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Mit Töpfen und Pfannen gegen Hasstiraden - Zahlreiche Demos in Trier

Demonstrationen und Gegendemonstrationen : Mit Töpfen und Pfannen gegen rechte Hasstiraden - Demos in Trier verlaufen friedlich (Update/Fotos)

Nach einer Veranstaltung der Corona-Kritiker fand am späten Samstagnachmittag auch die Kundgebung und der Umzug der NPD, begleitet von zahlreichen Gegendemonstrationen, statt. Die Gegendemonstranten und Anwohner setzten lautstarke Zeichen gegen die rechtsradikalen Parolen.

Zur NPD-Demo am Heuschreckenbrunnen in der Trierer Altstadt kamen am Samstag gegen 17 Uhr rund ein Dutzend Teilnehmer. Rund 200 Gegendemonstranten positionierten sich in der Stresemannstraße. Die Stresemannstraße wurde zwischen Viehmarktpkatz und City-Parkhaus gesperrt, ebenso die Nagelstraße für Passanten. Bereits vor Beginn des Aufzugs versuchten nach Polizeiangaben einige Personen die polizeilichen Absperrungen zu durchbrechen, offenbar um die Strecke zu blockieren. Dies konnte die Polizei aber verhindern.

„Alles ruhig bis jetzt, die Anmelder der Gegendemonstrationen sind sehr kooperativ“, sagt ein Polizist gegenüber dem TV. Auch am Handwerkerbrunnen am Ende der Nagelstraße stehen Gegendemonstranten.

Vom Heuschreckenbrunnen zog die NPD durch die Nagelstraße zum dortigen BürgerBüro von Ministerpräsidentin Malu Dreyer. „Deutschland den Deutschen“, skandierte die NPD dort.

Danach zog die NPD-Demo durch die Karl-Marx-Straße Richtung Römerbrücke. Dort wurde vor einigen Wochen die Triererin Edith Blum umgebracht.  Viele Fenster der Häuser links und rechts waren bis in die oberen Stockwerke geöffnet. Die Bewohner hieltenTöpfe und Pfannen heraus und klopften mit Suppenkellen und Kochlöffeln darauf. Das laute Geklapper übertönte die Tiraden und die Musik der Rechten. 

An der Ecke Lorenz-Kellner-Straße standen die Gegendemonstranten und skandierten „Nazis raus“. Thomas Kupzik. Sprecher des Verein Buntes Trier rief durchs Mikrofon: „Wir wollen eine solche Nazi-Brut hier in Trier nicht haben!“ Die Soundanlage der Gegendemonstration war so laut, dass die Kundgebungen der NPD-Demo nicht zu verstehen war.

Gegen 18.40 Uhr wurde es langsam dunkel. Die Teilnehmer der NPD-Demo zündeten in der Karl-Marx-Straße ihre Fackeln an. Das Verwaltungsgericht Trier hatte in einer Eilentscheidung am Freitag Auflagen der Stadt Trier, die das Tragen von Fackeln betraf, aufgehoben. Aus den Lautsprechern der Rechten tönte dazu „Siegfrieds Trauermarsch“ des von den Nazis im Dritten Reich verehrten Komponisten Richard Wagner.

Thomas Kupczik, Sprecher der Gegendemonstration, rief durch sein Mikro: „Wir stehen hier, weil wir diesen Rassismus nicht zulassen. In den vergangenen Jahren hat sich der politische Diskurs in Deutschland immer weiter mit rechten Narrativen angereichert, das darf nicht sein, dagegen müssen wir uns wehren.“ 

Schnell auflösen konnten die Einsatzkräfte auch eine Blockade auf dem Johanniterufer in Höhe der Römerbrücke. Bei dem dabei entstandenen Gerangel wurde ein Polizeibeamter zu Boden gestoßen und leicht verletzt. Er konnte seinen Dienst aber fortsetzen. Etwa 150 Gegendemonstranten versammelten sich gegen 18.20 Uhr an der Kreuzung Kaiserstraße/Römerbrücke und meldeten eine Spontandemonstration an. In Zusammenarbeit zwischen der Versammlungsbehörde der Stadt Trier und der Polizei wurde diese Demonstration nach etwa 20 Minuten beendet. 

Die Versammlungsteilnehmer schlossen sich der Gegenkundgebung an, die sich zwischenzeitlich an der Polizeiabsperrung am Ende der Karl-Marx-Straße auf Höhe der Römerbrücke versammelt hatte. Insgesamt versammelten sich dort etwa 500 Menschen. 

Laut einem Sprecher des Trierer Ordnungsamts verliefen inzwischen sowohl die NPD-Demo als auch die mehreren offiziell angemeldeten Gegendemos in der Trierer Altstadt ohne größere Zwischenfälle und wie geplant. „Es war zwischendurch zwar ein wenig laut, aber das ist bei solchen Demonstrationen nun mal so und das müssen wir gewähren.“ Die Teilnehmerzahl der NPD-Gegendemo gab der Behördensprecher insgesamt mit rund 300 an, die der NPD-Demo mit knapp 20.

Kurz vor 19 Uhr erreichte der Aufzug der rechten Szene  nach mehreren Kundgebungen in der Brückenstraße und der Karl-Marx-Straße die Römerbrücke und hielt auf der Brücke eine letzte Kundgebung ab. Gegen 19.30 war die NPD-Kundgebung beendet. Die Polizei beendete die letzten Straßensperrungen am Moselufer gegen 20.10 Uhr. 

 Gegen 14 Uhr hatten sich mehrere Hundert Kritiker der Corona-Maßnahmen zu einer von Kevin Singh organisierten Kundgebung auf dem Viehmarkt versammelt. Sie wurden durch Absperrgitter von mehr als hundert Gegendemonstranten des Vereins Buntes Trier getrennt. Die Polizei war mit einem größeren Aufgebot vor Ort. Die Polizei bezifferte die Teilnehmerzahl am Abend auf etwa 300 Menschen. Darunter seien auch vereinzelt Personen gewesen, die sich mit Sturmhauben vermummt hatten. Die Polizei nahm mehrere Personalien auf und stellte  eine Sturmhaube sicher. 

Einsatzleiter Polizeidirektor Ralf Krämer zog am Abend eine  insgesamt positive Einsatzbilanz: "Unsere Einsatzkonzeption sah vor, den Versammlungsteilnehmern die Ausübung ihres Grundrechtes auf Versammlungsfreiheit und freie Meinungsäußerung zu sichern. Störungen und das direkte Aufeinandertreffen rivalisierender Gruppen wollten wir mit einem starken Kräfteansatz und technischen Sperren verhindern. Dies ist uns gelungen." Leider hätten sich nicht alle Versammlungsteilnehmer teilweise an die geltenden Corona-Regeln gehalten. Die Polizei habe häufiger auf die Einhaltung der Regeln hinweisen müssen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Rechte Demo und Gegendemos am Samstag in Trier