls beachtlich. Oder wie Hoffmann es sagt: "Bekloppt."
Denn anfangs sind Hoffmann und Michael Preute (Jacques Berndorf), die beiden Initiatoren des Festivals, eher skeptisch beäugt, denn mit offenen Armen empfangen worden. Hoffmann erinnert sich: "Ich weiß noch genau, wie Michael und ich vor dem ZDF-Moloch in Mainz gestanden haben - mit nichts anderem als unserer Idee und Michaels Namen." Immerhin hätten die Verantwortlichen aufgehorcht und wenig später das Land einen satten Zuschuss gen Daun geschickt. Da stand der ersten Auflage von Tatort Eifel, das Mitte September 2001 laufen sollte, nichts mehr im Weg. Doch dann der 11. September. "Und verständlicherweise hatte plötzlich niemand mehr Lust auf die Themen Mord und Totschlag." Also nach den Einladungen erst einmal Absagen an alle und eine abgespeckte Version im Februar 2002. Der Durchbruch war laut Hoffmann 2007. "Seither kommen die Profis und sagen: Das ist zwar Provinz, aber alles andere als provinziell." Man kennt sich, und vor allem läuft man wichtigen Leuten ("Bei denen man als Neuling nie im Leben einen Termin bekommen würde") zwangsläufig über den Weg. Nicht selten Start einer Karriere.
Mit einem Budget von 300 000 Euro (zum Start 150 000 Euro) und einem bundesweiten Ruf ist Tatort Eifel in der ersten Krimi-Liga angekommen. Ein Beweis: Bei der Berlinale im Februar geben die Macher von Tatort Eifel gemeinsam mit dem Verband deutscher Drehbuchautoren und dem Bundesminister für Kultur einen gemeinsamen Empfang für 600 Gäste aus den Bereichen Drehbuch, Film, Fernsehen, bei dem auch der Deutsche Drehbuchpreis verliehen wird. "Für viele der Gäste heißt es also: Cannes, Nizza, Daun, Berlin", sagt Hoffmann nicht ohne Stolz.
Und da muss man sich alle zwei Jahre im September in Daun auch nicht wundern, wenn einem plötzlich Schimanski im Hotelfoyer bei einem Kaffee gegenübersitzt.
Mario Hübner