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Mit Tempo 30 gegen "Erdbeben"

Mit Tempo 30 gegen "Erdbeben"

Eine Patentlösung für das Verkehrsproblem der Weststadt hat keiner der Teilnehmer der vierten Bürgerversammlung der Bürgerinitiative "Verkehr in Trier-West/Pallien" im Pfarrsaal Pallien gehabt. Wohl aber Vorschläge, die die Verwaltung, wäre ein Vertreter anwesend gewesen, prüfen könnte.

Trier-Pallien. Der Boden vibriert, Gläser klirren, Möbel wackeln. "Wir haben in zweieinhalb Stunden 114 Erschütterungen ab dem Wert von 3,0 auf der Richterscala gemessen", erklärt Eike Neumann-Overholthaus. 43 davon im Bereich über 3,5, dem Wert des Erdbebens in Mainz im Dezember. Der Spitzenwert von 4,5 - der zu Schäden an Gebäuden führen kann - sei zweimal erreicht worden. "Das ist Körperverletzung!", ruft eine der rund 80 Teilnehmer der vierten Bürgerversammlung der Bürgerinitiative (BI) "Verkehr in Trier-West/Pallien" im Pfarrsaal Im Sabel - darunter kein Vertreter der Verwaltung.

30 Stundenkilometer auch auf Bundesstraßen möglich



Neumann-Overholthaus wohnt nicht etwa in einem Erdbebengebiet, sondern in der Bonner Straße. In seinem Haus hat er am 10. Juni in der Zeit von 5.30 bis 8 Uhr mit einem Seismographen die Beben erfasst, die LKW verursachen. Dass es auch anders geht, zeigt das Foto eines Langholztransporters, der Schwingungen von 2,0 verursachte. "Das ist tolerierbar, weil er 30 Stundenkilometer gefahren ist." Er fordert daher, auch nach dem Ausbau der Bonner Straße, der für 2013 vorgesehen ist, Tempo 30 beizubehalten. Und dieses zu kontrollieren, am besten durch das Ordnungsamt. Denn die Polizei prüfe nur, um Unfälle zu verhindern, nicht Dauerschäden bei den Anwohnern, sagt Roland Eckert. "Die Stadt hat unseren Vorschlag abgelehnt. Andere Städte verdienen mit Starenkästen."

Tempo 30 sei - entgegen den Aussagen von Baudezernentin Simone Kaes-Torchiani - auch auf Bundesstraßen möglich, ergänzt Eckert. Das habe Verkehrsminister Hendrik Hering bei einem Ortstermin zugesagt. Denn laut Lärmaktionsplan gehört diese Straße - wie auch Bitburger und Kölner - zu den lautesten der Stadt. Sie verursachen Lärm von mehr als 70 Dezibel (dB) am Tag und 60 dB in der Nacht, Aachener und Luxemburger Straße immerhin noch 65 und 55 dB. "Das ist komplett im pathologischen, im gesundheitsgefährdeten Bereich", weiß Dr. Lothar Geigenmüller. Die Folgen: Erhöhung von Herzfrequenz und Blutdruck, Schädigung von Organen. Weitere Belastungen seien Ruß und Feinstäube, die Allergien, Asthma und Lungenkrankheiten hervorrufen könnten, sagt der Mediziner.

"Wir müssen uns diese Werte von der Stadt bestätigen lassen", schlägt Christian Sirsch vor. Das setze die Entscheider unter Druck. "Wir haben uns Werte von 120 dB in der Turnhalle bestätigen lassen." Inzwischen habe die Stadt reagiert - es sei leiser geworden.

Ursache des starken Verkehrs, insbesondere Lastwagen, sei der Bau der Umgehung Biewer und die Autobahnmaut. 45 Prozent der Touren durch Trier-West könnten durch eine Aufhebung der Maut auf der A 64 Ehrang-Luxemburg eingespart werden, schreibt die Firma Theo Steil der BI. Eckert fordert daher den Moselaufstieg; auch die Nordumfahrung ist im Gespräch. Weitere Ideen: Die Mautstellen vorverlegen oder A 64 und A 602 von der Maut befreien, damit die LKW die Autobahnen nutzen. Zudem sagt die Versammlung ein klares Nein zum dreispurigen Ausbau der Bitburger. Die Teilnehmer befürchten, dass mehr als die von der Stadt prognostizierten fünf Prozent der Verkehrsteilnehmer durch ihren Stadtteil rollen. Eine Teilnehmerin fordert vor dem Ortseingang Pallien eine Verkehrsinsel, "damit man nicht mit 50/60 Sachen reinbrettern kann".