Mitgründer der Antikenfestspiele

Mitgründer der Antikenfestspiele

Sie haben lange Jahre das Gesicht der Stadt geprägt: Die Dezernenten im Trierer Stadtvorstand. Anlässlich des aktuellen Personalwechsels im Rathaus haben wir uns umgeschaut, was aus den früheren Beigeordneten und Dezernenten geworden ist.

Trier. Termin bei Dr. Jürgen Grabbe, Rechtsanwalt. Eine schicke Kanzlei in bester Lage, mit der er in Bürogemeinschaft zusammenarbeitet. Hinter einem Berg von Fachzeitschriften sitzt der frühere Bürgermeister an einem aufgeräumten Schreibtisch. Modisch-fliederfarbenes Hemd, passende Krawatte, kurz geschorener Bart, trendige Brille.

Das war nicht immer so. Als er 1992 zum Trierer Kultur- und Schuldezernenten gewählt wurde, machte er - neben fundierten theoretischen Kultur-Kenntnissen - vor allem durch unglückliches Auftreten auf sich aufmerksam, wirkte oft wie ein Konfirmand.

Freilich hätte die Amtszeit des Sozialdemokraten kaum schwieriger beginnen können. Die SPD war zerbrochen, nachdem die Mehrheit den Aufstieg ihres Fraktionschefs Manfred Maximini zum zweiten Mann an der Stadtspitze blockiert hatte. Gleich mehrere hochkarätige Kandidaten wurden im innerparteilichen Krieg verschlissen, monatelang blieb das Amt vakant, irgendwann war nur noch Grabbe, der Mann vom Kölner Städtetag, übrig.

Es folgte ein zehnjähriges Auf und Ab, das Grabbe zeitweise als Trierer SPD-Vorsitzenden ins Zentrum der Macht brachte, aber 2002 damit endete, dass die SPD ihn nicht zur Wiederwahl vorschlug und die CDU das Amt für sich beanspruchte.

"Als Dezernent ist man keine Privatperson mehr"



Es sei ihm immer klar gewesen, "dass die Wahl nur auf Zeit war", sagt der 59-Jährige heute - und es wirkt fast so, als sei er erleichtert gewesen, aus der Tretmühle der Kommunalpolitik herauszukommen. Das enge Korsett der Termine, die öffentliche Vereinnahmung ("Als Dezernent ist man keine Privatperson mehr"), der Mangel an Zeit zur Pflege von Freundschaften: Er habe erst nach seiner Amtszeit "die Vorzüge des Lebens jenseits des Polit-Betriebs erkannt", erinnert sich Grabbe. Dass es im Gegenzug, anders als in der Verwaltung, kein Personal mehr gibt, das ihm zuarbeitet, ist da ein verschmerzbarer Verlust.

Als Strafverteidiger erlebt man Jürgen Grabbe selten. Eher schon beim Sozialgericht, wenn es um Berufskrankheiten, Erwerbsminderung oder Renten geht. Aber ohne Hektik. "Ich bin jetzt selbst Herr meiner Zeit", betont er. Und das heißt auch, dass er sich Zeit fürs Fitnesstudio nimmt. Und fürs geliebte Skifahren. Und, was ihm besonders wichtig ist, für Freunde und Bekannte. Dass er in Trier geblieben ist, hängt sicher auch damit zusammen, dass er hier sein privates Glück gefunden hat.

Im öffentlichen Leben ist er weiter verankert, als Geschäftsführer des Uni-Freundeskreises, als Heuschreck-Senator, SPD-Parteitagspräsident oder regelmäßiger Besucher von Kulturveranstaltungen. Doch dem selbst auferlegten Gebot, sich öffentlich nicht zur Kommunalpolitik zu äußern, ist er eisern treu geblieben. Aber war da nicht zumindest ein bisschen Schadenfreude, als sein Nachfolger Holkenbrink ein übers andere Mal ins Stolpern geriet? Nein, sagt Grabbe, und es klingt ehrlich.

Seine eigene Amtszeit sieht er rückblickend gar nicht so skeptisch, wie sie seinerzeit oft bewertet wurde. Immerhin hat er die Antikenfestspiele auf Kiel gesetzt und die erfolgreichen Gründerjahre verantwortet. Auch die damals heftig umstrittene Zusammenlegung von VHS und Musikschule und die Berufung von Rudolf Hahn zum Leiter fiel in seine Zuständigkeit - beides wird heute als Glücksfall bewertet. Er hat das Kulturbüro erfunden und gegen allerlei Protest die Pläne für das Museum Simeonstift erstellen lassen, die Jahre später den kurzfristigen Umbau fürs Konstantin-Jahr ermöglichten.

Dass er heute als Mitverursacher des desolaten Zustands der Trierer Schulen gilt, lässt er ungern auf sich sitzen. Er habe schon bei Amtsantritt "einen gewaltigen Sanierungsstau übernommen" und habe nur so viel Geld investieren können, wie der Stadtrat ("Mein Arbeitgeber") ihm ermöglicht habe.

Ob er noch etwas gerne umgesetzt hätte? "Eine Gesamtschule", sagt er unumwunden, "aber dafür gab es damals keine politischen Mehrheiten".